HAGEN, 24. März 2025 – Korruption ist ein globales Problem mit vielen Facetten – von Wahlbetrug bis hin zu Schmiergeldzahlungen. Doch wie bestechlich sind Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, wenn sie die Chance dazu bekommen? Diese Frage hat die Psychologin Prof. Dr. Angela Dorrough von der FernUniversität in Hagen gemeinsam mit ihrem Team untersucht – und dafür den ersten Preis der OECD Anti-Corruption Research Challenge gewonnen.

„In manchen Ländern sind informelle Zahlungen im Alltag normal, etwa um Behördengänge zu beschleunigen“, erklärt Dorrough. Solche Praktiken erschweren nicht nur den Zugang zu staatlichen Dienstleistungen, sondern können auch lebensbedrohlich werden. Studien zeigen: In korruptionsanfälligen Ländern werden Bauvorschriften oft umgangen, was die Stabilität von Gebäuden bei Erdbeben gefährdet. Doch Korruption ist kein reines Problem der Eliten. Dorrough und ihr Team – Prof. Dr. Nils Köbis von der Universität Duisburg-Essen und Jasper Siol von der Universität zu Köln – wollten wissen, wie sich „gewöhnliche“ Menschen verhalten.
Das Experiment: Schmiergeld oder Fairness?
In einem länderübergreifenden Experiment mit Teilnehmern aus 18 Nationen stellte das Team eine Entscheidungssituation nach: Die Probanden sollten sich vorstellen, eine Lizenz für natürliche Ressourcen zu kaufen – entweder offiziell oder günstiger durch Schmiergeld. Um die Realität abzubilden, hatte Bestechung Konsequenzen: Wer Schmiergeld zahlte, reduzierte eine Spende für eine Klimaschutzorganisation, die das Team nach der Studie tätigte. „Das machte die Entscheidung greifbar: Korruption schadet der Allgemeinheit“, sagt Dorrough.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede. „In China war das Verhalten besonders korrupt, Deutschland, die USA und die Niederlande liegen im Mittelfeld“, berichtet die Psychologin. Wenig Bestechlichkeit gab es in Japan und überraschenderweise Russland. Eine mögliche Erklärung: „In Ländern mit Korruptionsvorurteilen könnten Menschen bewusst integer handeln, um Gegenteiliges zu beweisen“, so Dorrough. Auch die tägliche Konfrontation mit Korruption könnte zu einer stärkeren Ablehnung führen.
Auszeichnung durch die OECD
Für diese Untersuchung erhielt das Team die Auszeichnung der OECD, die mit der Anti-Corruption Research Challenge innovative Ansätze zur Korruptionsbekämpfung fördert. Ziel ist es, Anti-Korruptionssysteme weltweit zu stärken. „Die OECD setzt auf Integrität im öffentlichen und privaten Sektor, um Vertrauen und nachhaltige Entwicklung zu schaffen“, betont Dorrough. Ihr Team kombinierte die OECD-Indikatoren für öffentliche Integrität (PII) mit Verhaltensdaten – ein Novum. „Wir konnten zeigen: Transparente Entscheidungsprozesse in Regierungen reduzieren Bestechung“, erklärt sie.
Internationale Bühne
Die Ergebnisse werden beim Global Anti-Corruption and Integrity Forum 2025 am 26. und 27. März vorgestellt, wo Experten aus Politik und Praxis zusammenkommen. „Das ist eine Chance, Forschung in die Tat umzusetzen“, sagt Dorrough. Für die FernUniversität Hagen ist der Erfolg ein Beweis ihrer Relevanz. „Solche Auszeichnungen zeigen, wie unsere Arbeit globale Probleme angeht.“ Die Erkenntnisse könnten künftig helfen, Korruption gezielter zu bekämpfen – ein Schritt hin zu mehr Fairness weltweit.
Weitere Infos:
2025 OECD Global Anti-Corruption and Integrity Forum
