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Labormedizin: Vulnerabilität der Lieferketten

Die Vulnerabilität der Supply Chains in der Labormedizin ist ein wichtiges Thema, das in Deutschland bislang wenig Beachtung findet. Dabei gibt es gute Gründe, darauf zu achten.

Vulnerabilität der Supply Chains in der Labormedizin

Die Lieferketten in der Labormedizin sind komplex und anfällig für Störungen. Die COVID-19-Pandemie hat die Schwachstellen deutlich aufgezeigt, aber auch andere Faktoren tragen zur Vulnerabilität bei.

Abhängigkeit von wenigen Zulieferern

Ein Hauptproblem ist die starke Abhängigkeit von wenigen Zulieferern, insbesondere aus China und Indien. So werden beispielsweise über 80% der weltweit benötigten Wirkstoffe für Arzneimittel in diesen beiden Ländern hergestellt[2]. Bei Engpässen oder Produktionsausfällen dort kann es schnell zu globalen Versorgungsproblemen kommen.

Komplexität der Lieferketten

Die zunehmende Komplexität und Spezialisierung der pharmazeutischen Lieferketten stellt eine weitere Herausforderung dar[2]. Viele Produkte durchlaufen zahlreiche Produktionsschritte an verschiedenen Standorten weltweit. Dies macht die Ketten anfällig für Störungen.

Mangelnde Transparenz

Fehlende Transparenz über die gesamte Lieferkette hinweg ist ein weiteres Problem. Oft haben Labore und Krankenhäuser keinen Überblick über vorgelagerte Zulieferer ihrer direkten Lieferanten. Dies erschwert das frühzeitige Erkennen von Engpässen[1].

Konkrete Beispiele für Vulnerabilitäten:

– Reagenzien für PCR-Tests: Während der COVID-19-Pandemie kam es zu massiven Engpässen bei PCR-Reagenzien, da die Nachfrage sprunghaft anstieg und nur wenige Hersteller diese produzierten[3].

– Pipettenspitzen: Der Mangel an Pipettenspitzen führte 2020/2021 zu Verzögerungen bei vielen Labortests. Die Produktion konnte nicht schnell genug hochgefahren werden[3].

– Blutröhrchen: 2021 gab es einen weltweiten Mangel an Blutentnahmeröhrchen aufgrund von Produktionsengpässen bei einem Haupthersteller[4].

– Kontrastmittel: 2022 führte die vorübergehende Schließung einer Produktionsanlage in China zu einem globalen Engpass bei Kontrastmitteln für bildgebende Verfahren[4].

Lösungsansätze

Um die Vulnerabilität zu reduzieren, werden verschiedene Maßnahmen diskutiert:

– Diversifizierung der Lieferanten und Produktionsstandorte
– Aufbau strategischer Reserven für kritische Produkte
– Verbesserung der Transparenz entlang der gesamten Lieferkette
– Verstärkte Digitalisierung zur besseren Vorhersage von Angebot und Nachfrage[2]
– Intensivere globale Zusammenarbeit und Harmonisierung von Regularien[2]

Die Umsetzung dieser Maßnahmen erfordert erhebliche Investitionen und Anstrengungen aller Beteiligten. Angesichts der zentralen Bedeutung der Labormedizin für die Gesundheitsversorgung ist dies jedoch unerlässlich, um die Versorgungssicherheit langfristig zu verbessern.

Quellen:


[1] Studie untersucht Lieferketten in der Medizintechnik – transkript.de https://transkript.de/medtech-zwo-artikel/2023/studie-untersucht-lieferketten-in-der-medizintechnik/


[2] Schwachstellen in den globalen Lieferketten – GMP Navigator https://www.gmp-navigator.com/gmp-news/schwachstellen-in-den-globalen-lieferketten-gruende-und-loesungsansaetze


[3] Risikomanagement in medizinisch-diagnostischen Laboratorien https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/labmed-2016-0058/html?lang=de


[4] Vor diesen Herausforderungen stehen globale Lieferketten 2023 https://beschaffung-aktuell.industrie.de/risikomanagement/vor-welchen-risiken-globale-lieferketten-stehen/


[5] Instabile Lieferketten gefährden die Versorgungssicherheit https://www.swp-berlin.org/10.18449/2021A80/


[6] Wie die Supply Chain der nächsten Generation aussieht / DE https://theentourage.de/supply-chain-der-naechsten-generation/