Der DRK-Kreisverband Braunschweig-Salzgitter steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Aufgrund einer anhaltenden finanziellen Krise hat das Amtsgericht Braunschweig am 1. September 2025 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Um die Sanierung der gesamten Gruppe zu sichern, wurden schmerzhafte Einschnitte beschlossen: Die Sozialstation am Queckenberg in Braunschweig sowie die Tagespflege in Salzgitter-Gebhardshagen werden in den kommenden Wochen geschlossen. Die Schließungen sind Teil eines umfassenden Sanierungskonzepts, das die wirtschaftliche Stabilisierung des Verbands mit rund 450 Beschäftigten und einem Jahresbudget von etwa 20 Millionen Euro zum Ziel hat.
Hintergrund der Insolvenz
Die wirtschaftlichen Probleme des DRK-Kreisverbands, der 1948 gegründet wurde, resultieren aus mehreren Faktoren: Verzögerte Immobilienverkäufe, die Folgen der Corona-Pandemie und stark gestiegene Energiepreise haben die finanzielle Lage erheblich belastet. Bereits am 18. Juni 2025 hatte der Verband gemeinsam mit seinen Tochtergesellschaften – DRK Braunschweig-Salzgitter Pflege und Betreuung gGmbH und DRK Braunschweig-Salzgitter Sprungbrett gGmbH – ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Dieses Verfahren erlaubt es dem Verband, unter Aufsicht einer Sachwalterin, Rechtsanwältin Dr. Stefanie Zulauf, die Sanierung selbstständig voranzutreiben. Unterstützt wird der Vorstand unter Nico Seefeldt Kazazi von den Sanierungsexperten Silvio Höfer und Dr. Florian Harig von der Anchor Management GmbH.
Schließung defizitärer Einrichtungen
Die Schließung der Sozialstation am Queckenberg und der Tagespflege in Salzgitter-Gebhardshagen wurde als „bedauerlicher, aber unumgänglicher Schritt“ bezeichnet. „Die beiden Betreuungseinrichtungen waren im Betrieb stark defizitär, und es konnte keine tragfähige Lösung für die Zukunft gestaltet werden“, erklärt Dr. Florian Harig. Um die Sanierung der gesamten Gruppe nicht zu gefährden, mussten diese Maßnahmen ergriffen werden. Der Betriebsrat und die betroffenen Mitarbeitenden wurden informiert, und ein Sozialplan wurde vereinbart, um die sozialen Auswirkungen abzufedern. Die Gehälter der etwa 450 Beschäftigten sind derzeit durch Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit gesichert, und mit der Eröffnung des Eigenverwaltungsverfahrens übernimmt der Verband wieder die regulären Gehaltszahlungen.
Sanierungskonzept und Fortschritte
Seit dem Insolvenzantrag im Juni 2025 arbeitet der Kreisverband intensiv an einem Sanierungskonzept. Ein wichtiger Schritt war der Verkauf einer Immobilie in der Steinbrecherstraße in Braunschweig, die bis 2024 ein Pflegeheim beherbergte. Zudem ist die Eingliederung der Sozialstation Salzgitter in den Kreisverband geplant, um die Strukturen zu straffen. „Für die weiteren Einrichtungen der DRK-Gruppe gehen wir von einer stabilen Entwicklung aus“, betont Vorstand Nico Seefeldt Kazazi. Der Geschäftsbetrieb in den verbleibenden Einrichtungen – darunter Beratungsstellen, Kitas und Rettungsdienstwachen – läuft ohne Einschränkungen weiter. Eltern von betreuten Kindern sowie Kundinnen und Kunden der Tagespflege wurden über die Entwicklungen informiert.
Ausblick und Herausforderungen
Die Eigenverwaltung bietet dem DRK-Kreisverband die Chance, die Sanierung weitgehend selbstständig durchzuführen, um die Organisation langfristig auf ein stabiles wirtschaftliches Fundament zu stellen. „Wir haben noch ein Stück Weg vor uns, aber wir konnten bereits große Fortschritte erreichen“, sagt Sanierungsexperte Silvio Höfer. Dennoch bleibt die Lage angespannt: Die Schließung der beiden Einrichtungen bedeutet einen Verlust von Versorgungsangeboten in der Region, was insbesondere für betroffene Pflegebedürftige und ihre Angehörigen Herausforderungen mit sich bringt.
Die Insolvenz des DRK Braunschweig-Salzgitter reiht sich in eine Welle von finanziellen Krisen im Gesundheits- und Sozialwesen ein. Auch andere regionale DRK-Verbände und Kliniken, etwa in Rheinland-Pfalz und Hessen, kämpfen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Dennoch zeigt der Verband Zuversicht: „Das DRK ist seit über einem halben Jahrhundert in der Region aktiv und wird auch nach der Restrukturierung Menschen in verschiedensten Lebenslagen unterstützen“, so Seefeldt Kazazi. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Sanierungsmaßnahmen die erhoffte Stabilisierung bringen.
