Peniskrebs: Eine seltene, aber ernst zu nehmende Erkrankung.
Was ist Peniskrebs?
Peniskrebs (medizinisch: Peniskarzinom) ist eine seltene Tumorerkrankung des männlichen Genitaltrakts. In der Schweiz erkranken jährlich etwa 80 Männer daran, in Deutschland sind es rund 800 Fälle pro Jahr[1][8]. Zum Zeitpunkt der Diagnose sind über 40% der Patienten 75 Jahre oder älter[1]. In den meisten Fällen handelt es sich um ein Plattenepithelkarzinom, das vorwiegend an der Eichel (Glans penis) und der Vorhaut entsteht[1][6].
Obwohl Peniskrebs eine oberflächliche Lokalisation aufweist und somit eine Früherkennung möglich wäre, werden viele Fälle aufgrund von Schamgefühlen erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert[2][8]. Der Tumor schreitet in der Regel langsam voran und metastasiert vorwiegend lymphogen über die Leistenlymphknoten[1][2].
Risikofaktoren
Mehrere Faktoren können das Risiko für die Entwicklung eines Peniskarzinoms erhöhen:
- Vorhautverengung (Phimose): Wenn sich die Vorhaut nicht vollständig zurückschieben lässt, wird die Körperpflege erschwert und mögliche Hautveränderungen bleiben unentdeckt[1][8]
- Chronische Entzündungen am Penis, oft durch mangelnde Hygiene verursacht[1][4]
- HPV-Infektion: Etwa 50% der Peniskrebsfälle sind mit den Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 assoziiert[3][8]
- Rauchen: Tabakkonsum erhöht das relative Risiko um das 5,9-fache, dosisabhängig[4]
- Bestimmte Hauterkrankungen wie Erythroplasie Queyrat oder Morbus Bowen[1][6]
Eine frühe Beschneidung im Kindesalter kann einen gewissen Schutz bieten und reduziert das Risiko um den Faktor 3 bis 10[4]. In Ländern oder Kulturkreisen, in denen Beschneidungen im Kindesalter üblich sind, tritt Peniskrebs seltener auf[7].
Symptome und Warnzeichen
Die Früherkennung von Peniskrebs ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung. Folgende Symptome sollten ernst genommen werden:
- Blumenkohlartige Hautveränderungen an der Eichel[1]
- Verhärtungen oder Schwellungen an Eichel oder Vorhaut[1][7]
- Nicht heilende gerötete Stellen oder Geschwüre[6]
- Ausfluss oder Blutungen aus dem Penis[1][7]
- Vergrößerte Lymphknoten in der Leiste[6]
Diagnose
Bei Verdacht auf Peniskrebs erfolgt zunächst eine gründliche körperliche Untersuchung. Zur Sicherung der Diagnose wird eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und mikroskopisch untersucht[6][10]. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) helfen dabei, die Ausbreitung des Tumors und mögliche Metastasen zu beurteilen[8][10].
Die Diagnose wird durch die TNM-Klassifikation ergänzt, die die Größe des Tumors (T), den Befall der Lymphknoten (N) und das Vorhandensein von Fernmetastasen (M) beschreibt[10].
Behandlungsmöglichkeiten
Das oberste Ziel der Therapie ist die vollständige Entfernung des Tumors unter möglichem Erhalt des Penis und der Funktionalität[8]. Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung, der Größe und Lage des Tumors sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.
Frühe Stadien und oberflächliche Tumoren
- Topische Therapie: Cremes mit 5-Fluorouracil oder Imiquimod können bei Krebsvorstufen und oberflächlichen Tumoren angewendet werden[3][6]
- Laserbehandlung: Kleinere und oberflächliche Tumore können unter Erhalt der Vorhaut mit dem Laser entfernt werden[8]
- Strahlentherapie: Insbesondere bei kleinen Tumoren ist eine Strahlentherapie möglich, entweder von außen oder als Brachytherapie (Bestrahlung von innen)[3][6]
Fortgeschrittene Stadien
- Teilresektion: Bei größeren Tumoren an der Eichel muss diese entfernt werden, wobei über den verbleibenden Penisstumpf das Urinieren noch möglich ist[8]
- Penisamputation: Bei ausgedehnten Tumoren kann eine vollständige Entfernung des Penis notwendig sein. Die Harnröhre wird dann zum Damm geführt und dort neu angelegt[8]
- Lymphknotenentfernung: Bei Befall der Leistenlymphknoten werden diese und die nächstgelegenen entfernt[1][10]
- Chemotherapie: Bei inoperablen Tumoren oder Metastasen kann eine systemische Chemotherapie eingesetzt werden[6][8]
Nach größeren Operationen besteht die Möglichkeit, einen funktionsfähigen Penis aus körpereigenem Gewebe wiederaufzubauen[3].
Prävention und Früherkennung
Zur Vorbeugung von Peniskrebs sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:
- Regelmäßige Intimhygiene zur Reduktion des Risikos für chronische Entzündungen und Infektionen[4]
- HPV-Impfung für Jungen im Alter von 9-14 Jahren kann das Risiko für HPV-bedingte Krebserkrankungen senken[3]
- Behandlung einer Phimose durch Beschneidung, wenn die Vorhaut nicht zurückgeschoben werden kann[7]
- Selbstuntersuchung zur frühzeitigen Erkennung von Hautveränderungen am Penis[4]
- Regelmäßige urologische Vorsorgeuntersuchungen ab dem 45. Lebensjahr[7]
Fazit
Peniskrebs ist zwar selten, sollte aber aufgrund seiner potenziell schwerwiegenden Folgen nicht unterschätzt werden. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung verbessern die Prognose erheblich und ermöglichen oft organerhaltende Therapien. Männer sollten daher auf Veränderungen an ihrem Penis achten und bei Auffälligkeiten zeitnah einen Urologen aufsuchen. Die Überwindung von Schamgefühlen kann in diesem Fall lebensrettend sein.
