Eine neue Studie, veröffentlicht in Communications Biology, wirft ein Schlaglicht auf die mikrobiellen Risiken kommerzieller Rohkost-Katzennahrung, insbesondere gefriergetrockneter Produkte, und unterstreicht die potenziellen Gefahren für Katzen und ihre Besitzer. Die Untersuchung, durchgeführt von Guillaume Reboul, Aaron C. Malkowski und Laura B. Goodman, zeigt, dass rohe Katzennahrung eine Vielzahl pathogener Bakterien und Antibiotikaresistenzgene (ARGs) enthält, die ernsthafte Gesundheitsrisiken bergen. Besonders alarmierend: Gefriergetrocknete Produkte, die oft als sicherer gelten, weil sie bei Raumtemperatur verkauft werden, weisen ähnlich hohe Risiken auf wie gefrorene Rohkost.
Hintergrund: Der Boom der Rohkost-Diäten
Seit über 30 Jahren gewinnen rohe Diäten für Haustiere, bekannt als BARF (Bone and Raw Food), an Popularität. Befürworter betonen Vorteile wie bessere Verdauung, gestärktes Immunsystem und verbessertes Erscheinungsbild von Haustieren. Studien, wie die von Buff et al., bestätigen, dass Rohkost die Nährstoffbedürfnisse von Katzen und Hunden oft besser deckt als konventionelles Futter. Dennoch mehren sich Hinweise auf gesundheitliche Risiken, insbesondere durch zoonotische Krankheitserreger und Antibiotikaresistenzen, die Mensch und Tier gefährden können. Trotz Warnungen von Regulierungsbehörden und Nachrichtenberichten setzen viele Tierbesitzer in den USA und Europa auf Rohkost, oft beeinflusst durch Online-Communities, die anekdotische Vorteile hervorheben. Laut Umfragen beziehen etwa zwei Drittel der Tierbesitzer ihre Informationen aus dem Internet statt von Tierärzten, was das Risiko durch unzureichende Kenntnisse über den Umgang mit Rohkost erhöht.
Studienmethodik: Umfassende Analyse von 112 Produkten
Die Forscher untersuchten 112 kommerzielle Katzennahrungsprodukte, darunter 27 konventionelle und 85 rohe (einschließlich gefriergetrockneter und gefrorener) Produkte, die von großen Online-Händlern und Lebensmittelketten in den USA bezogen wurden. Mithilfe von Kultivierungstechniken und Hochdurchsatz-Sequenzierung (16S-rRNA-Gen-Meta-Barcoding) wurde die mikrobielle Zusammensetzung analysiert. Zudem wurde die Proteinquelle der Produkte durch mitochondriale 16S-rRNA-Gen-Amplifikation überprüft, um die Übereinstimmung mit den deklarierten Inhaltsstoffen zu validieren.
Ergebnisse: Pathogene und Resistenzgene in Rohkost
Die Studie lieferte besorgniserregende Ergebnisse:
- Pathogene Bakterien: Bakterienkulturen wurden ausschließlich aus rohen Produkten isoliert, darunter 19 Gattungen wie Salmonella, Clostridium, Escherichia, Klebsiella, Enterobacter und Cronobacter. Besonders gefriergetrocknete Produkte wiesen hohe Konzentrationen von Clostridium sensu stricto 1 (CSS1) auf, wobei 85 % der CSS1-Sequenzen Clostridium perfringens entsprachen. Auch Clostridium botulinum–DNA wurde in sechs gefrorenen und einem gefriergetrockneten Produkt nachgewiesen.
- Antibiotikaresistenz: Carbapenem-resistente Stämme von Pseudomonas aeruginosa und Pseudomonas fulva sowie Stenotrophomonas lactitubi wurden in gefrorenen Rohprodukten gefunden. Sechs Bacillus-Stämme trugen das Carbapenemase-Gen bla2. Multidrug-Effluxpumpen waren in gefrorenen Isolaten weit verbreitet, was die Verbreitung von Resistenzen erleichtert.
