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Keuchhustenimpfung in der Schwangerschaft schützt Neugeborene effektiv an Schleimhäuten

Eine internationale Studie unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Radboud University Nijmegen belegt, dass mütterliche Antikörper gegen Keuchhusten nicht nur im Blut, sondern auch auf der Nasenschleimhaut von Neugeborenen vorhanden sind. Die Impfung Schwangerer ab der 22. Schwangerschaftswoche bietet damit doppelten Schutz vor der hochansteckenden Erkrankung.

2024 wurden in Deutschland mit fast 122 Fällen pro 100.000 Einwohner die meisten Keuchhustenfälle seit Einführung der Meldepflicht 2013 registriert. Besonders Säuglinge unter einem Jahr waren betroffen. Für 2025 erwarten Experten ähnlich hohe Zahlen. Neugeborene erhalten die erste Impfdosis frühestens ab dem zweiten Lebensmonat, einen eigenen Schutz erst nach der zweiten Dosis mit etwa vier Monaten.

Die Studie untersuchte 343 schwangere Frauen in Gambia, die entweder einen Keuchhusten- oder einen Tetanus-Impfstoff erhielten. Mütterliche Antikörper waren bei geimpften Frauen sowohl im Blut als auch auf der Nasenschleimhaut der Säuglinge nachweisbar – genau am Eintrittsort des Erregers Bordetella pertussis.

Zusätzlich zeigte die Analyse von rund 160 Neugeborenen, dass ein Ganzzell-Impfstoff bei den Kindern eine stärkere und möglicherweise länger anhaltende Immunantwort auslöst als der azelluläre Impfstoff. Ganzzell-Impfstoffe enthalten das inaktivierte gesamte Bakterium, azelluläre nur ausgewählte Bestandteile und verursachen weniger Nebenwirkungen.

In Europa wird seit 2005 der azelluläre Impfstoff verwendet, in vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen der Ganzzell-Impfstoff. Die Impfung Schwangerer mit azellulärem Impfstoff verhindert Keuchhusten bei Neugeborenen in über 90 Prozent der Fälle, unabhängig vom späteren Impfstofftyp bei den Kindern.

In Deutschland empfiehlt die STIKO seit 2020 die Impfung im letzten Schwangerschaftsdrittel. Die Impfquote liegt jedoch nur bei etwa 50 Prozent. Weltweit sterben jährlich 200.000 bis 300.000 Menschen an Keuchhusten, vor allem Kleinkinder in ressourcenarmen Ländern.

Die Ergebnisse wurden in The Lancet Microbe veröffentlicht.