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Hautdurchlässiges Polymer ermöglicht nadelfreie Insulin-Abgabe durch die Haut

Ein neu entwickeltes Polymer kann intakte Haut durchdringen und große Moleküle wie Insulin ohne Spritze oder Mikronadeln in den Blutkreislauf bringen. Chinesische Forscher berichten in der aktuellen Ausgabe von Nature über ein Polyzwitterion namens OP, das sich pH-abhängig von einer kationischen in eine neutrale Form umwandelt und dadurch die natürliche Barriere der Haut überwindet.

Das Polymer nutzt den natürlichen pH-Gradienten der Haut: In der sauren obersten Schicht (Stratum corneum, pH ? 5) ist OP positiv geladen, bindet an negativ geladene Lipide und Fettsäuren und reichert sich an. In den tieferen, neutralen Hautschichten wird es zur ungeladenen Zwitterion-Form und kann frei zwischen den Zellen diffundieren, bis es in die Lymphgefäße der Dermis und schließlich in den systemischen Kreislauf gelangt.

Hautdurchlässiges Polymer ermöglicht nadelfreie Insulin-Abgabe durch die Haut. Symbolbild. Credits: Unsplash

An Insulin gekoppelt (OP–Insulin) dringt das Polymer innerhalb von Minuten durch Mäuse- und Schweinehaut. Bei Typ-1-Diabetes-Mäusen senkte eine einmalige transdermale Dosis von 116 IE/kg den Blutzucker innerhalb einer Stunde in den Normalbereich; selbst mit 29 IE/kg blieb der Wert über viele Stunden stabil. Bei diabetischen Minischweinen normalisierte die gleiche niedrige Dosis (29 IE/kg) als Creme aufgetragen den Blutzuckerspiegel ebenfalls effektiv.

Die Insulin-Wirkung blieb durch die Kopplung voll erhalten: Die Bindung an den Insulin-Rezeptor sowie die Aktivierung der nachgeschalteten Signalwege waren mit nativem Insulin vergleichbar. Im Gegensatz zu subkutan gespritztem Insulin zeigte OP–Insulin eine deutlich längere Verweildauer im Blut und eine stärkere Anreicherung in Leber, Fett- und Muskelgewebe.

Die Ergebnisse eröffnen erstmals die realistische Perspektive, Insulin und möglicherweise weitere Proteine und Peptide künftig einfach als Creme oder Pflaster zu verabreichen – ohne Nadeln, ohne Hautverletzung und mit hoher Patientenakzeptanz.

Verifizierte Quellen

  • https://www.nature.com/articles/s41586-025-08345-8 (Originalpublikation: Qiuyu Wei et al., Nature, 19.11.2025, Open Access)
  • https://doi.org/10.1038/s41586-025-08345-8 (Direktlink zur Studie)