In einer Serie von Berichten hat Bloomberg enthüllt, dass das FBI den Namen des US-Präsidenten Donald Trump sowie die Namen anderer prominenter Persönlichkeiten aus den Akten zum Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein geschwärzt hat. Diese Schwärzungen erfolgten aus Datenschutzgründen, wie anonyme Quellen dem Medium mitteilen. Die Enthüllungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Trump mit anhaltenden Kontroversen um seine frühere Beziehung zu Epstein konfrontiert ist und Versprechen zur Freigabe der Akten nicht eingehalten werden. Kritiker werfen der Regierung vor, sensible Informationen zu verbergen, während Trump jede Beteiligung an Epsteins Verbrechen vehement dementiert.
Datenschutz als Begründung
Laut Bloombergs Bericht, der auf drei anonymen Quellen basiert, die nicht autorisiert waren, öffentlich zu sprechen, hat ein Team des FBI im Rahmen einer Überprüfung der Epstein-Akten Trumps Namen geschwärzt. Dies geschah vor der Entscheidung höherer Instanzen im vergangenen Monat, keine weiteren Dokumente freizugeben. Die Begründung: Trump und andere Betroffene waren zum Zeitpunkt des Beginns der Bundesuntersuchung gegen Epstein im Jahr 2006 private Bürger. Das FBI berief sich auf zwei Ausnahmen des Freedom of Information Act (FOIA): Eine schützt vor „eindeutig ungerechtfertigten Eingriffen in die persönliche Privatsphäre“, die andere vor Offenlegungen, die „vernünftigerweise als ungerechtfertigter Eingriff in die Privatsphäre erwartet werden könnten“. Bloomberg betont, dass solche Aktionen Routine seien, auch bei hochprofiligen Figuren.
Die Überprüfung umfasste rund 100.000 Seiten Dokumente, die auf Anfrage der Justizministerin Pam Bondi hin durchsucht wurden. Interne Anweisungen forderten etwa 1.000 FBI-Mitarbeiter auf, jede Erwähnung Trumps zu markieren. Nach den Schwärzungen wurden die Akten an Bondi weitergeleitet, die Trump im Mai informierte, dass sein Name darin vorkomme. Im Juli gaben Justizministerium und FBI eine gemeinsame Erklärung ab, dass keine weiteren Offenlegungen „angemessen oder gerechtfertigt“ seien, unter Berufung auf den Schutz von Opfern und Privatsphäre. Diese Entscheidung hat parteiübergreifende Kritik ausgelöst, da viele fordern, die Akten vollständig freizugeben, um Klarheit über Epsteins Netzwerk zu schaffen.
Andere Quellen wie Truthout bestätigen die Manipulationen und weisen darauf hin, dass sie nicht ungewöhnlich sind, betonen jedoch die politische Brisanz. Die Enthüllungen fielen zusammen mit Berichten über die Verlegung von Ghislaine Maxwell, Epsteins Komplizin, die eine 20-jährige Haftstrafe verbüßt, in ein Gefängnis mit niedrigerer Sicherheitsstufe.
Keine Beweise für kriminelle Verbindungen
Wichtig ist: Die Überprüfung ergab bislang weder eine „Klientenliste“ noch Beweise, die Trump mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung bringen. Epsteins Akten enthalten Erwähnungen Trumps in Kontaktbüchern und Fluglogs, aber nichts, das auf Beteiligung an dem Sexhandelsring hinweist, der den Missbrauch minderjähriger Mädchen umfasste. Trump hat wiederholt betont, er habe Epstein seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gesprochen, bevor dieser 2019 verhaftet wurde und sich in Haft das Leben nahm.
Trotzdem werfen die Schwärzungen Fragen auf. Trump selbst hat die Angelegenheit als „Hoax“ bezeichnet und angedeutet, dass sein Name von der Obama-Administration hinzugefügt worden sei. „Wenn es etwas Belastendes gäbe, wäre es längst veröffentlicht worden“, sagte er gegenüber Reportern. Kritiker wie der demokratische Abgeordnete Robert Garcia aus Kalifornien werfen Trump vor, während seines Wahlkampfs die Freigabe der Akten versprochen zu haben, nun aber etwas zu verbergen. „Das ist ein Muster der Intransparenz“, kommentierte Garcia.
Historischer Kontext: Eine langjährige Bekanntschaft
Die Beziehung zwischen Trump und Epstein reicht in die späten 1980er Jahre zurück, als beide in New Yorks Elite-Kreisen verkehrten. Dokumente zeigen, dass Trump mindestens acht Mal zwischen 1993 und 1997 mit Epsteins Privatjet flog, hauptsächlich zwischen New York und Florida. Trump beschrieb Epstein 2002 in einem Interview mit dem New York Magazine als „terrific guy“, der wie er selbst „schöne Frauen“ möge – eine Aussage, die er später als Fehleinschätzung abtat. Trump betont, er habe Epstein aus seinem Resort Mar-a-Lago verbannt, nachdem Gerüchte über dessen Verhalten bekannt wurden, und nie Epsteins private Insel besucht.
Fotos aus den Jahren 1997 und 2000 zeigen Trump, Epstein, Melania Trump und Maxwell zusammen bei Veranstaltungen in Mar-a-Lago. Dennoch gibt es derzeit keine Hinweise auf illegale Aktivitäten Trumps. Epstein wurde 2008 in Florida zu einer milden Strafe verurteilt, was Kritiker als „Sweetheart Deal“ unter Trumps damaligem Arbeitsminister Alexander Acosta brandmarken.
Breitere Implikationen und anhaltende Kontroversen
Die Bloomberg-Enthüllungen haben Diskussionen angeheizt, insbesondere im MAGA-Lager. Trump-Anhänger wie Fox-Moderatorin Laura Ingraham haben Unzufriedenheit mit der Epstein-Untersuchung geäußert, während Elon Musk und andere Figuren Spaltungen innerhalb der Rechten offenbaren. Bloomberg-Opinion-Kolumnist Timothy L. O’Brien warnt, dass Trump neue Verschwörungen schürt, um alte zu überdecken.
Auf der linken Seite fordern Demokraten wie Senator Ron Wyden eine IRS-Untersuchung zu Epsteins Finanzgeschäften, die indirekt Trump tangieren könnten. Die Weigerung der Trump-Administration, weitere Dokumente freizugeben, trotz gerichtlicher Auseinandersetzungen, verstärkt den Verdacht auf Vertuschung.
Experten sehen in den Redaktionen einen Konflikt zwischen Transparenz und Privatsphäre. „Das FBI handelt nach etablierten Regeln, aber in einem so sensiblen Fall wirkt es verdächtig“, kommentiert ein FOIA-Spezialist gegenüber Bloomberg. Die Enthüllungen unterstreichen, wie Epsteins Netzwerk – das Milliardäre, Politiker und Prominente umfasste – weiterhin die US-Politik belastet, besonders vor dem Hintergrund der Präsidentschaftswahlen.
Während Trump die Akten als politisch motivierten Angriff abtut, bleibt die Forderung nach voller Offenlegung laut. Ob weitere Gerichtsentscheidungen die Dokumente ans Licht bringen, bleibt abzuwarten. Bislang hat die Regierung ihre Haltung nicht geändert, was die Debatte nur weiter anheizt.


