BERLIN – Kinder und Jugendliche, die als Systemsprenger gelten, stellen das soziale System vor große Herausforderungen. Ergotherapeutinnen wie Maren Bartenstein vom Deutschen Verband Ergotherapie (DVE) zeigen, wie sie diesen jungen Menschen Selbstwirksamkeit und Vertrauen zurückgeben.
Der Begriff „Systemsprenger“, populär durch den gleichnamigen Film von 2019, beschreibt keine Diagnose, sondern ein Versagen des Systems, adäquate Hilfe für Kinder und Jugendliche mit komplexen Belastungen zu bieten. Häufig zeigen sie unberechenbares Verhalten, das aus familiären, umweltbedingten oder persönlichen Faktoren resultiert. Schon im Kindergartenalter fällt auf, dass sie mit Frust, Impulsen oder Regeln schlecht umgehen können und oft physisch reagieren. Diese Verhaltensmuster, oft als Überlebensstrategie entwickelt, wurzeln in frühen Bindungsabbrüchen oder fehlenden stabilen Beziehungen.
Ergotherapie bietet einen Weg, diesen Kindern zu helfen. Frühzeitige Interventionen, etwa nach Absprache mit Kinderärztinnen oder -psychiaterinnen, sind entscheidend. Ergotherapeutinnen setzen auf spielerische Ansätze, um Kinder altersgerecht abzuholen und Vertrauen aufzubauen. Eine professionelle Haltung, die Grenzen setzt, aber nicht nachträgt, ist zentral. So konnte Bartenstein einen Jugendlichen, der zunächst die Schule verweigerte und aggressiv reagierte, durch einfache Aktivitäten wie das Bepflanzen von Blumenkübeln erreichen. Solche Erfolgserlebnisse stärken das Selbstwertgefühl und öffnen Türen für weitere therapeutische Schritte.
Ergotherapeutische Interventionen fördern Selbstwirksamkeit durch kreative oder handwerkliche Tätigkeiten, die Kinder stolz auf ihre Leistungen machen. Rückschläge werden behutsam begleitet, während Strategien wie Bewegung oder Meditation helfen, emotionale Spannungen abzubauen. Langfristig lernen viele Systemsprenger, Beziehungen zu gestalten und sich zu stabilisieren.
Um Systemsprenger gar nicht erst entstehen zu lassen, plädiert Bartenstein für frühzeitige Unterstützung. Eltern, Verwandte oder Nachbarn sollten bei Auffälligkeiten handeln, etwa durch Gespräche mit Erziehungsberatungsstellen oder das Jugendamt. So können Kinder geschützt und Teufelskreise aus Bindungsabbrüchen und Überforderung durchbrochen werden. Ergotherapie zeigt: Mit Empathie und Fachwissen können Systemsprenger neue Chancen bekommen.
