Am 4. August 2025 bestätigte das US-amerikanische Centers for Disease Control and Prevention (CDC) einen Fall einer Infektion mit dem Neuen Welt-Schraubenwurm (Cochliomyia hominivorax) bei einer Person in Maryland, die kürzlich aus El Salvador zurückgekehrt war. Die Nachricht, zuerst von Reuters veröffentlicht, löste Besorgnis aus, da dieser fleischfressende Parasit, der vor allem in Teilen Südamerikas und der Karibik endemisch ist, nicht nur für die Viehwirtschaft, sondern auch für die öffentliche Gesundheit eine Bedrohung darstellt.
Hintergrund der Schraubenwurminfektion
Der Neue Welt-Schraubenwurm ist ein Parasit, dessen Larven sich von lebendem Gewebe warmblütiger Tiere, einschließlich Menschen, ernähren. Weibliche Fliegen legen bis zu 400 Eier in offene Wunden oder Körperöffnungen wie Nase, Mund oder Ohren. Nach dem Schlüpfen bohren sich die Larven in das Gewebe, was zu schmerzhaften, entzündlichen Wunden führt, die unbehandelt tödlich sein können, insbesondere bei Tieren. In Menschen ist die Infektion selten, aber äußerst unangenehm und erfordert oft chirurgische Entfernung der Larven sowie gründliche Wunddesinfektion. Symptome umfassen schmerzhafte, nicht heilende Wunden, sichtbare Larven und einen fauligen Geruch.
Historischer Kontext und Wiederaufkommen
In den 1950er und 1960er Jahren wurde der Schraubenwurm in den USA und weiten Teilen Zentralamerikas durch ein erfolgreiches Ausrottungsprogramm eliminiert, das auf der Freisetzung steriler männlicher Fliegen basierte. Diese biologische Barriere, die entlang des Darién-Gaps zwischen Panama und Kolumbien aufrechterhalten wurde, brach jedoch 2022 zusammen, wodurch sich der Parasit wieder nach Norden ausbreiten konnte, einschließlich nach El Salvador. Derzeit ist der Schraubenwurm nur etwa 370 Meilen von der texanischen Grenze entfernt, was die Besorgnis über ein mögliches Wiederaufkommen in den USA verstärkt.
Wirtschaftliche und gesundheitliche Auswirkungen
Die Bedrohung durch den Schraubenwurm ist besonders für die Viehwirtschaft alarmierend. Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) schätzt, dass ein Ausbruch in Texas, dem größten Rinderproduzenten der USA, bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar an Verlusten durch Tiersterben, Arbeitskosten und medizinische Behandlungen verursachen könnte. Die Infektion stellt auch eine Gefahr für die Lebensmittelversorgung dar, da sie Viehbestände in wenigen Wochen dezimieren kann, wenn sie nicht behandelt wird. In Reaktion auf die Bedrohung hat die USDA im August 2025 Pläne angekündigt, eine Anlage in Edinburg, Texas, zu bauen, die wöchentlich bis zu 300 Millionen sterile Fliegen produzieren soll, um die Verbreitung des Parasiten einzudämmen.
Einzelfall in Maryland und Reaktion der Behörden
Der bestätigte Fall in Maryland betrifft einen Reisenden, der aus El Salvador zurückkehrte, einem Land, das derzeit einen Schraubenwurmausbruch erlebt. Die Maryland Gesundheitsbehörde und das CDC untersuchten den Fall, und der Patient hat sich Berichten zufolge erholt, ohne dass eine Übertragung auf andere Personen oder Tiere festgestellt wurde. Die Behörden betonen, dass das Risiko für die öffentliche Gesundheit in den USA derzeit sehr gering ist, da der Parasit nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird. Dennoch gibt es Kritik an der mangelnden Transparenz des CDC, da einige staatliche Veterinärbehörden, wie etwa in South Dakota, über inoffizielle Kanäle von dem Fall erfuhren und das CDC zunächst keine direkten Informationen weitergab.
Präventionsmaßnahmen und Empfehlungen
Das CDC empfiehlt Reisenden in betroffene Regionen, offene Wunden sauber und abgedeckt zu halten, lange Kleidung zu tragen und Insektenschutzmittel wie Permethrin zu verwenden. Besondere Vorsicht ist bei Aufenthalten in ländlichen Gebieten oder in der Nähe von Viehbeständen geboten. Haustiere und Nutztiere sollten nach Reisen auf Infektionen untersucht und Wunden sofort mit zugelassenen Insektiziden behandelt werden. Selbstentfernung der Larven wird dringend abgeraten, da dies zu weiteren Komplikationen führen kann.
Frühere Fälle und aktuelle Herausforderungen
Obwohl der Fall in Maryland als erster reiseassoziierter Fall aus einem Land mit einem aktuellen Ausbruch bezeichnet wird, sind Schraubenwurminfektionen in den USA nicht gänzlich neu. 2023 wurde ein Fall bei einem Mann aus Arkansas bestätigt, der nach einer Operation in Argentinien und Brasilien reiste, und 2014 infizierte sich eine Frau aus Washington nach einem Aufenthalt in der Dominikanischen Republik. Diese Fälle verdeutlichen, dass die Bedrohung durch Reisen in endemische Gebiete bestehen bleibt. Die aktuelle Ausbreitung des Parasiten in Zentralamerika, gepaart mit globalen Faktoren wie Klimaveränderungen und der Migration von Mensch und Tier, erschwert die Eindämmung.
Ausblick und Maßnahmen
Die USA und Mexiko setzen verstärkt auf die Produktion und Freisetzung steriler Fliegen, um die Ausbreitung des Schraubenwurms zu stoppen. Mexiko hat im Juli 2025 den Bau einer 51-Millionen-Dollar-Anlage im Süden des Landes begonnen, während die bestehende Anlage in Panama nur begrenzte Kapazitäten hat. Die USDA schätzt, dass wöchentlich 500 Millionen sterile Fliegen benötigt werden, um den Parasiten zurück in den Darién-Gap zu drängen. Zusätzlich hat das US-Gesundheitsministerium eine Notfallgenehmigung erlassen, die der FDA mehr Flexibilität bei der Zulassung von Tierarzneimitteln zur Behandlung und Prävention von Schraubenwurminfektionen gibt.
Fazit
Die Bestätigung eines Schraubenwurmfalls in Maryland unterstreicht die wachsende Herausforderung durch diesen Parasit, der durch internationale Reisen in die USA eingeschleppt werden kann. Während das Risiko für die Bevölkerung gering bleibt, bleibt die Bedrohung für die Viehwirtschaft erheblich. Durch koordinierte Maßnahmen, einschließlich biologischer Kontrollstrategien und verstärkter Überwachung, arbeiten die Behörden daran, eine erneute Ausbreitung in den USA zu verhindern. Die Kritik an der Kommunikation des CDC zeigt jedoch, dass eine verbesserte Zusammenarbeit und Transparenz zwischen Behörden und Interessengruppen erforderlich ist, um sowohl die öffentliche Gesundheit als auch die wirtschaftlichen Interessen zu schützen.
