Enanta Pharmaceuticals, ein Biotechnologieunternehmen aus Watertown, Massachusetts, hat seine rechtliche Auseinandersetzung mit Pfizer um das Covid-19-Medikament Paxlovid verschärft. Wie Endpoints News am 20. August 2025 berichtet, hat Enanta eine Klage beim Einheitlichen Patentgericht (Unified Patent Court, UPC) der Europäischen Union eingereicht, um eine Verletzung ihres europäischen Patents EP 4 051 265 durch Pfizer geltend zu machen. Dieses Patent, das erst kürzlich vom Europäischen Patentamt erteilt wurde, umfasst Proteaseinhibitoren gegen Coronaviren, die Enanta zufolge in Paxlovid verwendet werden.
Hintergrund des Streits
Die Klage in Europa folgt auf einen ähnlichen Rechtsstreit in den USA, den Enanta bereits im Juni 2022 vor einem Bezirksgericht in Massachusetts angestrengt hatte. Damals warf Enanta Pfizer vor, das US-Patent 11,358,953 zu verletzen, das ebenfalls Proteaseinhibitoren für Coronaviren abdeckt. Dieses Patent wurde auf Basis einer Patentanmeldung von Juli 2020 erteilt, die Enantas Forschung zu SARS-CoV-2-Proteaseinhibitoren dokumentiert. Im Dezember 2024 erklärte jedoch ein US-Bundesrichter das Patent für ungültig, was Enanta zur Ankündigung einer Berufung veranlasste. Die neue Klage in Europa, eingereicht am 20. August 2025, zielt auf Pfizers Aktivitäten in den 18 EU-Ländern ab, die dem UPC angehören.
Paxlovid: Ein milliardenschweres Medikament
Paxlovid, eine Kombination aus Nirmatrelvir und Ritonavir, ist ein oraler antiviraler Wirkstoff, der seit seiner Notfallzulassung 2021 eine Schlüsselrolle in der Behandlung von Covid-19 spielt. Das Medikament generierte für Pfizer weltweit Einnahmen von über 26 Milliarden US-Dollar, darunter 18,9 Milliarden im Jahr 2022. Trotz rückläufiger Nachfrage nach Covid-19-Therapien erzielte Paxlovid 2024 noch 1,2 Milliarden US-Dollar, unterstützt durch staatliche Bestellungen. Enanta argumentiert, dass Nirmatrelvir, der Hauptbestandteil von Paxlovid, auf ihren patentierten Proteaseinhibitoren basiert, und fordert eine angemessene Entschädigung für die Nutzung ihrer Erfindung.
Enantas Position und Ziele
Enanta betont, dass es nicht beabsichtigt, die Produktion, den Verkauf oder die Verteilung von Paxlovid zu behindern, da das Medikament für Patienten von entscheidender Bedeutung ist. Stattdessen strebt das Unternehmen eine finanzielle Entschädigung an, die den angeblichen Verstoß gegen ihr Patent abdeckt. Die Klage vor dem UPC zielt auf eine Feststellung der Haftung für die Verletzung des Patents EP 4 051 265 in den 18 teilnehmenden EU-Ländern ab. Ein Gerichtstermin wird innerhalb der nächsten 12 Monate erwartet, mit einer Entscheidung kurz danach.
Pfizers Reaktion
Pfizer zeigt sich zuversichtlich in Bezug auf seine Rechte am geistigen Eigentum von Paxlovid und plant, sich vor Gericht zu verteidigen. Das Unternehmen verweist auf seine starken Quartalsergebnisse im zweiten Quartal 2025, in denen Paxlovid einen Umsatzanstieg von 71 % verzeichnete, während das Covid-19-Impfstoff Comirnaty sogar um 95 % wuchs. Dennoch steht Pfizer derzeit vor mehreren rechtlichen Herausforderungen, darunter eine gescheiterte Phase-III-Studie für ein Sichelzellen-Medikament, was die Komplexität des aktuellen Geschäftsumfelds unterstreicht.
Enantas Profil und Herausforderungen
Enanta, bekannt für die Mitentwicklung des Hepatitis-C-Medikaments Glecaprevir/Pibrentasvir mit AbbVie, finanziert seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten teilweise durch Lizenzeinnahmen aus diesem Produkt. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung kleiner Moleküle für virale Infektionen und immunologische Erkrankungen, darunter Programme gegen das Respiratory Syncytial Virus (RSV). Allerdings steht Enanta vor Herausforderungen, etwa durch das Scheitern einer Phase-IIb-Studie für einen RSV-Wirkstoff im letzten Jahr und die Notwendigkeit von Partnerschaften für die Weiterentwicklung ihrer RSV-Kandidaten.
Bedeutung und Ausblick
Der Rechtsstreit wirft ein Schlaglicht auf die komplexen Herausforderungen im Bereich geistigen Eigentums in der Pharmaindustrie, insbesondere bei Medikamenten, die während der Covid-19-Pandemie entwickelt wurden. Während Enanta in den USA einen Rückschlag erlitten hat, könnte die Klage vor dem UPC eine neue Chance bieten, ihre Ansprüche durchzusetzen. Analysten sehen Enantas Pipeline und finanzielle Stabilität positiv, mit einer soliden Liquidität und einem Kursziel von bis zu 25 US-Dollar, was auf ein günstiges Risiko-Nutzen-Profil hinweist.
Die Klage könnte jedoch Risiken bergen, etwa negative Auswirkungen auf Enantas Reputation oder die Entwicklung eigener antiviraler Kandidaten, falls Pfizer die Priorität seiner eigenen Patente erfolgreich geltend macht. Die Entscheidung des UPC wird nicht nur für Enanta und Pfizer, sondern auch für die breitere Debatte über Patentrechte in der Pharmaindustrie von Bedeutung sein.
