Die Jagdzecke der Gattung Hyalomma (insbesondere Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes) könnte sich nach Einschätzung von Experten langfristig in Deutschland etablieren. Das Robert Koch-Institut (RKI) und die Universität Hohenheim halten es für möglich, dass wärmere und trockenere Bedingungen durch den Klimawandel die Entwicklung stabiler Populationen begünstigen – eventuell bereits in der kommenden Zeckensaison.
Hyalomma-Zecken sind deutlich größer als der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) und erreichen als adulte Weibchen bis zu zwei Zentimeter Länge. Sie sind aktiv wärmeliebend und zeigen aktives Wirtsverfolgen: Die Zecken laufen bis zu 100 Meter auf potenzielle Wirte zu, was sie von den meisten heimischen Arten unterscheidet.
In Deutschland werden seit 2018 regelmäßig adulte Exemplare nachgewiesen – meist eingeschleppt durch Zugvögel aus Afrika oder Südeuropa. Das RKI erfasst pro Jahr zwischen zwei und etwa 20 Funde. Bislang gibt es keine Hinweise auf etablierte Fortpflanzungspopulationen in Deutschland: Die Funde gelten als Importe, und eine dauerhafte Ansiedlung konnte bisher nicht bestätigt werden.
Das Risiko einer Etablierung steigt jedoch durch folgende Faktoren:
- Mildere Winter und längere warme Perioden ermöglichen bessere Überwinterung der Larven und Nymphen.
- Trockenere Sommer und höhere Durchschnittstemperaturen entsprechen dem bevorzugten Habitat der Art (trockene, offene Landschaften).
- Weitere Einschleppung durch Zugvögel bleibt wahrscheinlich.
Hyalomma-Zecken können das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber (CCHFV) und verschiedene Rickettsien (u. a. Rickettsia aeschlimannii, Erreger des Zecken-Fleckfiebers) übertragen. In Deutschland wurden in eingeschleppten Hyalomma-Zecken häufig Rickettsien nachgewiesen (bis zu 30–40 Prozent der untersuchten Tiere), das CCHFV jedoch bisher nicht.
Das Robert Koch-Institut und das Friedrich-Loeffler-Institut beobachten die Entwicklung kontinuierlich. Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, ungewöhnlich große, schnell laufende Zecken zu erkennen, zu entfernen und möglichst zur Untersuchung einzusenden (aktuell über das RKI).
(Quelle: Robert Koch-Institut (RKI), Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Universität Hohenheim, Journal of Health Monitoring des RKI 2023, aktuelle Einschätzungen 2025/2026)


