La Jolla. Forscher des Scripps Research Institute und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben ein neuartiges DNA-basiertes Gerüst für Impfstoffe entwickelt, das vom Immunsystem weitgehend ignoriert wird. Dadurch wird die Immunantwort stärker auf das gewünschte HIV-Antigen fokussiert. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin Science in seiner Ausgabe vom 5. Februar 2026.
Bei herkömmlichen Impfstoffen werden HIV-Proteine (Antigene) an ein größeres Protein-Gerüst geheftet, das einem Virus ähnelt. Das Immunsystem bildet dann Antikörper gegen verschiedene Teile des Komplexes – oft auch gegen das Gerüst selbst. Bei schwierigen Impfzielen wie HIV, bei denen breit neutralisierende B-Zellen extrem selten sind, können solche „off-target“-Reaktionen die gewünschte Immunantwort behindern.
Die neue Technologie nutzt DNA-Origami, um präzise dreidimensionale Nanopartikel herzustellen. Diese tragen bis zu 60 Kopien eines HIV-Hüllproteins, das seltene B-Zellen aktiviert, die später breit neutralisierende Antikörper bilden können. Im Mausmodell mit humanen Antikörper-Genen richteten sich fast 60 Prozent der Keimzentrum-B-Zellen gegen das HIV-Protein – im Vergleich zu nur etwa 20 Prozent bei einem Protein-Gerüst-Impfstoff, der derzeit in klinischen Studien ist. Das DNA-Gerüst erzeugte ein 25-fach besseres Verhältnis von HIV-spezifischen zu unerwünschten Immunzellen.
B-Zellen erkennen DNA nicht als fremd – ein Schutzmechanismus gegen Autoimmunreaktionen gegen körpereigene DNA. Dadurch bleibt das Gerüst immunologisch „unsichtbar“. Bereits zwei Wochen nach Impfung waren bei Mäusen mit dem DNA-Impfstoff seltene, gewünschte B-Zellen nachweisbar, beim Protein-Gerüst nicht.
Die Methode könnte auch für Universalimpfstoffe gegen Influenza oder Coronaviren nützlich sein, bei denen eine sehr gezielte Rekrutierung seltener B-Zellen entscheidend ist. Die Forscher um Darrell Irvine (Scripps Research) und Mark Bathe (MIT) untersuchen nun, wie die Form der DNA-Nanopartikel die Wirksamkeit beeinflusst, und testen die Langzeitsicherheit.
Die Studie wurde unter anderem von den National Institutes of Health, der Howard Hughes Medical Institute, der Gates Foundation und der Novo Nordisk Foundation gefördert.
https://www.science.org/doi/10.1126/science.adx6291