- Parasiten: Parasitengene, wie solche von Echinococcus und Sarcocystis, wurden ausschließlich in rohen Produkten nachgewiesen, was das Risiko zoonotischer Infektionen erhöht.
- Indikatorgattungen: Clostridium sensu stricto 1 wies mit 95 % Sensitivität und 78 % Spezifität auf gefriergetrocknete Rohprodukte hin, während Pseudomonas, Paraclostridium und Peptostreptococcus mit gefrorenen Rohprodukten assoziiert waren. Bacillus hingegen war typisch für konventionelle Produkte.
Die mikrobielle Vielfalt war in rohen Produkten höher als in konventionellen, wie durch Alpha-Diversitätsmetriken (Shannon, Faith’s Phylogenetic Diversity, Pielou’s Evenness) bestätigt wurde. Beta-Diversitätsanalysen zeigten signifikante Unterschiede in der mikrobiellen Zusammensetzung zwischen rohen und konventionellen Produkten.
Proteinquellen: Häufige Diskrepanzen
Die Überprüfung der Proteinquellen ergab, dass 59 % der Produkte mit den deklarierten Inhaltsstoffen übereinstimmten, 28 % teilweise („neutral“) und 13 % wiesen erhebliche Abweichungen auf. Besonders bei Dosenfutter mit „Fleischnebenprodukten“ wurde oft Schwein nachgewiesen, obwohl Huhn oder Fisch deklariert waren. Gefriergetrocknete Produkte (75 %) und Trockenfutter (62 %) zeigten die höchste Übereinstimmung.
Gesundheitsrisiken und One-Health-Perspektive
Die Ergebnisse unterstreichen die Risiken roher Katzennahrung für die Gesundheit von Tieren und Menschen:
- Zoonotische Infektionen: Pathogene wie Salmonella, Listeria und Mycobacterium bovis (wie in einem britischen Fall mit 13 infizierten Katzen dokumentiert) können auf Haustierbesitzer übertragen werden, insbesondere durch unsachgemäßen Umgang.
- Antibiotikaresistenz: Die Verbreitung von ARGs, etwa durch horizontale Genübertragung, stellt ein globales Gesundheitsrisiko dar. Rohe Produkte, insbesondere gefriergetrocknete, könnten durch ihre Haltbarkeit bei Raumtemperatur eine breitere Verbreitung resistenter Bakterien begünstigen.
- Mangelnde Aufklärung: Studien zeigen, dass Tierbesitzer oft nicht ausreichend über den sicheren Umgang mit Rohkost informiert sind, was die Risiken verschärft.
Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Die Studie fordert dringende regulatorische Maßnahmen, um die Risiken roher Katzennahrung zu minimieren. Gefriergetrocknete Produkte, die als sicher wahrgenommen werden, sind genauso risikobehaftet wie gefrorene Rohkost. Die Forscher empfehlen:
- Strengere Kontrollen: Regelmäßige Tests auf pathogene Keime und Resistenzgene in rohen Produkten.
- Aufklärung der Verbraucher: Tierbesitzer sollten über Risiken und den sicheren Umgang mit Rohkost aufgeklärt werden, etwa durch tierärztliche Beratung statt Online-Quellen.
- Alternative Futteroptionen: Konventionelle Produkte, die weniger pathogene Keime und ARGs enthalten, könnten eine sicherere Wahl sein.
Relevanz für die Öffentlichkeit
Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, die Beliebtheit von Rohkost-Diäten kritisch zu hinterfragen. Während sie ernährungsphysiologische Vorteile bieten können, überwiegen die mikrobiellen und zoonotischen Risiken, insbesondere in Haushalten mit Kindern, älteren Menschen oder immungeschwächten Personen. Die Ergebnisse sind ein Weckruf für Tierbesitzer, Hersteller und Regulierungsbehörden, die Sicherheit von Haustierfutter zu priorisieren.
Quelle: Reboul, G., Malkowski, A.C., Goodman, L.B. et al. Analysis of microbiota in commercial raw cat food to prioritize food safety investigations. Commun Biol 8, 1349 (2025).
DOI: 10.1038/s42003-025-06875-8