Seit 2020 gibt es in Deutschland erstmals eine S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms, die auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand basiert und einen einheitlichen Behandlungsstandard für diese seltene Tumorerkrankung schafft[5].
Quellen:
[1] Symptome und Behandlung von Peniskrebs (Peniskarzinom) https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/peniskrebs-peniskarzinom
[2] Peniskarzinom – Uroonkologie – eMedpedia | springermedizin.de https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/uroonkologie/peniskarzinom?epediaDoi=10.1007%2F978-3-662-54652-9_74
[3] Peniskrebs – Deutsche Krebsgesellschaft https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/peniskrebs.html
[4] Peniskrebs (Peniskarzinom) – Prävention https://www.gesundheits-lexikon.com/Krebs/Peniskrebs-Peniskarzinom/Praevention
[5] Neu: S3-Leitlinie zum Peniskarzinom erschienen (26.08.2020) https://www.urologenportal.de/pressebereich/pressemitteilungen/aktuell/neu-s3-leitlinie-zum-peniskarzinom-erschienen-26082020.html
[6] Peniskrebs – Nieren- und Harnwegserkrankungen – MSD Manuals https://www.msdmanuals.com/de/heim/nieren-und-harnwegserkrankungen/krebs-der-nieren-und-des-urogenitaltrakts/peniskrebs
[7] Peniskarzinom: ein großes Tabu – Ärzte Zeitung https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Peniskarzinom-ein-grosses-Tabu-272225.html
[8] Urologie: Penistumoren – Universitätsklinikum Würzburg https://www.ukw.de/urologie/schwerpunkte/krebsbehandlung-des-urogenitaltraktes/penistumoren/
[9] Peniskrebs: Risikofaktoren, Symptome und Behandlung – ALTA Klinik https://www.alta-klinik.de/urologie/peniskrebs/
[10] Peniskrebs (Peniskarzinom) – Asklepios Kliniken https://www.asklepios.com/konzern/diagnosen/nieren-unterkoerper/unterkoerper/peniskarzinom
[11] [PDF] Peniskrebs – Deutsche Krebshilfe https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Patientenleitlinien/Peniskarzinom_Patientenleitlinie_DeutscheKrebshilfe.pdf
[12] Peniskrebs – Entschieden gegen Krebs https://www.entschiedengegenkrebs.de/erkrankungen/peniskrebs/
[13] [PDF] Peniskrebs – Leitlinienprogramm Onkologie https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Patientenleitlinien/Patientenleitlinie_Peniskrebs_1680013.pdf
[14] Peniskarzinom – DocCheck Flexikon https://flexikon.doccheck.com/de/Peniskarzinom
[15] Peniskrebs Behandlung – Uniklinik Mannheim https://www.umm.de/uro-onkologisches-zentrum/leistungsspektrum/peniskrebs/peniskrebs-behandlung/
[16] Peniskarzinom: Informationen & Peniskrebs-Spezialisten https://www.leading-medicine-guide.com/de/erkrankungen/tumoren/peniskrebs
[17] Peniskrebs | Gesundheitsportal – Gesundheit.gv.at https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/krebs/hoden-prostatakrebs/peniskrebs.html
[18] Peniskrebs / Peniskarzinom – Ursachen, Behandlung | KSW https://www.ksw.ch/gesundheitsthemen/peniskrebs-peniskarzinom/
[19] Peniskrebs – Universitätsspital Zürich https://www.usz.ch/krankheit/peniskrebs/
[20] Peniskarzinom https://www.uniklinikum-jena.de/urologie/Informationen%20f%C3%BCr%20Patienten/Krankheitsbilder/Peniskarzinom.print
[21] Peniskarzinom – Leitlinienprogramm Onkologie https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/peniskarzinom
[22] Behandlungsoptionen beim Peniskrebs https://www.st-katharinen-hospital.de/kliniken/urologie/urologische-krebserkrankungen/peniskrebs/behandlungsoptionen
[23] [PDF] S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Peniskarzinom/Version_1/LL_Peniskarzinom_Kurzversion_1.0.pdf
[24] S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/043-042OL
[25] [PDF] Patientenleitlinie Peniskrebs Konsultationsfassung https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/2021-12-14_PLL_Peniskrebs_Konsultationsfassung.pdf
[26] [PDF] Peniskarzinom – München – LMU Klinikum https://cdn.lmu-klinikum.de/0738d9876e78d743/50a3986ba3fc/CCCM_SOP_Peniskarzinom_210601_Internet.pdf
[27] Klinik für Urologie und Kinderurologie – UKS | Peniskrebs https://www.uks.eu/kliniken-einrichtungen/urologie-kinderurologie/urologie-und-kinderurologie/schwerpunkte/peniskrebs
[28] Peniskarzinom – Die Urologie – eMedpedia | springermedizin.de https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/die-urologie/peniskarzinom?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-41168-7_20
[29] Peniskrebs: Klinik für Urologie – Charité – Universitätsmedizin Berlin https://urologie.charite.de/behandlungsangebot/peniskrebs
[30] [PDF] S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms https://register.awmf.org/assets/guidelines/043-042OLl_S3_Peniskarzinom_2020-08.pdf
