Künstliche Intelligenz (KI) hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte in der Medizin ermöglicht, bringt aber auch erhebliche Risiken mit sich, die sorgfältig abgewogen werden müssen. Ein zentrales Problem ist die Datensicherheit und der Schutz der Privatsphäre von Patienten. Medizinische Daten sind äußerst sensibel und wertvoll, weshalb sie häufig das Ziel von Cyberangriffen sind[1]. Die umfangreiche zentrale Speicherung und Analyse von Gesundheitsdaten durch KI-Systeme erhöht dieses Risiko zusätzlich[2].
Ein weiteres gravierendes Risiko sind mögliche Fehldiagnosen und Behandlungsfehler durch KI-Systeme. Große sprachbasierte KI-Modelle können zwar scheinbar professionelle Antworten generieren, diese können jedoch schwerwiegende Fehler enthalten, besonders wenn es um medizinische Fragen geht[3]. Ein konkretes Beispiel wäre ein KI-System, das Hautveränderungen fälschlicherweise als harmlos einstuft, während ein Dermatologe sie als potenziell krebserregend erkennen würde[2].
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt zudem vor dem Risiko, dass KI-Technologie zur Verbreitung von Fehlinformationen missbraucht werden könnte, die als seriöse medizinische Inhalte getarnt sind[3]. Dies könnte das Vertrauen in das Gesundheitssystem untergraben und zu gefährlichen Selbstdiagnosen und -behandlungen führen.
Ein oft unterschätztes Problem ist die potenzielle Verstärkung bestehender Ungleichheiten und Vorurteile im Gesundheitswesen durch KI. Wenn KI-Systeme mit Daten trainiert werden, die voreingenommen sind, können sie diese Vorurteile reproduzieren und verstärken. Eine Studie zeigte beispielsweise, dass afroamerikanische Patienten im Durchschnitt weniger Schmerzmittel erhalten als weiße Patienten. Ein KI-System, das auf solchen Daten trainiert wurde, könnte diese diskriminierende Praxis fortführen[5].
Die zunehmende Abhängigkeit von KI-Systemen birgt auch das Risiko eines Verlusts menschlicher Expertise. Einige Experten befürchten, dass der weitverbreitete Einsatz von KI dazu führen könnte, dass medizinisches Personal im Laufe der Zeit Fähigkeiten und Wissen verliert, was die Fähigkeit beeinträchtigen könnte, KI-Fehler zu erkennen und zu korrigieren[5].
Trotz dieser Risiken ist es wichtig, KI nicht vorschnell abzulehnen. Die WHO betont, dass KI erst dann im medizinischen Bereich eingesetzt werden sollte, wenn verlässliche Daten über den Nutzen der Technologie vorliegen[4]. Es bedarf eines ausgewogenen Ansatzes, der die potenziellen Vorteile von KI in der Medizin nutzt, während gleichzeitig robuste Sicherheitsmaßnahmen und ethische Richtlinien implementiert werden.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sind verstärkte Aufsichtsbemühungen durch Gesundheitssysteme, Krankenhäuser, Berufsverbände und Versicherer erforderlich[5]. Nur durch einen verantwortungsvollen und gut regulierten Einsatz kann das volle Potenzial von KI in der Medizin ausgeschöpft werden, ohne dabei die Sicherheit und das Wohlergehen der Patienten zu gefährden.
Quellen:
[1] Drawbacks of Artificial Intelligence and Their Potential Solutions in … https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9908503/
[2] KI in der Medizin: Große Chancen und Hohe Risiken – valmedi.de https://www.valmedi.de/blog/160-ki-in-der-medizin
[3] WHO warnt vor KI-Risiken im Gesundheitsbereich | MDR.DE https://www.mdr.de/wissen/who-warnt-vor-ki-risiken-im-gesundheitsbereich100.html
[4] WHO warnt vor KI-Risiken im Gesundheitsbereich https://www.pharmazeutische-zeitung.de/who-warnt-vor-ki-risiken-im-gesundheitsbereich-140200/
[5] Risks and remedies for artificial intelligence in health care https://www.brookings.edu/articles/risks-and-remedies-for-artificial-intelligence-in-health-care/
