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Leitlinien definieren Diagnose und Behandlung von Pilzinfektionen des Auges neu

Pilzinfektionen des Auges betreffen weltweit Millionen von Menschen, mit einer besonders hohen Inzidenz in Süd- und Südostasien. Im Gegensatz zu bakteriellen Infektionen fehlen jedoch für die Pilzendophthalmitis standardisierte Diagnose- und Therapieprotokolle aufgrund ihrer Seltenheit, des variablen klinischen Bildes und begrenzter Daten aus klinischen Studien. Fehldiagnosen oder verzögerte Behandlungen führen oft zu irreversibler Erblindung. Zudem erhöhen die zunehmende Resistenz gegen Antimykotika und das Fehlen einheitlicher Teststandards die Komplexität. Angesichts dieser Herausforderungen war ein koordiniertes regionales und internationales Vorgehen dringend erforderlich, um Kontroversen zu klären, diagnostische Definitionen zu vereinheitlichen und Leitlinien für die optimale klinische Behandlung der Pilzendophthalmitis zu entwickeln.

Ein Forschungskonsortium unter der Leitung der Asia-Pacific Vitreo-Retina Society (APVRS), der Academy of the Asia-Pacific Professors of Ophthalmology (AAPPO) und der Asia-Pacific Society of Ocular Inflammation and Infection (APSOII) veröffentlichte im Oktober 2025 in der Fachzeitschrift „Eye and Vision“ (DOI: 10.1186/s40662-025-00456-y) umfassende Konsensusempfehlungen zur Pilzendophthalmitis. Die von 24 Experten aus 12 Ländern erarbeiteten Empfehlungen bringen unterschiedliche klinische Meinungen zur Früherkennung, zu antimykotischen Strategien, zu Vitrektomieverfahren und zur umstrittenen Rolle von Kortikosteroiden in Einklang und liefern damit den ersten regionenweiten Konsens zu dieser seltenen, aber die Sehkraft bedrohenden Infektion. Das von den Professoren Taraprasad Das und Dennis SC Lam koordinierte Konsensusprojekt fasste jahrzehntelange klinische Daten und Expertenerfahrung zusammen und entwickelte Leitlinien für fünf Bereiche: Krankheitsentität, klinische Diagnose, Pathobiologie, Therapie und zukünftige Entwicklung. Zu den wichtigsten Übereinstimmungen zählten: Pilzinfektionen treten typischerweise später auf als bakterielle Infektionen; Aspergillus , Candida und Fusarium sind die dominanten Erreger; und immungeschwächte Patienten tragen das höchste Risiko. Eine frühzeitige Vitrektomie wurde dringend empfohlen, um die Pilzlast zu reduzieren und die Wirkstoffpenetration zu verbessern, während die kombinierte intravitreale, systemische und topische Gabe von Antimykotika für optimale Ergebnisse empfohlen wurde. Modernste molekulare Methoden – wie die Polymerase-Kettenreaktion (PCR), die Next-Generation-Sequenzierung (NGS) und MALDI-TOF – wurden als entscheidend für kulturnegative Fälle anerkannt. Die Expertenmeinungen zur Anwendung von Kortikosteroiden gingen jedoch auseinander; nur 25 % befürworteten intravitreales Dexamethason aufgrund des Risikos einer Immunsuppression. Zukünftige Leitlinien betonen den verantwortungsvollen Umgang mit Antimykotika, Biomarker-Tests wie 1,3 ?-D-Glucan und Galactomannan zur schnellen Erkennung sowie die Integration neuer Wirkstoffe wie Olorofim und Terbinafin bei arzneimittelresistenten Infektionen.

Der neu etablierte Konsens stellt einen Wendepunkt für Kliniker weltweit dar, insbesondere in ressourcenarmen Regionen. Durch die Standardisierung von Diagnosekriterien und Behandlungsprotokollen bietet er Augenärzten eine praxisnahe Referenz für die Behandlung komplexer Pilzinfektionen. Die Anwendung molekularer Diagnostik und von Programmen zum rationalen Einsatz von Antimykotika wird die Früherkennung verbessern und die Resistenzentwicklung verlangsamen. Über die klinische Anwendung hinaus unterstreicht der Konsens die dringende Notwendigkeit globaler Überwachung und gemeinsamer Forschung zu neu auftretenden Krankheitserregern wie Candida auris . Zusammen bilden diese Empfehlungen die Grundlage für zukünftige multizentrische Studien und verbesserte Patientenergebnisse bei der Behandlung der Pilzendophthalmitis.

Quelle

DOI

10.1186/s40662-025-00456-y