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Fraunhofer IAIS: Dreistufiges Modell für erfolgreiche KI-Strategie im Krankenhaus

Das neue Whitepaper des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS beschreibt detailliert, wie Krankenhäuser Künstliche Intelligenz (KI) strategisch und nachhaltig implementieren können. Im Zentrum steht ein dreistufiges Vorgehensmodell, das den Weg von der ersten Bestandsaufnahme bis zum dauerhaften Betrieb systematisch aufzeigt. Es soll Krankenhäuser dabei unterstützen, KI nicht nur in Pilotprojekten zu testen, sondern sie so einzusetzen, dass sie das medizinische und pflegerische Personal nachhaltig entlastet, die Versorgungsqualität steigert und regulatorische Anforderungen wie den EU AI Act, die DSGVO und die Medizinprodukteverordnung (MDR) erfüllt.

Das Modell gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Phasen:

1. Analyse und Aufbau (KI-Readiness)
In dieser ersten Phase bewerten Krankenhäuser ihre Ausgangssituation umfassend. Dazu gehören die Prüfung der Datenqualität und -verfügbarkeit, die Analyse der bestehenden IT-Architektur, die Bewertung organisatorischer Strukturen sowie die Einschätzung vorhandener Kompetenzen bei Mitarbeitenden. Ziel ist es, Schwachstellen zu identifizieren und die notwendigen Grundlagen für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz zu schaffen. Ohne eine solide KI-Readiness bleiben viele Initiativen auf der Strecke, warnen die Autorinnen und Autoren.

2. Strategieentwicklung
Auf Basis der Readiness-Analyse wird ein klares Zielbild für den KI-Einsatz definiert. Krankenhäuser priorisieren geeignete Use-Cases – etwa in der Dokumentation, Bildanalyse oder Entscheidungsunterstützung – und entwickeln eine konkrete Umsetzungsroadmap. Wichtig ist dabei die Einbettung der KI-Initiativen in die bestehende Digital- und Gesamtunternehmensstrategie. „KI entfaltet ihren Mehrwert nur, wenn sie als strategisches Thema der gesamten Organisation verstanden wird und nicht als isoliertes IT-Projekt“, betont Dario Antweiler, Teamleiter Healthcare Analytics am Fraunhofer IAIS.

3. Umsetzung und Betrieb
In der dritten Phase erfolgt die praktische Integration der KI-Lösungen in die klinischen und administrativen Prozesse. Dazu gehören der Aufbau robuster Governance-Strukturen, die Definition klarer Verantwortlichkeiten sowie die Etablierung einer kontinuierlichen Qualitätssicherung und Überwachung. Gleichzeitig wird durch Change Management, gezielte Qualifizierung und die aktive Einbindung von medizinischem und pflegerischem Personal Akzeptanz geschaffen. Nur wenn die Mitarbeitenden den konkreten Nutzen im Alltag erleben und Vertrauen in Transparenz, Nachvollziehbarkeit und rechtliche Absicherung haben, kann KI skalierbar und wirtschaftlich tragfähig wirken.

Das Whitepaper macht deutlich, dass erfolgreicher KI-Einsatz vor allem eine organisatorische und kulturelle Transformationsaufgabe ist. Technische Lösungen allein reichen nicht aus. Stattdessen müssen regulatorische, ethische und datenschutzrechtliche Aspekte von Beginn an berücksichtigt werden. Eine strukturierte KI-Governance wird dabei zum zentralen Erfolgsfaktor.

Das dreistufige Modell wird auf der DMEA 2026 in Berlin (21.–23. April) vorgestellt. Das Fraunhofer IAIS präsentiert gemeinsam mit anderen Fraunhofer-Instituten in Halle 2.2, Stand D-109 konkrete KI-Anwendungen wie sichere Sprachmodelle zur Dokumentationsentlastung, eine KI-Kliniksuite für administrative Prozesse und intelligente Agentensysteme für die Versorgungskette. Ergänzt wird das Angebot durch Beratungsleistungen zur individuellen Strategieentwicklung.

Das Whitepaper richtet sich an Entscheiderinnen und Entscheider in Krankenhäusern und bietet eine fundierte Orientierungshilfe für eine verantwortungsvolle KI-Implementierung. Es soll Kliniken helfen, von isolierten Tests zu nachhaltigen, personalentlastenden und qualitätssteigernden Lösungen zu gelangen.

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