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Feuerfußhörnchen als natürliches Reservoir für das Affenpockenvirus identifiziert

Forschende des Helmholtz-Instituts für One Health (HIOH) am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) haben gemeinsam mit einem internationalen Team das Feuerfußhörnchen (Funisciurus pyrropus) als wahrscheinliches natürliches Reservoir für das Affenpockenvirus (MPXV) bestätigt. Die Studie, die heute in der Fachzeitschrift Nature erschienen ist (DOI: 10.1038/s41586-025-10086-y), dokumentiert erstmals eine Übertragung des Virus zwischen Tierarten in freier Wildbahn – von Feuerfußhörnchen auf Rußmangaben (Cercocebus atys) – im Taï-Nationalpark in Côte d’Ivoire.

Mpox ist eine zoonotische Erkrankung, die in West- und Zentralafrika regelmäßig von Wildtieren auf Menschen übertragen wird. Einige Spillover-Ereignisse haben in den letzten Jahren große Ausbrüche ausgelöst, die sich anschließend durch Mensch-zu-Mensch-Übertragung verbreiteten. Um künftige Ausbrüche zu verhindern, ist es entscheidend, die natürliche Zirkulation des Virus und die Faktoren für Übertragungen zwischen Arten zu verstehen.

Der Nachweis gelang durch die langjährige Überwachung wildlebender Primaten im Taï-Nationalpark im Rahmen des Taï Chimpanzee Project. Anfang 2023 beobachtete das Team einen Mpox-Ausbruch in einer gut untersuchten Gruppe Rußmangaben: etwa ein Drittel der Tiere zeigte Symptome, vier Jungtiere starben. Genomsequenzierung ergab, dass das Virus bei den Mangaben nahezu identisch war mit einem Stamm, der zwölf Wochen zuvor bei einem tot aufgefundenen Feuerfußhörnchen in der Nähe nachgewiesen worden war.

Kotproben der Mangaben, die acht Wochen vor Ausbruchsbeginn gesammelt wurden, enthielten sowohl MPXV-DNA als auch DNA des Feuerfußhörnchens – ein direkter Hinweis auf die Übertragung. Verhaltensbeobachtungen bestätigten, dass Rußmangaben dieser Gruppe Feuerfußhörnchen jagen und fressen, was einen plausiblen Übertragungsweg darstellt.

Hörnchen stehen seit Langem im Verdacht, Reservoirs für MPXV zu sein. Das Virus wurde 1985 erstmals aus einem Wildtier (Seilhörnchen) isoliert, und importierte infizierte Eichhörnchen lösten 2003 einen Ausbruch bei Präriehund-Haltern in den USA aus. Ein direkter Nachweis einer Übertragung in freier Wildbahn zwischen Arten fehlte jedoch bislang.

Die Entdeckung hat erhebliche Bedeutung für die öffentliche Gesundheit: Der Jagddruck auf größere Wildtiere führt dazu, dass kleinere Arten wie Hörnchen und Nager zunehmend gejagt und verzehrt werden. Dies erhöht das Risiko zoonotischer Übertragungen auf den Menschen. Die Autorinnen und Autoren empfehlen eine stärkere Sensibilisierung betroffener Bevölkerungsgruppen – insbesondere Kinder – sowie evidenzbasierte Präventionsstrategien. Dazu gehören ein vertieftes Verständnis der Ökologie von MPXV in Reservoirarten (vor allem Hörnchen) und Zwischenwirten (nichtmenschliche Primaten) in endemischen Regionen.

Die Studie unterstreicht die Relevanz des One-Health-Ansatzes, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt als untrennbar verbunden betrachtet. Die Ergebnisse wurden nur durch langjährige ökologische Forschung, kontinuierliche Gesundheitsüberwachung und systematische Probenahme im Taï-Nationalpark möglich. Die Autoren fordern, solche Anstrengungen auszubauen und die Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern zu stärken, um zoonotische Risiken besser zu verstehen und präventiv zu begegnen.