Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) in Deutschland bringt neben den erwarteten Vorteilen auch einige potenzielle Risiken mit sich. Diese lassen sich in mehrere Kategorien einteilen:
Datenschutz und Datensicherheit stehen an erster Stelle der Bedenken. Trotz hoher Sicherheitsstandards und Verschlüsselungstechnologien besteht die Gefahr von Cyberangriffen und Datenlecks[5]. In anderen Ländern sind solche Vorfälle im Gesundheitswesen bereits Realität. Der Sicherheitsforscher Manuel Atug prognostiziert, dass in den nächsten 5-10 Jahren auch deutsche Gesundheitsdaten im großen Stil gestohlen werden könnten, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht nachgebessert werden[8].
Ein konkretes Beispiel für die möglichen Folgen eines Datenlecks liefert ein Fall aus Finnland: 2018 wurden dort Daten eines Psychotherapiezentrums entwendet und anschließend zur Erpressung der Patienten genutzt, indem mit der Veröffentlichung der Therapiesitzungsprotokolle gedroht wurde[6].
Die Deutsche Aidshilfe warnt vor dem Risiko der Diskriminierung durch die ePA. Sie kritisiert, dass das Verfahren zum Ausblenden bestimmter Diagnosen zu kompliziert sei und die Möglichkeiten, Dokumente zu verbergen, begrenzt seien[8]. Dies könnte insbesondere für Menschen mit HIV oder anderen stigmatisierten Erkrankungen problematisch sein.
Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber sieht die Gefahr der Stigmatisierung. Er fordert, dass die ePA nur mit „unkritischen Daten“ automatisch befüllt werden sollte und für alle anderen Daten eine explizite Einwilligung der Versicherten erforderlich sein müsste[8].
Ein weiteres Risiko besteht in der möglichen Zweckentfremdung der Daten. Die Freie Ärzteschaft befürchtet, dass die Gesundheitswirtschaft an die Daten gelangen könnte, um damit Geschäfte zu machen[9]. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat selbst darauf hingewiesen, dass die Nichtverfügbarkeit von ePA-Daten für die Forschung Deutschland international zurückfallen lasse, was Bedenken hinsichtlich einer zu großzügigen Datenweitergabe verstärkt[9].
Eine Studie der Ernst-Abbe-Hochschule Jena aus dem Jahr 2019 zeigt, dass 76% der befragten Patienten eine selektive Opt-out-Möglichkeit befürworten und erklärten, dass sich ihre Bereitschaft zur Teilnahme an der ePA dadurch erhöht[7]. Dies unterstreicht die Wichtigkeit von Kontrollmöglichkeiten für die Patienten.
Technische Herausforderungen stellen ein weiteres Risiko dar. Nicht alle Patienten verfügen über die notwendigen technischen Mittel oder Kenntnisse, um die ePA optimal zu nutzen. Insbesondere ältere Menschen oder solche ohne Smartphone könnten benachteiligt sein[5]. Zudem bieten gerade die nicht flächendeckend mit Sicherheitsupdates versorgten Android-Geräte potenzielle Angriffspunkte[9].
Schließlich besteht die Gefahr einer Überforderung sowohl von Patienten als auch von medizinischem Personal durch die Fülle an Informationen in der ePA[1]. Dies könnte zu Fehlinterpretationen oder übersehenen wichtigen Informationen führen.
Trotz dieser Risiken sehen viele Experten die ePA als wichtigen Schritt zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Es wird jedoch deutlich, dass noch Nachbesserungen nötig sind, um die Sicherheit und Akzeptanz der elektronischen Patientenakte zu erhöhen und die genannten Risiken zu minimieren.
Quellen:
[1] Die elektronische Patientenakte (ePA): Revolution im deutschen … https://labuniq.com/die-elektronische-patientenakte-epa-revolution-im-deutschen-gesundheitswesen-fur-versicherte/
[2] Möglichkeiten und Herausforderungen der elektronischen … https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/150563/Moeglichkeiten-und-Herausforderungen-der-elektronischen-Patientenakte
[3] Die elektronische Patientenakte kommt: Auf dem Weg zum Standard https://www.deutschlandfunk.de/elektronische-patientenakte-vorteile-bedenken-widerspruch-100.html
[4] Elektronische Patientenakte: Jenaer Studie zur Akzeptanz … – MDR https://www.mdr.de/wissen/medizin-gesundheit/akzeptanz-elektronische-patientenakte-forschung-jena-100.html
[5] ePa: Vor- und Nachteile der elektronischen Patientenakte – Capital.de https://www.capital.de/geld-versicherungen/epa–vor–und-nachteile-der-elektronischen-patientenakte-34354968.html
[6] Elektronische Patientenakte – zu Risiken und – Digitalcourage https://digitalcourage.de/blog/2021/elektronische-patientenakte-risiken-und-nebenwirkungen
[7] Patientengruppenspezifische Datenhoheitsbedürfnisse und … – NCBI https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9636088/
[8] Elektronische Patientenakte: Deutsche Aidshilfe warnt vor … https://netzpolitik.org/2024/elektronische-patientenakte-deutsche-aidshilfe-warnt-vor-diskriminierung/
[9] Elektronische Patientenakte: Das sind die Gefahren und Vorteile – TAZ https://taz.de/Elektronische-Patientenakte/!5918459/
[10] Elektronische Patientenakte (ePA) – Bundesärztekammer https://www.bundesaerztekammer.de/themen/aerzte/digitalisierung/digitale-anwendungen/telematikinfrastruktur/epa
