Luzerner Kantonsspital führt schweizweit erstes automatisiertes Blutlagerungssystem ein
Das Luzerner Kantonsspital (LUKS) hat als erstes Spital in der Schweiz die offizielle Betriebsbewilligung für ein automatisiertes dezentrales Blutlagerungssystem namens HaemoBank erhalten. Das von Swissmedic geprüfte System soll die Bereitstellung von Blutprodukten in Notfall- und Routine-Situationen sicherer, schneller und effizienter gestalten.
Die HaemoBank ermöglicht es autorisiertem Pflegepersonal, Blutprodukte direkt an dezentral aufgestellten Einheiten – ausserhalb des Zentrallabors – selbstständig zu entnehmen. Die Zuteilung erfolgt digital über eine zentrale Stelle in der Labormedizin: Das System öffnet ausschliesslich das Fach mit dem zuvor freigegebenen, patientenspezifischen Blutprodukt. Dies ähnelt dem Prinzip eines Getränkeautomaten, arbeitet jedoch mit strengen medizinischen Sicherheitsstandards, einschliesslich Zugangskontrolle, Temperaturüberwachung und vollständiger Rückverfolgbarkeit.
Bisher mussten Pflegefachpersonen benötigte Blutprodukte im Labor abholen, was zu Unterbrechungen im Laborbetrieb, manuellen Doppelkontrollen und teilweise längeren Wegen in Hochbelastungsphasen führte. Die neue Lösung soll diese Prozesse entlasten, Wege verkürzen und im Notfall wertvolle Minuten sparen.
Dr. med. Binja Feusi Häne, Chefärztin Labormedizin am LUKS Luzern, bezeichnete die Einführung als „bedeutenden Schritt hin zu noch mehr Sicherheit, Effizienz und Transparenz im gesamten Transfusionsprozess“. Die Pilotphase im Zentrum für Intensivmedizin (ZIM) am Standort Luzern sei erfolgreich abgeschlossen worden. Der schrittweise Rollout auf weitere Bereiche, darunter der Neubau von Kinderspital und Frauenklinik in Luzern sowie die Standorte in Sursee und Wolhusen, ist für das laufende Jahr geplant.
Silvio Kathriner, Labormanager am LUKS, hob die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kliniken, Labor, IT und Medizintechnik hervor, die massgeblich zum Erfolg des Projekts beigetragen habe. Das Hämatologie-Labor habe dabei eine zentrale Rolle gespielt. Die HaemoBank entlaste nicht nur das Personal in Labor und Pflege, sondern optimiere auch das Bestandsmanagement von Blutprodukten.
Das System stammt aus dem Bereich der „point-of-care“-Blutmanagement-Lösungen (vergleichbar mit Technologien wie BloodTrack HaemoBank von Haemonetics), die international bereits in einzelnen Kliniken eingesetzt werden. In der Schweiz markiert die Inbetriebnahme am LUKS jedoch einen Pionierfall. Experten sehen in solchen dezentralen, digital gesteuerten Lösungen Potenzial, Transfusionsprozesse insgesamt robuster zu machen – insbesondere in grossen Spitälern mit hohem Blutbedarf.
Eine unabhängige Bewertung der langfristigen Auswirkungen auf Patientensicherheit und Kosten bleibt abzuwarten. Die Swissmedic-Zulassung sowie die erfolgreiche Pilotphase sprechen jedoch für eine solide technische und regulatorische Grundlage. Das LUKS positioniert sich mit diesem Vorhaben als innovativer Akteur in der schweizerischen Spitalmedizin, wo Themen wie Digitalisierung und Prozessoptimierung zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Das Luzerner Kantonsspital versorgt mit seinen Standorten in Luzern, Sursee und Wolhusen eine Region von rund 700’000 Einwohnern und gilt als universitäres Lehr- und Forschungsspital.
