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Große Studie zu Hunderassen: Kurzköpfige und große Rassen sterben früher – Mischlinge nicht immer langlebiger

London – Eine umfangreiche Analyse von über 584.000 Hunden in Großbritannien zeigt erhebliche Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen Rassen, Größen, Geschlechtern und Kopfformen. Die im Februar 2024 in Scientific Reports veröffentlichte Untersuchung von Forschern um Kirsten M. McMillan (Dogs Trust) basiert auf Daten von 284.734 verstorbenen Tieren und liefert erstmals detaillierte Einblicke in Risikofaktoren für frühen Tod.

Die mediane Lebenserwartung aller Hunde liegt bei 12,5 Jahren. Weibchen erreichen im Schnitt 12,7 Jahre, Männchen 12,4 Jahre. Reine Rassehunde (purebred) leben mit 12,7 Jahren etwas länger als Mischlinge (crossbred) mit 12,0 Jahren – entgegen mancher früherer Annahmen, die Hybridvigor (Heterosis) vermuteten. Die Forscher führen das auf genetische Faktoren und Zuchtpraktiken zurück, die bei Rassehunden zu Engpässen und Inzucht führen.

Bei reinen Rassen variiert die Lebenserwartung stark. Am kürzesten leben große, oft massige Rassen wie Caucasian Shepherd Dog (5,4 Jahre), Presa Canario (7,7 Jahre), Cane Corso (8,1 Jahre), Mastiff (9,0 Jahre), St. Bernard (9,3 Jahre), Bloodhound (9,3 Jahre), Affenpinscher (9,3 Jahre), Neapolitan Mastiff (9,3 Jahre), Bulldog (9,8 Jahre) und French Bulldog (9,8 Jahre). Diese Rassen zeigen ein bis zu dreifach höheres Risiko für frühen Tod im Vergleich zum Durchschnitt.

Am längsten leben kleine Rassen wie Lancashire Heeler (15,4 Jahre), Tibetan Spaniel (15,2 Jahre), Shiba Inu (14,6 Jahre), Papillon (14,5 Jahre), Lakeland Terrier (14,2 Jahre), Schipperke (14,2 Jahre), Border Terrier (14,2 Jahre), Italian Greyhound (14,0 Jahre) und Miniature Dachshund (14,0 Jahre).

Die Körpergröße spielt eine zentrale Rolle: Kleine Rassen erreichen 12,7 Jahre, mittelgroße 12,5 Jahre, große nur 11,9 Jahre. Große Hunde sterben etwa 20 Prozent schneller als kleine.

Die Kopfform (cephalic index) beeinflusst ebenfalls: Mesocephale (mittellange Schnauze) leben mit 12,8 Jahren am längsten. Brachycephale (kurze, flache Schnauze) erreichen nur 11,2 Jahre – ein 40-prozentiges höheres Risiko. Dolichocephale (lange Schnauze) liegen bei 12,1 Jahren. Besonders betroffen sind brachycephale mittelgroße und große Rassen, deren Lebenserwartung bis zu 2,7-mal kürzer ist als bei kleinen dolichocephalen Weibchen (13,3 Jahre).

Die Studie betont, dass künstliche Selektion und Zuchtstandards – etwa für extreme Merkmale – zu gesundheitlichen Problemen wie Atemwegsstörungen, Herzkrankheiten oder Krebs führen. Evolutionäre Geschichte und Domestikation spielen eine Rolle, da moderne Rassen genetisch eng verwandt sind.

Die Ergebnisse sollen Züchtern, Haltern, Tierärzten und Politikern helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen und das Wohl von Hunden zu verbessern. Sie unterstreichen die Notwendigkeit, Gesundheit und Funktionalität stärker in die Zucht einzubeziehen.