Die Implantation einer Knievollprothese (Totalendoprothese des Knies, TEP) ist eine der erfolgreichsten Operationen in der Orthopädie und lindert bei den meisten Patienten starke Arthrose-bedingte Schmerzen. Viele Patienten berichten jedoch in den ersten Monaten oder Jahren nach der Operation über Geräusche aus dem künstlichen Gelenk – wie Klicken, Knacken oder Clunken. Besonders beim lockeren Wackeln des Beins oder bei Bewegungen ohne Belastung sind diese Geräusche wahrnehmbar. Wenn keine Schmerzen damit einhergehen, handelt es sich in der Regel um ein benignes, harmloses Phänomen.
Ursachen für die Geräusche
Das künstliche Kniegelenk besteht aus Metallkomponenten (meist an Femur und Tibia) und einem Kunststoff-Inlay (Polyethylen), die präzise aneinander gleiten. Mögliche Gründe für Knack- oder Klickgeräusche sind:
- Mechanische Reibung der Prothesenkomponenten: Die glatten Oberflächen aus Metall und Kunststoff erzeugen bei Bewegung natürliche Geräusche, ähnlich wie bei einem mechanischen Gelenk. Dies tritt besonders bei unbelasteten Bewegungen (z. B. Bein wackeln) auf.
- Anpassung des umliegenden Gewebes: In den ersten Monaten nach der Operation passen sich Muskeln, Sehnen, Bänder und Narbengewebe an das neue Gelenk an. Flüssigkeit im Gelenk oder leichte Reibung von Weichteilen können temporäre Geräusche verursachen.
- Moderne Prothesendesigns: Studien zeigen, dass bis zu 40 % der Patienten nach Knie-TEP Geräusche wie Grinding, Popping oder Clicking wahrnehmen, unabhängig vom Prothesentyp (z. B. posterior-stabilisiert oder medial-pivot).
Diese Geräusche sind physiologisch und kein Zeichen für eine Lockerung der Prothese oder einen Defekt.
Häufigkeit und Verlauf
- Klinische Studien berichten von einer Häufigkeit von 27–40 % bei Patienten mit Knieprothese, die Geräusche hören oder spüren.
- Besonders bei frisch implantierten Prothesen (erste 1–2 Jahre) sind sie häufiger. Mit der Zeit nehmen sie oft ab: Eine Untersuchung zeigte, dass Geräusche nach 3–4 Jahren signifikant seltener werden, parallel zur steigenden Patientenzufriedenheit.
- Viele Patienten gewöhnen sich daran oder bemerken die Geräusche gar nicht mehr.
Wann ist es harmlos?
Solange die Geräusche schmerzfrei sind und keine weiteren Symptome wie Schwellungen, Rötungen, Instabilität oder Bewegungseinschränkungen auftreten, besteht kein Grund zur Sorge. Sie beeinträchtigen weder die Haltbarkeit der Prothese noch die Funktion des Gelenks.
Wann sollte ein Arzt konsultiert werden?
In seltenen Fällen können Geräusche auf Komplikationen hindeuten, z. B.:
- Patellar-Clunk-Syndrom: Eine fibrotische Verdickung (Narbengewebe) hinter der Kniescheibe, die bei Streckung „einschnappt“. Dies tritt bei 0–18 % auf, meist bei posterior-stabilisierten Prothesen, und ist typischerweise mit Schmerzen verbunden.
- Andere seltene Ursachen: Übermäßiges Narbengewebe oder (sehr selten) Lockerung.
Treten Geräusche neu auf, werden lauter oder kombiniert mit Schmerzen/Schwellungen, sollte der behandelnde Orthopäde aufgesucht werden. Eine Röntgenkontrolle oder ggf. weitere Bildgebung klärt dies unkompliziert ab.
Fazit
Knackgeräusche bei einer frisch eingesetzten Knievollprothese ohne Schmerzen sind ein normales Anpassungsphänomen und in den allermeisten Fällen völlig unbedenklich. Sie nehmen oft mit der Zeit ab und beeinflussen das langfristige Ergebnis der Operation nicht. Sprechen Sie bei Unsicherheit gerne bei Ihrer nächsten Nachuntersuchung mit Ihrem Arzt – das gibt zusätzliche Sicherheit und beruhigt die meisten Patienten.
