Sendai. Ein Forschungsteam der Universität Tohoku hat eine bislang unbekannte Struktur in Lymphknoten identifiziert: intranodale lymphovenöse Shunts (inLVS). Diese direkten Verbindungen zwischen Lymphsinus und Venen innerhalb der Lymphknoten ermöglichen einen Umgehungsweg für die Lymphflüssigkeit – ein Befund, der das bisherige Modell der einseitigen Lymphdrainage grundlegend infrage stellt. Die Entdeckung wurde am 4. Februar 2026 im Journal of Pathology veröffentlicht.
Das Team um Dr. Ariunbuyan Sukhbaatar, Prof. Tsuyoshi Sugiura und Prof. Tetsuya Kodama untersuchte alle 22 Lymphknotentypen des Körpers mittels hochauflösender Bildgebung (Mikro-Computertomographie, Eisen-Nanopartikel-Kontrast) an einem Mausmodell, das menschlichen Lymphknotenstrukturen sehr ähnelt.
Bisher ging man davon aus, dass Lymphflüssigkeit ausschließlich über die hoch-endothelialen Venolen (HEV) in den Lymphsinus gelangt und letztlich in die Vena subclavia mündet. Die neuen Shunts zeigen jedoch, dass Lymphflüssigkeit direkt in Venen innerhalb des Lymphknotens fließen kann.
„Der intranodale lymphovenöse Shunt ist ein Umgehungsweg, der unsere Vorstellungen von der Lymphbewegung komplett verändert“, erklärt Sukhbaatar. Die Entdeckung hat weitreichende Implikationen.
- Lymphödem: Nach Krebsoperationen (z. B. Brust- oder Gebärmutterkrebs) entstehende Schwellungen könnten durch Modulation oder Verschluss der Shunts gezielt reduziert werden.
- Lymphknotenmetastasierung: Die Shunts bieten einen potenziellen direkten Weg für Krebszellen in den Blutkreislauf – ein neuer Ansatzpunkt zur Verhinderung von Fernmetastasen.
- Therapieentwicklung: Präzise Wirkstoffabgabesysteme, die auf das Lymphsystem abzielen, könnten Nebenwirkungen minimieren und die Wirksamkeit steigern.
„Diese Erkenntnis könnte in Immunologie, Onkologie und regenerativer Medizin einen Paradigmenwechsel auslösen“, sagt Kodama.
Die Studie wurde an der Graduiertenschule für Zahnmedizin und Biomedizintechnik der Universität Tohoku durchgeführt.
Verifizierte Quelle:
- https://www.tohoku.ac.jp/en/press/discovery_reshapes_understanding_of_lympathic_physiology.html (Pressemitteilung Universität Tohoku, 9. Februar 2026)
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