Qurayyah, 23. Mai 2025 – Eine bahnbrechende archäologische Studie hat die früheste bekannte Verwendung der medizinischen und psychoaktiven Pflanze Peganum harmala, bekannt als syrische Weinraute oder Harmal, in Räucherpraktiken vor fast 2.700 Jahren aufgedeckt. Die in Communications Biology veröffentlichten Ergebnisse liefern neue Einblicke in die therapeutischen und sensorischen Praktiken der frühen arabischen Gemeinschaften und belegen die gezielte Nutzung einheimischer Pflanzen wegen ihrer bioaktiven Eigenschaften in der Eisenzeit.
Die Forschungsarbeiten, geleitet von Dr. Barbara Huber vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie und Professor Marta Luciani von der Universität Wien in Zusammenarbeit mit der Heritage Commission des saudischen Kulturministeriums, konzentrierten sich auf die Oasensiedlung Qurayyah im Nordwesten Saudi-Arabiens. Dieser Ort, bekannt für seine kunstvoll verzierten Keramikgefäße, die als Qurayyah Painted Ware bezeichnet werden, lieferte die entscheidenden Funde. In eisenzeitlichen Räuchergeräten entdeckte das Team organische Rückstände, deren Analyse die Verwendung von Harmal als Räuchermittel bestätigte – der weltweit älteste chemische Beweis für diese Praxis.

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Hans Sell
Für die Untersuchung setzte das Forschungsteam modernste biomolekulare Methoden ein, insbesondere die Hochleistungs-Flüssigkeitschromatographie-Tandem-Massenspektrometrie (HPLC-MS/MS). Diese hochpräzise Technik ermöglichte es, selbst in winzigen, stark degradierten Proben die charakteristischen Harmala-Alkaloide nachzuweisen, die für die antibakteriellen, psychoaktiven und therapeutischen Eigenschaften der Pflanze verantwortlich sind. Die Analyse zeigte, dass die Bewohner Qurayyahs Harmal nicht nur verbrannten, sondern vermutlich auch als Rauch inhalierten, um gesundheitliche Vorteile, spirituelle Reinigung oder psychoaktive Effekte zu erzielen.
Die Ergebnisse unterstreichen die tiefe Verwurzelung traditionellen Pflanzenwissens in der Region. Peganum harmala wird in Arabien bis heute in der Volksmedizin und bei Haushaltsausräucherungen verwendet, etwa zur Desinfektion von Räumen oder zur Förderung des Wohlbefindens. Die Studie zeigt, dass diese Praktiken eine kontinuierliche kulturelle Tradition widerspiegeln, die weit in die Antike zurückreicht. Sie verdeutlicht zudem, wie die Menschen in Qurayyah ihr lokales pflanzliches Wissen nutzten, um ihre Gesundheit zu fördern und möglicherweise spirituelle oder sensorische Erfahrungen zu gestalten.
Die Bedeutung der Entdeckung geht über die Archäologie hinaus und berührt Disziplinen wie Ethnobotanik, medizinische Anthropologie und Pharmakognosie. Sie beleuchtet die langfristigen Beziehungen zwischen Mensch, Heilpflanzen und natürlichen Ressourcen und zeigt, wie früh sich Gemeinschaften bewusst mit den pharmakologischen Eigenschaften ihrer Umwelt auseinandersetzten. Die Funde tragen auch zur Bewahrung des immateriellen kulturellen Erbes bei, da sie die Verbindung zwischen antikem Wissen und modernen Praktiken in Saudi-Arabien verdeutlichen.
Die Studie hebt die Rolle fortschrittlicher Analysetechniken in der Archäologie hervor, die es ermöglichen, bisher unsichtbare Aspekte des täglichen Lebens in der Antike zu rekonstruieren. Durch die Kombination von biomolekularer Forschung und traditioneller Ausgrabung konnte das Team nicht nur die verwendeten Pflanzen identifizieren, sondern auch Rückschlüsse auf deren Verwendungszwecke und kulturelle Bedeutung ziehen. Die Ergebnisse aus Qurayyah könnten zukünftige Forschungen zu pflanzlichen Praktiken in anderen antiken Kulturen inspirieren und unser Verständnis der globalen Geschichte der Heilpflanzen vertiefen.

