Die geplante Pflicht, bei ESTA-Anträgen (Visa Waiver Program) Social-Media-Informationen der letzten fünf Jahre offenzulegen, könnte den US-Tourismus massiv treffen. Das World Travel & Tourism Council (WTTC) warnt in einer Umfrage unter fast 5.000 internationalen Reisenden vor einem potenziellen Rückgang von bis zu 23 Prozent der Besucher aus ESTA-Ländern im Jahr 2026. Das entspräche bis zu 4,7 Millionen fehlenden internationalen Ankünften und Einnahmeverlusten von geschätzt 15,7 Milliarden US-Dollar. Zudem könnten bis zu 150.000 Arbeitsplätze in der Reisebranche gefährdet sein.
Der Vorschlag der U.S. Customs and Border Protection (CBP), der Ende Januar 2026 im Federal Register veröffentlicht wurde, sieht vor, dass Reisende aus über 40 Ländern – darunter Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan und Südkorea – Benutzernamen ihrer Social-Media-Konten der vergangenen fünf Jahre angeben müssen. Die CBP betont, dass keine Inhalte, Beiträge oder Kommentare geprüft werden sollen – insbesondere keine Kritik an Präsident Trump oder anderen Politikern. Die Angaben dienten lediglich dem Abgleich mit bereits vorhandenen geheimen Informationen zur Gefahrenabwehr im Rahmen von Executive Order 14161, die Terrorismus und Bedrohungen der nationalen Sicherheit verhindern soll.
Trotz dieser Einschränkungen empfinden viele potenzielle Reisende die Maßnahme als lästig und abschreckend. Zwei Drittel der Befragten im WTTC-Survey gaben an, von der geplanten Regelung zu wissen; ein Drittel erklärte, die USA dadurch für Urlaubs- und Geschäftsreisen weniger attraktiv zu finden. Gloria Guevara, Präsidentin des WTTC, sagte gegenüber CNN: „Die betroffenen Reisenden haben Alternativen – und viele empfinden die Offenlegung als unnötige Schikane.“
Der Tourismus in die USA leidet bereits: Im Dezember 2025 kamen nur 3,2 Millionen Übersee-Besucher – acht Prozent weniger als vor der Pandemie, während der weltweite Tourismus um vier Prozent zulegte. Europäische Reiseveranstalter berichten von sinkendem Interesse: Hohe Preise, administrative Hürden und ein negatives Image (u. a. durch politische Entwicklungen) machen andere Ziele attraktiver. Die neue Regel käme zu einem ungünstigen Zeitpunkt – vor den Feiern zum 250-jährigen Bestehen der USA 2026 und der Fußball-Weltmeisterschaft 2026.
In der österreichischen Presse („Der Standard“, 4. Februar 2026) und in den Leserkommentaren dominiert Skepsis und Ablehnung. Viele Nutzer kündigen an, die USA komplett zu meiden – teils aus politischen Gründen („solange Trump wütet“), teils aus Datenschutzbedenken oder Angst vor willkürlichen Einreiseverweigerungen. Häufig genannte Alternativen sind Kanada oder andere Länder. Einige befürchten eine Eskalation zu einem „Social Score“-System à la China oder vergleichen die Maßnahme mit totalitärer Überwachung.
Die CBP betonte, der Vorschlag sei noch nicht final und stehe zur öffentlichen Kommentierung. Bislang ist unklar, wie genau die Daten verwendet werden und ob Pseudonyme oder inaktive Accounts relevant sind. Kritiker sehen dennoch einen massiven Eingriff in die Privatsphäre und fürchten, dass die Regel – selbst bei begrenzter Anwendung – das Image der USA als offenes Reiseland weiter beschädigt.
Die Debatte zeigt: Was als Sicherheitsmaßnahme gedacht ist, könnte für die US-Wirtschaft teuer werden – gerade in einem Jahr mit großen touristischen Events.
