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Mehrlingsgeburten nach IVF in Deutschland erstmals unter zehn Prozent

Die Rate der Mehrlingsgeburten nach künstlicher Befruchtung ist in Deutschland erstmals unter die Marke von zehn Prozent gesunken. Das geht aus den aktuellen Daten des Deutschen IVF-Registers (D·I·R) für die Jahre 2023 und 2024 hervor, die am Samstag veröffentlicht wurden. Der Rückgang wird vor allem auf die zunehmende Anwendung des Single-Embryo-Transfers (SET) zurückgeführt, bei dem nur noch ein Embryo pro Behandlungszyklus übertragen wird.

Im Jahr 2023 lag die Mehrlingsrate bei 9,3 Prozent aller Geburten nach assistierter Reproduktion – ein deutlicher Rückgang gegenüber 22 Prozent im Jahr 2017. Die absoluten Zahlen zeigen den Trend ebenso klar: Während 2017 noch 2.818 Mehrlingsgeburten registriert wurden, waren es 2023 nur noch 1.039. Damit entfallen mehr als 90 Prozent aller Geburten nach Kinderwunschbehandlung auf Einlinge, was das Risiko für Frühgeburten und gesundheitliche Komplikationen bei Mutter und Kind erheblich senkt.

Geborene Kinder nach Kinderwunschbehandlungen 1997-2023
Quelle: Dipl.-Des. Soo-Hee Kim
Copyright: U&MI Design · Visual Communication, Dipl.-Des. Soo-Hee Kim

Insgesamt wurden 2024 rund 134.281 Behandlungszyklen dokumentiert. Die Schwangerschaftsraten haben sich bei Frisch- und Kryo- (Auftau-)Zyklen weiter angenähert: Sie liegen nun bei 30,5 bzw. 31,5 Prozent pro Embryotransfer und sind damit praktisch gleichwertig. Experten sehen darin einen Beleg für die kontinuierliche Verbesserung der Kryokonservierungstechniken.

Seit Beginn der systematischen Erfassung im Jahr 1997 sind in Deutschland mehr als 2,6 Millionen Behandlungszyklen registriert worden. Insgesamt kamen bis Ende 2023 genau 433.858 Kinder nach assistierter Reproduktion zur Welt – eine Zahl, die in etwa der Einwohnerzahl der Städte Saarbrücken und Chemnitz zusammen entspricht. Hochgerechnet bedeutet das: In nahezu jeder deutschen Schulklasse sitzen heute ein bis zwei Kinder, die mithilfe der Reproduktionsmedizin gezeugt wurden.

Das Alter der Frau bleibt der mit Abstand wichtigste Erfolgsfaktor. Bei Patientinnen zwischen 30 und 34 Jahren liegt die Schwangerschaftsrate pro Transfer bei 39 Prozent, die Geburtenrate bei gut 30 Prozent. Ab 41 Jahren sinkt die Schwangerschaftschance dagegen auf 17 Prozent, die Geburtenrate sogar unter zehn Prozent. Die Register-Verantwortlichen appellieren daher erneut, eine gewünschte Schwangerschaft nicht zu lange aufzuschieben.

Ebenfalls deutlich gestiegen ist die Zahl der Behandlungen mit Spendersamen – von 1.129 im Jahr 2018 auf 3.177 im Jahr 2023. Als Grund nennen die Experten vor allem die bei Männern häufig eingeschränkte Spermienqualität sowie den zunehmenden Wunsch von alleinstehenden Frauen und lesbischen Paaren nach Kindern.

Die Daten basieren auf den Meldungen von 139 der 143 Mitgliedszentren des Deutschen IVF-Registers. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit seiner Mehrlingsrate von unter zehn Prozent zwar im oberen Bereich, bleibt aber hinter Ländern wie Schweden, Norwegen oder den Niederlanden zurück, wo die Quote teilweise bereits unter fünf Prozent liegt.

Das Register betont die hohe Sicherheit der Verfahren: Schwere Überstimulationssyndrome treten nur in 0,2 Prozent, Blutungen nach der Eizellentnahme in 0,8 Prozent der Fälle auf. Eine spezielle Sonderausgabe des Jahrbuchs 2024 richtet sich direkt an betroffene Paare und ist kostenfrei online abrufbar.

Originalpublikation:

https://www.deutsches-ivf-register.de/jahrbuch.php