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Internationaler Expertenkonsens definiert Oligometastasierung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Eine internationale Expert:innengruppe unter Federführung der Medizinischen Universität Wien hat erstmals einheitliche Kriterien zur Definition der Oligometastasierung beim metastasierten Pankreaskarzinom erarbeitet. Die im Fachjournal The Lancet Oncology veröffentlichte Konsensus-Erklärung des Projekts „OligoPanc“ schafft die Grundlage für gezieltere Therapiestrategien bei Patient:innen mit begrenzter Metastasierung.

Bisher galt metastasierter Bauchspeicheldrüsenkrebs als systemische Erkrankung, bei der lokale Therapien wie Operationen in der Regel nicht mehr infrage kommen. Neuere Daten deuten jedoch darauf hin, dass eine kleine Untergruppe mit oligometastatischer Ausbreitung – also wenigen Metastasen – von einer Kombination aus systemischer und lokaler Behandlung profitieren kann. Bislang fehlte eine standardisierte Definition.

An dem mehrstufigen Delphi-Konsensprozess nahmen 55 Expert:innen aus 20 Ländern und fünf Fachdisziplinen teil. Koordiniert wurde das Projekt von Carl-Stephan Leonhardt und Oliver Strobel (Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie) sowie Gerald W. Prager (Universitätsklinik für Innere Medizin I) der MedUni Wien.

Konsens wurde über folgende Kriterien erzielt: Oligometastasierung liegt vor bei maximal drei Metastasen in einem einzigen Organ – entweder Leber oder Lunge. Unterschieden wird zwischen synchroner Oligometastasierung (Metastasen bereits bei Erstdiagnose) und metachroner Form (Metastasen treten erst im Krankheitsverlauf auf). Bei metachroner Oligometastasierung gilt ein längeres Zeitintervall zwischen Primärdiagnose und Metastasenauftritt als prognostisch günstig.

Zur Diagnosesicherung empfiehlt die Gruppe eine kontrastmittelverstärkte Computertomographie von Thorax und Abdomen sowie eine MRT der Leber. Die Feststellung einer Oligometastasierung soll grundsätzlich in einem multidisziplinären Tumorboard erfolgen.

Therapieempfehlungen basieren auf Fallbeispielen: Bei oligometastasiertem Pankreaskarzinom spricht sich die Mehrheit für eine Kombination aus systemischer Therapie (meist Chemotherapie) und lokaler Behandlung (Operation oder Strahlentherapie) aus. Bei synchroner Form wird häufiger die simultane Resektion von Primärtumor und Metastasen favorisiert, bei metachroner Form die lokale Behandlung der Metastasen (chirurgisch oder radiotherapeutisch).

„Bauchspeicheldrüsenkrebs bleibt eine der aggressivsten Tumorerkrankungen mit hoher Letalität“, betont Oliver Strobel. Die neue Definition ermögliche es erstmals, Patient:innen mit potenziell kurativem oder verlängerndem Ansatz klar zu identifizieren. Zudem schaffe sie die Voraussetzung für vergleichbare Studienergebnisse und die Weiterentwicklung evidenzbasierter Therapiestrategien.

Das OligoPanc-Projekt wurde in The Lancet Oncology publiziert (DOI: 10.1016/S1470-2045(25)00714-4).

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