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Internationaler Austausch in Aachen: DGU begrüßt Militärchirurgen und ukrainische Delegation auf dem ECTES

Aachen, 28. März 2025 – Vom 13. bis 15. April 2025 öffnet der 24. Europäische Kongress für Trauma- und Notfallchirurgie (ECTES) in Aachen seine Tore. Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) erwartet internationale Militärchirurgen sowie eine große ukrainische Delegation. Unter der Schirmherrschaft der European Society for Trauma and Emergency Surgery (ESTES) steht die Veranstaltung im Zeichen globaler Zusammenarbeit und aktueller Herausforderungen.

„Die veränderte Sicherheitslage in Europa und ihre Auswirkungen auf die medizinische Versorgung sind zentrale Themen“, erklärt ECTES-Präsident Prof. Dr. Frank Hildebrand, zugleich 2. Vizepräsident der DGU. In Sitzungen mit der Bundeswehr, europäischen Militärpartnern, den BG Kliniken und dem TraumaNetzwerk DGU werden Lösungen diskutiert.

Ukraine im Fokus: Erfahrungsaustausch für ein modernes Traumamanagement

Besonders im Blickpunkt steht die ukrainische Delegation. Seit Beginn des Krieges unterstützt die DGU die Versorgung ukrainischer Schwerverletzter in Deutschland, gestützt auf das TraumaNetzwerk DGU®. Prof. Mykola Ankin, Präsident der All-Ukrainian Association of the Injury and Rehabilitation (ASIR), betont die Ziele: „Wir wollen ein modernes Traumamanagementsystem aufbauen. Unser aktuelles System stammt aus den 1970er Jahren und folgt sowjetischen Vorbildern. Der Austausch mit europäischen Experten soll uns helfen, eine zukunftsfähige Grundlage zu schaffen.“

Die ukrainischen Mediziner bringen auch eigene Erfahrungen ein. „Viele Zivilkrankenhäuser mussten Kriegsverletzte behandeln, ohne entsprechende Vorkenntnisse“, sagt Ankin. Sein Rat: „Investitionen in die Ausbildung von Unfallchirurgen sind essenziell, um Gesundheitssysteme zu stärken.“

Vorbereitung auf Krisen: DGU fordert mehr Unterstützung

Die DGU bereitet seit Jahren Ärztinnen und Ärzte mit speziellen Kursen auf Krisen- und Katastrophenfälle vor. DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Dietmar Pennig mahnt jedoch: „Neben militärischer Wehrhaftigkeit müssen auch die Folgekosten im Gesundheitswesen bedacht werden. Wir brauchen eine bessere Vorbereitung auf Ernstfälle.“ Bisher tragen Fachgesellschaft und Kliniken die Kosten für solche Maßnahmen weitgehend selbst. Pennig sieht jedoch Hoffnung: „In den Koalitionsverhandlungen wird die Bedeutung des Traumanetzwerkes parteiübergreifend erkannt.“

Symposium zur Militärchirurgie: Brücke zwischen Militär und Zivilmedizin

Ein Highlight des ECTES ist das Symposium zur Militärchirurgie, organisiert von der ESTES-Sektion Disaster & Military Surgery und der DGU-Sektion Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirurgie (EKTC). Hier stehen Versorgungskonzepte, Ausbildung und Kooperationen im Fokus. Oberstarzt Priv.-Doz. Dr. Gerhard Achatz, stellvertretender EKTC-Leiter, unterstreicht die Relevanz: „Militärische Traumaversorgung wird auch für zivile Szenarien wichtiger. Techniken wie Blutstillung oder der Umgang mit komplexen Verletzungsmustern sind für Traumazentren und Rettungsdienste wertvoll.“

Globale Perspektiven für die Zukunft

Der ECTES 2025 in Aachen wird nicht nur eine Plattform für Wissenstransfer, sondern auch ein Zeichen für internationale Solidarität. Die DGU sieht darin eine Chance, die Traumaversorgung – zivil wie militärisch – auf ein neues Niveau zu heben, und fordert dafür eine stärkere politische und finanzielle Unterstützung.