Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist eine weit verbreitete bildgebende Diagnostikmethode, die hochauflösende Bilder von Geweben und Organen liefert. Patienten mit einem künstlichen Kniegelenk stellen sich häufig die Frage, ob ein MRT für sie sicher ist und welche Besonderheiten zu beachten sind. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen zu diesem Thema aus medizinischer Sicht.
1. Ist ein MRT mit einem künstlichen Kniegelenk sicher?
Ja, in der Regel ist ein MRT bei Patienten mit einem künstlichen Kniegelenk sicher. Moderne Knieprothesen bestehen meist aus nicht-ferromagnetischen Materialien wie Titan, Kobalt-Chrom-Legierungen oder hochdichtem Polyethylen, die nicht durch das starke Magnetfeld eines MRT-Geräts beeinflusst werden. Diese Materialien werden als MRT-kompatibel eingestuft, was bedeutet, dass sie weder angezogen noch erhitzt werden und keine Gefahr für den Patienten darstellen.
Allerdings gibt es einige wichtige Aspekte zu beachten:
- Ältere Prothesen: Frühere Generationen von Prothesen könnten ferromagnetische Materialien enthalten, die potenziell unsicher sind. Obwohl dies heute selten ist, sollte die MRT-Tauglichkeit älterer Implantate vor der Untersuchung geklärt werden.
- Zusätzliche Komponenten: Manche Prothesen können kleine ferromagnetische Teile (z. B. Schrauben oder Clips) enthalten, die ebenfalls überprüft werden müssen.
Vor der Untersuchung wird das medizinische Personal einen Fragebogen mit dem Patienten durchgehen, um sicherzustellen, dass keine Risiken bestehen.
2. Wie wird die Sicherheit vor einem MRT überprüft?
Um die Sicherheit eines MRTs bei Patienten mit Knieprothesen zu gewährleisten, werden folgende Schritte unternommen:
- Patientenanamnese: Vor der MRT-Untersuchung wird ein standardisierter Fragebogen ausgefüllt, in dem der Patient über Metallimplantate, einschließlich künstlicher Gelenke, informiert. Wichtige Angaben sind:
- Art der Prothese (z. B. Totalendoprothese oder Teilprothese)
- Jahr der Implantation
- Hersteller und Modell der Prothese (falls bekannt)
- Vorhandensein eines Prothesenpasses
- Prothesenpass oder Implantatdokumentation: Viele Patienten erhalten nach der Implantation eines künstlichen Kniegelenks einen Prothesenpass, der Informationen über die verwendeten Materialien und die MRT-Tauglichkeit enthält. Dieser sollte dem Radiologen vorgelegt werden.
- Abklärung durch Fachpersonal: Falls Unsicherheiten bestehen, kann der Radiologe Kontakt mit dem behandelnden Orthopäden oder dem Prothesenhersteller aufnehmen, um die MRT-Kompatibilität zu bestätigen.
- Spezielle Vorsichtsmaßnahmen: In seltenen Fällen, wenn keine ausreichenden Informationen über die Prothese verfügbar sind, kann eine alternative Bildgebung (z. B. CT oder Ultraschall) in Betracht gezogen werden, um Risiken auszuschließen.
3. Welche Risiken gibt es bei einem MRT mit einer Knieprothese?
Die Risiken eines MRTs bei Patienten mit modernen, MRT-kompatiblen Knieprothesen sind minimal. Dennoch gibt es einige potenzielle Herausforderungen:
- Erwärmung: In seltenen Fällen kann es zu einer minimalen Erwärmung der Prothese durch das Magnetfeld kommen. Dies ist jedoch bei modernen Materialien in der Regel unbedenklich und führt nicht zu Gewebeschäden.
- Bewegung der Prothese: Ferromagnetische Implantate könnten sich im Magnetfeld bewegen oder verrutschen, was gefährlich wäre. Da moderne Knieprothesen jedoch fast ausschließlich aus nicht-ferromagnetischen Materialien bestehen, ist dieses Risiko nahezu ausgeschlossen.
- Bildartefakte: Metallische Prothesen können sogenannte Artefakte im MRT-Bild verursachen, die die Darstellung der umliegenden Gewebe beeinträchtigen. Dies wird weiter unten im Detail erläutert.
