Hochgradige Gliome gehören zu den aggressivsten Hirntumoren und zählen bei Kindern und jungen Erwachsenen zu den tödlichsten Krebsarten. Eine Untergruppe dieser Tumoren wird durch eine Mismatch-Repair-Defizienz (MMRD) angetrieben – eine Störung des DNA-Reparaturmechanismus, die zu einer extrem hohen Mutationslast (Hypermutation) führt.
Diese hypermutierten Tumoren zeigen ein deutlich besseres Ansprechen auf Immuncheckpoint-Inhibitoren (z. B. PD-1-/PD-L1-Blocker) als MMR-proficiente Gliome. Die hohe Anzahl an Neoantigenen, die durch die Hypermutation entstehen, macht die Tumoren für das Immunsystem sichtbarer und erleichtert eine effektive T-Zell-Antwort nach Immuntherapie. Klinische Beobachtungen und Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass MMRD-assoziierte hochgradige Gliome bei Kindern und Jugendlichen teilweise langfristige Remissionen oder stabile Erkrankungen unter PD-1-Blockade erreichen – ein Ergebnis, das bei konventionellen Gliomen extrem selten ist.
Die Hypermutation dient daher bereits heute als wichtiger prädiktiver Biomarker: Tumoren mit nachgewiesener MMRD oder hoher Tumormutationslast (TMB) werden in vielen Zentren bevorzugt für Immuntherapien ausgewählt oder in entsprechende klinische Studien eingeschlossen. Parallel wird intensiv an Kombinationstherapien geforscht (z. B. PD-1-Inhibitoren plus onkolytische Viren, CAR-T-Zellen oder Impfungen gegen Neoantigene), um die Immunantwort weiter zu verstärken.
Die Erkenntnis, dass MMRD/Hypermutation das Ansprechen auf Immuntherapie entscheidend beeinflusst, hat die Behandlungsstrategie bei pädiatrischen und jungen erwachsenen Patienten mit hochgradigen Gliomen bereits verändert und trägt zu einer zunehmend präziseren, biomarker-gesteuerten Therapie bei. Langfristig könnte dies die Prognose dieser bislang extrem schlechten Tumorentität verbessern.
