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DOJ und UnitedHealth einigen sich auf Milliarden-Übernahme von Amedisys – unter Auflagen

Washington, D.C. – 7. August 2025 – Das US-Justizministerium (DOJ) hat eine vorläufige Einigung mit dem Gesundheitsriesen UnitedHealth Group und dem Home-Health-Anbieter Amedisys erzielt, die den Weg für eine 3,3 Milliarden Dollar schweren Übernahme freimachen könnte. Im Rahmen der Settlement müssen die Unternehmen jedoch 164 Home-Health- und Hospice-Einrichtungen in 19 US-Bundesstaaten abstoßen, um wettbewerbsrechtliche Bedenken zu adressieren. Die Vereinbarung markiert einen weiteren Erfolg der Biden-Administration in ihrer harten Linie gegen Konzentrationen im Gesundheitssektor und folgt auf eine monatelange Klage, die die Fusion zunächst zu blocken drohte.

Die Einigung, die heute vom DOJ bekannt gegeben wurde, sieht vor, dass die abgestoßenen Einrichtungen an zwei unabhängige Käufer verkauft werden, um den Wettbewerb in sensiblen Märkten für häusliche Pflege und Hospizdienste zu erhalten. Zusätzlich muss Amedisys eine Strafe von 1,1 Millionen Dollar zahlen, da das Unternehmen fälschlicherweise eine vollständige Einhaltung der Fusionsvorschriften zertifiziert hatte. 8 Die betroffenen Staaten umfassen unter anderem Maryland, Illinois, New Jersey und New York, die sich der Klage des DOJ angeschlossen hatten. „Diese Maßnahmen schützen vulnerable Patienten vor höheren Preisen und geringerer Qualität in der häuslichen Gesundheitsversorgung“, erklärte Jonathan Kanter, Leiter der Kartellabteilung des DOJ, in einer Pressemitteilung. „Wir sorgen dafür, dass der Wettbewerb intakt bleibt und Innovationen gefördert werden.“

Hintergrund der Kontroverse: Eine umstrittene Mega-Fusion

Die Geschichte begann im Juni 2023, als UnitedHealth Group, der größte US-Gesundheitsversicherer mit einem Jahresumsatz von über 370 Milliarden Dollar, ankündigte, Amedisys für 3,3 Milliarden Dollar zu übernehmen. Amedisys, ein führender Anbieter von Home-Health- und Hospizdiensten mit Sitz in Baton Rouge, Louisiana, betreibt Hunderte von Standorten landesweit und versorgt jährlich Millionen von Patienten, darunter viele ältere und chronisch Kranke. Die Übernahme sollte die Präsenz von UnitedHealths Optum-Sparte im boomenden Markt für häusliche Pflege stärken, der durch die alternde Bevölkerung und steigende Nachfrage nach kostengünstigen Alternativen zu Krankenhausaufenthalten angetrieben wird.

Doch das DOJ sah rote Flaggen: In einer Klage vom November 2024 warf die Behörde den Unternehmen vor, dass die Fusion den Wettbewerb in Dutzenden von Märkten eliminieren würde, was zu höheren Preisen, geringerer Innovation und schlechterer Versorgungsqualität führen könnte. Besonders kritisch: UnitedHealth kontrolliert bereits LHC Group, einen direkten Konkurrenten von Amedisys, den es 2023 für 5,4 Milliarden Dollar erworben hatte. Die Kombination hätte UnitedHealth zu einem dominanten Player gemacht, mit Marktmacht in Regionen, wo Alternativen rar sind. 6 11 Die Klage wurde vor dem Bezirksgericht in Maryland eingereicht (Fall-Nr. 1:24-cv-03267-JKB), unter Leitung von Richter James K. Bredar. Ein Prozesstermin war zunächst für Oktober 2025 angesetzt, könnte aber nun obsolet werden.

Die Staaten Maryland, Illinois, New Jersey und New York schlossen sich der Klage an, betonten lokale Auswirkungen. New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James, die kürzlich ähnliche Antitrust-Siege errungen hatte, unterstrich: „Wir schützen den Zugang zu bezahlbarer Gesundheitsversorgung für unsere Bürger.“

Details der Einigung: Divestituren und Strafen

Im Kern der Settlement steht die Veräußerung von 164 Einrichtungen, darunter eine affiliierte Apotheke, an Käufer, die vom DOJ genehmigt werden müssen. Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass unabhängige Wettbewerber in den betroffenen Märkten gestärkt werden. Die DOJ-Pressemitteilung betont, dass die Divestituren „breit gefächert“ sind und 19 Staaten abdecken, um lokale Monopole zu verhindern. Potenzielle Käufer könnten Rivale wie Encompass Health oder private Equity-Firmen sein, though keine Namen offiziell genannt wurden.

Zusätzlich zur Strafe für Amedisys – eine seltene Maßnahme in Fusionsfällen – verpflichten sich die Unternehmen, während des Prüfungsprozesses die Vermögenswerte getrennt zu halten und den Wettbewerb aufrechtzuerhalten. Das Proposed Final Judgment, das dem Gericht vorgelegt wurde, verkörpert diese Bedingungen und unterliegt nun dem Antitrust Procedures and Penalties Act (Tunney Act).

UnitedHealth und Amedisys begrüßten die Einigung. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es: „Diese Lösung ermöglicht es uns, unsere Stärken zu kombinieren und Patienten bessere, integrierte Pflege zu bieten.“ Amedisys-Aktien stiegen um 1,4 Prozent nach der Ankündigung, während UnitedHealth stabil blieb.

Nächste Schritte: Öffentliche Beteiligung und mögliche Hürden

Trotz der Einigung ist der Deal noch nicht besiegelt. Gemäß dem Tunney Act muss das DOJ das Proposed Final Judgment im Federal Register veröffentlichen und eine 60-tägige Kommentarphase einleiten. Die Öffentlichkeit – darunter Patientenvertreter, Wettbewerber und Verbraucherschützer – kann Einwände einreichen. Das DOJ wird diese prüfen und dem Gericht eine Competitive Impact Statement vorlegen. Richter Bredar kann das Urteil erst nach Abschluss dieses Prozesses fällen, sofern er es als im öffentlichen Interesse erachtet.

Experten warnen vor potenziellen Verzögerungen. „In Zeiten aggressiver Antitrust-Politik könnte öffentlicher Druck die Einigung kippen“, sagt Antitrust-Rechtlerin Sarah Miller von der American Economic Liberties Project. Dennoch gilt die Settlement als Kompromiss: Das DOJ hat nicht die gesamte Fusion blockiert, wie es bei anderen Deals (z.B. JetBlue-Spirit) tat, sondern durch gezielte Divestituren angepasst.

Auswirkungen auf den Gesundheitsmarkt

Die Einigung unterstreicht die wachsende Skepsis gegenüber Vertikalkonsolidierungen im US-Gesundheitswesen, wo Versicherer wie UnitedHealth zunehmend Pflegeanbieter aufkaufen. Kritiker fürchten, dass solche Megadeals die Kosten in die Höhe treiben – ein Thema, das im Wahljahr 2024 heiß diskutiert wurde. Für Patienten in ländlichen Gebieten, wo Home-Health-Dienste essenziell sind, könnte die Erhaltung des Wettbewerbs bessere Optionen bedeuten.

Während UnitedHealth seine Expansion fortsetzt, bleibt der Fall ein Testfall für die FTC und DOJ unter der neuen Administration. Ob die Fusion letztlich abgeschlossen wird, hängt nun von der öffentlichen Resonanz ab.