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Klimawandel gefährdet sexuelle und reproduktive Gesundheit junger Heranwachsender in Kenia

Nairobi, 26. Mai 2025 – Eine neue Studie, veröffentlicht im BMJ Global Health, zeigt alarmierende Zusammenhänge zwischen Klimawandel, extremen Wetterereignissen und der sexuellen sowie reproduktiven Gesundheit (SRH) junger Heranwachsender in Kenia. Besonders Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren sind durch Dürren, Überschwemmungen und Ressourcenknappheit einem erhöhten Risiko für Schulabbruch, sexuellen Missbrauch, geschlechtsspezifische Gewalt und frühe Schwangerschaften ausgesetzt.

Die Studie, geleitet von Dr. Carmen Logie von der Universität Toronto, untersuchte die Auswirkungen des Klimawandels in sechs klimabetroffenen Regionen Kenias: Mathare, Kisumu, Isiolo, Naivasha, Kilifi und der Flüchtlingssiedlung Kalobeyei. In Zusammenarbeit mit den kenianischen Organisationen Centre for the Study of Adolescence und Elim Trust befragten die Forscher 297 Personen, darunter 178 Jugendliche und 119 Gemeindeälteste, in Fokusgruppen, Interviews und partizipativen Workshops.

„Der Klimawandel ist ein Gesundheitsnotstand“, betont Dr. Logie. „Junge Heranwachsende berichteten, wie sie aufgrund von Nahrungsmittel- und Wasserknappheit die Schule verlassen oder sexuelle Dienstleistungen gegen Grundbedürfnisse wie Menstruationsprodukte eintauschen mussten.“ Besonders Mädchen leiden unter der Scham, keine saubere Kleidung oder Hygieneprodukte zu haben, was zu Schulabwesenheiten und ausbeuterischen Beziehungen führt.

Die Studie identifiziert direkte und indirekte Folgen extremer Wetterereignisse: Dürren und Überschwemmungen stören die Nahrungsmittelversorgung, fördern Obdachlosigkeit und sexuelle Ausbeutung. Wasserknappheit zwingt Mädchen, weite Strecken zu Wassersammelstellen zurückzulegen, wo sie Schikanen und Gewalt ausgesetzt sind. Fehlende sanitäre Einrichtungen erhöhen das Risiko von menstruationsbedingten Schulabbrüchen und sexueller Nötigung.

„Diese Ergebnisse zeigen ein geschlechtsspezifisches System der Verletzlichkeit, das durch den Klimawandel verschärft wird“, erklärt Co-Autorin Aryssa Hasham. Die Forscher fordern gezielte, klimainformierte SRH-Interventionen, um die Bedürfnisse junger Heranwachsender in ressourcenarmen Regionen zu adressieren. Die Studie bietet politischen Entscheidungsträgern, NGOs und Gesundheitssystemen eine Grundlage, um Umweltgerechtigkeit und Jugendgesundheit zu verbinden.

Die Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit, Klimawandel nicht nur als Umweltproblem, sondern als globale Gesundheitskrise zu betrachten, die die Zukunft junger Menschen bedroht.

DOI

10.1136/bmjgh-2024-016637