Eine neue Studie der Universität Tokio und der Universität Fukushima zeigt, dass die Freisetzung von tritiumhaltigem Wasser aus dem havarierten Kernkraftwerk Fukushima Daiichi nur minimale Auswirkungen auf die Tritiumkonzentration im Pazifischen Ozean hat. Die Ergebnisse, veröffentlicht am 2. Juli 2025 in Marine Pollution Bulletin, basieren auf globalen Ozeanmodellsimulationen und berücksichtigen sowohl kurz- als auch langfristige Szenarien, einschließlich Klimawandeleffekte.
Seit der Nuklearkatastrophe 2011 wird im Kraftwerk Fukushima Wasser zur Kühlung der Reaktoren verwendet und mit dem Advanced Liquid Processing System (ALPS) gereinigt, das alle Radionuklide außer Tritium entfernt. Da Tritium schwer abzutrennen ist und die Lagerkapazitäten vor Ort begrenzt sind, begann im August 2023 die kontrollierte Einleitung des verdünnten, ALPS-behandelten Wassers ins Meer. Dieser Prozess soll bis 2050 abgeschlossen sein.
Die Forscher simulierten die Verteilung des Tritiums mit einem globalen Ozeanmodell und fanden heraus, dass der Anstieg der Tritiumkonzentration durch die Einleitungen außerhalb eines 25-Kilometer-Radius um die Einleitungsstelle weniger als 0,1 % der natürlichen Hintergrundkonzentration (0,03–0,2 Bq/l) beträgt und damit unter der Nachweisgrenze liegt. „Unsere Simulationen zeigen, dass der Beitrag des ALPS-behandelten Wassers zur Tritiumkonzentration im Ozean vernachlässigbar ist“, erklärt Maksym Gusyev von der Universität Fukushima. Dies steht im Einklang mit Überwachungsdaten und liegt weit unter dem WHO-Sicherheitsgrenzwert von 10.000 Bq/l.
Die Studie berücksichtigte auch Klimawandel und Meereswirbel, die die Verteilung des Tritiums beschleunigen können. Dennoch bleiben die Konzentrationen minimal. „Wir haben erstmals globale Ozeansimulationen mit realistischen Einleitungsszenarien und langfristigen Klimawandeleffekten durchgeführt“, sagt Erstautor Alexandre Cauquoin. Die Ergebnisse könnten helfen, Modelle zur Verfolgung von Wasserzyklen zu verbessern, da Tritium als Tracer für Ozean- und Atmosphärenzirkulation dient.
Trotz internationaler Proteste, insbesondere aus China und von lokalen Fischern, bestätigt die Studie die Einschätzung der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), dass die Einleitungen radiologisch unbedenklich sind. Die Erkenntnisse bieten eine wissenschaftliche Grundlage für die Diskussion um die Fukushima-Wasserfreisetzung und unterstreichen die Sicherheit der gewählten Methode.
DOI
10.1016/j.marpolbul.2025.118294
