Helium-Engpass durch Sperrung der Straße von Hormuz bedroht MRT-Untersuchungen und Medizintechnik

Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten und die faktische Sperrung der Straße von Hormuz durch den Iran haben nicht nur den Öl- und Gasmarkt erschüttert, sondern auch zu einem ernsthaften Engpass beim Edelgas Helium geführt. Experten warnen vor steigenden Kosten und möglichen Verzögerungen bei medizinischen Untersuchungen, insbesondere bei Magnetresonanztomographen (MRT).

Helium wird als Nebenprodukt bei der Verflüssigung von Erdgas gewonnen und ist für die Kühlung supraleitender Magnete in MRT-Geräten unverzichtbar. Ein typischer Scanner enthält 1.500 bis 2.000 Liter flüssiges Helium, das die Magnete nahe dem absoluten Nullpunkt hält. Ohne ausreichende Kühlung droht ein sogenannter „Quench“ – der plötzliche Verlust der Supraleitfähigkeit und damit der Ausfall des Geräts.

Katar gilt als einer der größten Helium-Produzenten weltweit und liefert nach Angaben des US Geological Survey etwa ein Drittel der globalen Versorgung. Die Produktion erfolgt hauptsächlich im Ras Laffan Industrial City, dem weltgrößten LNG-Terminal. Iranische Drohnen- und Raketenangriffe auf die Anlage haben die Helium-Produktion weitgehend zum Erliegen gebracht. QatarEnergy hat Force Majeure erklärt und meldet „umfangreiche Schäden“, deren Reparatur Jahre dauern könnte. Gleichzeitig blockiert die Sperrung der Straße von Hormuz den Export verbliebener Bestände.

Branchenexperten wie Phil Kornbluth von Kornbluth Helium Consulting rechnen damit, dass die physischen Engpässe in wenigen Wochen spürbar werden. Spot-Preise für Helium sind bereits um 40 bis 100 Prozent gestiegen. Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) und der Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnen vor erheblichen Störungen in der globalen Versorgung.

Auswirkungen auf die Medizin

In der Medizin ist Helium vor allem für MRT-Diagnostik entscheidend. Weltweit gibt es rund 50.000 MRT-Geräte, mit denen jährlich über 95 Millionen Untersuchungen durchgeführt werden. Moderne „Zero-Boil-Off“-Systeme reduzieren den Verbrauch, doch regelmäßige Nachfüllungen bleiben notwendig – besonders bei älteren Geräten.

Krankenhäuser und Radiologie-Praxen in Deutschland und Europa sind bislang noch nicht akut betroffen, da Pufferlager und bestehende Verträge die Lage kurzfristig abfedern. Bei einer länger andauernden Blockade (mehr als vier bis acht Wochen) drohen jedoch:

  • Deutlich höhere Beschaffungskosten für Helium
  • Verzögerte Wartungen und Refills
  • Längere Wartezeiten auf MRT-Termine
  • In Einzelfällen vorübergehende Stilllegung von Scannern

Besonders gefährdet sind Notfall- und onkologische Diagnostik sowie Untersuchungen bei chronisch Kranken. Helium wird zudem in Atemgas-Mischungen (z. B. Heliox bei schweren Atemwegserkrankungen) und in der Labordiagnostik eingesetzt.

Weitere betroffene Bereiche

Der Helium-Mangel trifft nicht nur die Medizin. Die Halbleiterindustrie, die inzwischen den größten Anteil verbraucht, fürchtet Produktionsstörungen bei der Chip-Herstellung für KI, Smartphones und Autos. Auch die Raumfahrt, wissenschaftliche Forschung und bestimmte Schweißverfahren sind betroffen.

In Deutschland beobachten das Bundesgesundheitsministerium, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und Medizintechnik-Hersteller die Lage genau. Lieferanten wie Linde und Air Liquide haben bereits auf Allokationen und Preisanpassungen hingewiesen.

Gibt es Alternativen?

Vollständig heliumfreie MRT-Scanner existieren noch nicht in der Breite. Neue Generationen verbrauchen deutlich weniger Gas, doch der Umstieg dauert Jahre. Die USA versuchen als größter Produzent, die Ausfälle teilweise zu kompensieren, können aber das katarische Volumen nicht kurzfristig ersetzen. Experten fordern langfristig mehr Recycling und Diversifikation der Helium-Gewinnung.

Die Bundesregierung steht im Austausch mit der Industrie, um Engpässe zu minimieren. Wie lange die Sperrung der Straße von Hormuz anhält, ist derzeit unklar. Solange keine sichere Passage möglich ist, bleiben Lieferketten für Helium und andere kritische Stoffe gestört.

Patienten und Kliniken sollten derzeit keine Panik haben, aber auf mögliche Verzögerungen bei geplanten MRT-Untersuchungen vorbereitet sein. Aktuelle Entwicklungen werden von Fachverbänden und Behörden kontinuierlich beobachtet.

(Quellen: Berichte von Reuters, Financial Times, US Geological Survey, VCI, DERA sowie Aussagen von Helium-Experten; Stand: 29. März 2026)

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