4. Beeinflusst die Knieprothese die Bildqualität des MRT?
Ja, ein künstliches Kniegelenk kann die Bildqualität eines MRTs beeinträchtigen, insbesondere in der Nähe der Prothese. Metallimplantate verursachen sogenannte Metallartefakte, die sich als Verzerrungen oder dunkle/helle Bereiche im Bild zeigen können. Dies erschwert die Beurteilung von Weichteilen, Knochen oder anderen Strukturen in der Nähe der Prothese.
Um diese Probleme zu minimieren, setzen Radiologen spezielle Techniken ein, wie z. B.:
- Metall-Artefakt-Reduktionssequenzen (MARS): Diese MRT-Sequenzen sind speziell darauf ausgelegt, die Störungen durch Metallimplantate zu reduzieren und die Bildqualität zu verbessern.
- Anpassung der Bildgebungsparameter: Durch Änderung der Magnetfeldstärke oder der Bildgebungsprotokolle kann die Artefaktbildung minimiert werden.
Falls das Kniegelenk selbst untersucht werden soll (z. B. zur Beurteilung von Lockerungen oder Infektionen), kann die Bildqualität dennoch eingeschränkt sein. In solchen Fällen können ergänzende Untersuchungen wie eine Computertomographie (CT) oder ein Knochenszintigramm sinnvoll sein.
5. Was sollte vor dem MRT vorbereitet werden?
Um eine reibungslose und sichere MRT-Untersuchung zu gewährleisten, sollten Patienten mit einem künstlichen Kniegelenk folgende Schritte beachten:
- Informiere das MRT-Zentrum: Teile dem Personal bereits bei der Terminvereinbarung mit, dass du eine Knieprothese hast.
- Prothesenpass mitbringen: Falls vorhanden, bringe den Prothesenpass oder andere Dokumente über das Implantat zur Untersuchung mit.
- Medizinische Vorgeschichte angeben: Informiere den Radiologen über das Datum der Implantation, den Hersteller der Prothese und eventuelle andere Metallimplantate im Körper.
- Fragen klären: Wenn du Bedenken hast, bespreche diese vorab mit deinem behandelnden Arzt oder dem Radiologen.
6. Gibt es Alternativen zum MRT?
Falls ein MRT aufgrund von Unsicherheiten über die Prothese nicht durchgeführt werden kann oder die Bildqualität zu stark beeinträchtigt ist, gibt es alternative Bildgebungsverfahren:
- Computertomographie (CT): Eine CT kann bei Knieprothesen oft bessere Ergebnisse liefern, insbesondere zur Beurteilung der Prothese selbst (z. B. bei Verdacht auf Lockerung).
- Ultraschall: Für die Untersuchung von Weichteilen (z. B. Muskeln oder Sehnen) kann Ultraschall eine metallfreie Alternative sein.
- Röntgen: Röntgenaufnahmen werden häufig zur Beurteilung der Prothese und des umliegenden Knochens verwendet, liefern jedoch weniger Details über Weichteile.
Die Wahl des Verfahrens hängt von der klinischen Fragestellung ab und sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
7. Was passiert, wenn die Prothese nicht MRT-kompatibel ist?
In den seltenen Fällen, in denen eine Knieprothese nicht MRT-kompatibel ist, wird das medizinische Team alternative Diagnosemethoden vorschlagen. Eine MRT-Untersuchung wird in solchen Fällen vermieden, um potenzielle Risiken wie Erwärmung oder Bewegung der Prothese auszuschließen. Der Radiologe wird eng mit dem behandelnden Orthopäden zusammenarbeiten, um die beste diagnostische Vorgehensweise zu finden.
Fazit
Ein MRT ist bei Patienten mit einem künstlichen Kniegelenk in der Regel sicher, vorausgesetzt, die Prothese besteht aus MRT-kompatiblen Materialien. Moderne Knieprothesen erfüllen diese Anforderungen fast immer, dennoch ist eine sorgfältige Abklärung vor der Untersuchung essenziell. Metallartefakte können die Bildqualität beeinträchtigen, aber durch spezielle Techniken wie MARS kann dies minimiert werden. Patienten sollten dem MRT-Zentrum vorab alle relevanten Informationen über die Prothese bereitstellen, idealerweise mithilfe eines Prothesenpasses. Bei Unsicherheiten empfiehlt sich eine Rücksprache mit dem behandelnden Orthopäden.
Für weitere Fragen oder spezifische Anliegen wende dich an deinen Arzt oder das MRT-Zentrum, um eine individuelle Beratung zu erhalten.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Konsultiere immer einen Facharzt, bevor du medizinische Untersuchungen durchführst.
Stand: Oktober 2025
