In Deutschland gibt es derzeit keine evidenzbasierten Blutuntersuchungen, die als allgemeine Krebsvorsorge für die breite Bevölkerung empfohlen werden. Die etablierten Krebsfrüherkennungsprogramme basieren auf anderen Untersuchungsmethoden. Dennoch gibt es einige Bluttests, die in bestimmten Situationen sinnvoll sein können:
Etablierte Krebsfrüherkennungsprogramme
In Deutschland haben sich vier evidenzbasierte Früherkennungsprogramme etabliert:
- Brustkrebs-Screening (Mammographie)
- Gebärmutterhalskrebs-Screening (PAP-Test und HPV-Test)
- Hautkrebs-Screening
- Darmkrebs-Screening (Stuhltest und Darmspiegelung)
Das Brustkrebsscreening gilt dabei als besonders effektiv. Seit seiner Einführung 2005 nehmen die fortgeschrittenen Tumorstadien ab und eine deutliche Senkung der Bruststerblichkeit wird erwartet[1].
Bluttests in spezifischen Situationen
Obwohl keine Bluttests zur allgemeinen Krebsvorsorge empfohlen werden, können in bestimmten Fällen folgende Tests sinnvoll sein:
PSA-Test
Der PSA-Test (Prostataspezifisches Antigen) kann zur Früherkennung von Prostatakrebs eingesetzt werden. Er wird jedoch kontrovers diskutiert und ist kein Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms. Männer ab 45 Jahren können ihn als individuelle Gesundheitsleistung in Anspruch nehmen[1].
CA 125-Test
Dieser Test misst das Cancer-Antigen 125 und kann bei der Früherkennung von Eierstockkrebs helfen. Er wird vor allem bei Frauen mit erhöhtem Risiko eingesetzt, ist aber nicht als allgemeines Screening geeignet[3].
AFP-Test
Der Alpha-Fetoprotein-Test kann bei der Früherkennung von Leberkrebs bei Risikopatienten (z.B. mit Leberzirrhose) hilfreich sein[3].
Zukunftsperspektiven
Aktuell wird intensiv an Bluttests zur Krebsfrüherkennung geforscht. Vielversprechende Ansätze sind:
- Der Galleri-Test, der über 50 Krebsarten anhand von Erbgut-Bruchstücken erkennen soll. In Großbritannien läuft dazu eine große Studie[3].
- Ein schwedischer Test, der 14 Krebsarten anhand veränderter Zuckerbausteine auf Krebszellen aufspüren soll[3].
Diese Tests befinden sich jedoch noch in der Entwicklung und Erprobung. Ihre Eignung für die breite Anwendung muss noch in umfangreichen klinischen Studien nachgewiesen werden[3].
Fazit
Derzeit gibt es in Deutschland keine evidenzbasierten Blutuntersuchungen zur allgemeinen Krebsvorsorge. Die etablierten Früherkennungsprogramme basieren auf anderen Methoden. Bluttests können in spezifischen Situationen sinnvoll sein, sollten aber immer mit einem Arzt besprochen werden. Vielversprechende neue Bluttests befinden sich in der Entwicklung, benötigen aber noch weitere Forschung, bevor sie breit eingesetzt werden können.
Quellen:
[1] https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/vorsorge-und-frueherkennung/krebsfrueherkennung.html
[2] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2023/07/krebsvorsorge-medizin-untersuchung-bluttest-neue-versicherung-mrt.html
[3] https://www.swr.de/wissen/bluttests-zur-frueherkennung-von-krebs-stand-der-forschung-100.html
[4] https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/aktuelle-themen/aktuelle-themen-2018/bluttest-zur-krebsfrueherkennung.html
