Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat die Kombination aus Lurbinectedin (Zepzelca®) und Atezolizumab (Tecentriq®) oder Atezolizumab und Hyaluronidase-tqjs (Tecentriq Hybreza®) als Erhaltungstherapie für Erwachsene mit fortgeschrittenem kleinzelligem Lungenkarzinom (ES-SCLC) zugelassen, deren Erkrankung nach einer ersten Induktionstherapie mit Atezolizumab, Carboplatin und Etoposid nicht fortschreitet. Diese Zulassung, die am 2. Oktober 2025 erteilt wurde, stellt die erste Kombinationsbehandlung in diesem frühen Erhaltungsstadium dar und adressiert einen aggressiven Krebs mit begrenzten Therapieoptionen. Die Kombination wurde zudem in die Leitlinien der National Comprehensive Cancer Network (NCCN) für SCLC als bevorzugtes Regime aufgenommen, was ihre klinische Relevanz unterstreicht.
Die Zulassung basiert auf Ergebnissen der Phase-3-Studie IMforte (NCT05091567), einer randomisierten, multizentrischen, offenen Studie mit 483 Patienten, deren Erkrankung nach vier Zyklen der Induktionstherapie stabil war. Ab dem Zeitpunkt der Randomisierung reduzierte die Kombination das Risiko für Krankheitsprogression oder Tod um 46 Prozent und das Sterberisiko um 27 Prozent im Vergleich zur alleinigen Erhaltungstherapie mit Atezolizumab. Die mediane Gesamtüberlebenszeit (OS) betrug 13,2 Monate in der Kombinationsgruppe gegenüber 10,6 Monaten in der Monotherapiegruppe (gestrafter Hazard Ratio [HR] 0,73; 95%-KI: 0,57–0,95; p=0,0174). Die mediane progressionsfreie Überlebenszeit (PFS) nach unabhängiger Bewertung lag bei 5,4 Monaten versus 2,1 Monate (gestrafter HR 0,54; 95%-KI: 0,43–0,67; p<0,0001). Diese Daten wurden auf dem Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2025 präsentiert und parallel in The Lancet veröffentlicht.
Kleinzelliges Lungenkarzinom macht etwa 13 Prozent aller Lungenkrebsfälle in den USA aus, mit rund 30.000 Neudiagnosen jährlich. Es handelt sich um die aggressivste Form des Lungenkarzinoms, die rasch metastasiert, insbesondere ins Gehirn, in die Leber und in die Knochen. Etwa 70 bis 80 Prozent der Fälle treten bei Rauchern oder ehemaligen Rauchern auf, doch auch Passivrauch, Asbest, chemische Inhalationen, Strahlung und Luftverschmutzung erhöhen das Risiko. Viele Patienten reagieren anfangs gut auf Therapien, doch Rückfälle sind häufig und der Krebs wird resistenter.
Lurbinectedin wirkt als alkylierendes Mittel, das Guanin-Reste in der DNA bindet und dadurch die Zellzyklusaktivität stört, was zu einer Kaskade von Ereignissen führt, die DNA-Reparaturwege beeinträchtigen und potenziell zum Zelltod beitragen. Es erhielt 2020 eine beschleunigte Zulassung der FDA für Patienten mit metastatischem SCLC nach Versagen einer platinbasierten Chemotherapie. Atezolizumab, ein PD-L1-Inhibitor, ist bereits Standard in der Induktionstherapie. Die neue Indikation unterstreicht die Fortschritte in der personalisierten Onkologie, wo Erhaltungstherapien die Remissionsdauer verlängern können.
Trotz der Vorteile birgt die Therapie erhebliche Risiken. Häufige Nebenwirkungen (bei ?30 Prozent der Patienten) umfassen eine Abnahme von Lymphozyten, Thrombozyten, Hämoglobin, Leukozyten und Neutrophilen sowie Übelkeit und Müdigkeit/Asthenie. Schwere Myelosuppression, einschließlich fiebriler Neutropenie und Sepsis, Thrombopenie und Anämie, kann lebensbedrohlich sein. In der IMforte-Studie erhielten 84 Prozent der Patienten eine primäre Prophylaxe mit G-CSF; Neutropenie (Grad 3/4) trat bei 18 Prozent auf, mit einem medianen Beginn nach 31 Tagen. Hepatotoxizität, Extravasation mit Gewebenekrose, Rhabdomyolyse und embryofetale Toxizität erfordern enge Überwachung. Die Therapie sollte nur bei ausreichenden Baselinelaborwerten (Neutrophilen ?1.500/mm³, Thrombozyten ?100.000/mm³) begonnen werden, mit regelmäßiger Blutkontrolle und Dosisanpassungen. Schwangere Frauen und Stillende müssen besonders geschützt werden; effektive Kontrazeption wird für bis zu sechs Monate empfohlen.
Bei älteren Patienten (?65 Jahre, 51 Prozent in der Studie) war die Wirksamkeit vergleichbar, doch schwere Nebenwirkungen (Grad 3/4) traten häufiger auf (45 Prozent versus 31 Prozent bei Jüngeren). Bei moderater Leberinsuffizienz ist eine Dosisreduktion notwendig, bei schwerer eine Vermeidung der Therapie. Starke CYP3A-Inhibitoren (z. B. Grapefruit) sollten vermieden werden, da sie die Exposition erhöhen; starke Induktoren mindern die Wirksamkeit.
Die Zulassung markiert einen Meilenstein in der Behandlung von ES-SCLC, wo die Prognose trotz Fortschritten weiterhin herausfordernd bleibt. Experten sehen in der Kombination eine Verschiebung des Behandlungsstandards, die die Unsicherheit nach der Induktionstherapie mindert und die Lebensqualität verbessern könnte. Jazz Pharmaceuticals, das den Wirkstoff Zepzelca vermarktet, betont den patientenzentrierten Ansatz und plant weitere Forschungen in Onkologie und Neurowissenschaften. Die vollständigen Packungsbeilagen sind auf der FDA-Website verfügbar.
Diese Entwicklung unterstreicht die anhaltende Notwendigkeit innovativer Therapien für seltene und aggressive Krebsarten, um die begrenzten Optionen für Betroffene zu erweitern und die Überlebenschancen nachhaltig zu steigern.
