Diabetes und Herzinsuffizienz sind zwei eng miteinander verbundene Erkrankungen, die sich gegenseitig beeinflussen und verstärken können. Patienten mit Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln. Umgekehrt ist bei Herzinsuffizienz-Patienten die Prävalenz von Diabetes erhöht.
Studien zeigen, dass Diabetiker ein zwei- bis vierfach höheres Risiko haben, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln als Nicht-Diabetiker[7]. Besonders alarmierend ist, dass bei einem kardiologischen Screening von Diabetes-Patienten festgestellt wurde, dass 28% von ihnen unter einer nicht diagnostizierten Herzinsuffizienz litten[7]. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines frühzeitigen Screenings auf Herzinsuffizienz bei Diabetikern.
Die Prognose für Patienten mit beiden Erkrankungen ist deutlich schlechter. Laut Daten aus Österreich haben Patienten mit Diabetes und Herzinsuffizienz ein etwa doppelt so hohes Risiko, durch ein kardiovaskuläres Ereignis zu sterben, als Patienten mit Herzinsuffizienz ohne Diabetes[4]. Zudem kann eine frühzeitige Nierenerkrankung, die häufig mit Diabetes einhergeht, die Gesamtlebenserwartung bei männlichen Diabetikern im Alter von 30 Jahren um bis zu 15 Jahre verringern, bei Frauen sogar um 17 Jahre[4].
In den letzten Jahren hat sich die Behandlung von Patienten mit Diabetes und Herzinsuffizienz deutlich weiterentwickelt. Besonders vielversprechend sind die SGLT2-Inhibitoren, eine Wirkstoffklasse, die ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt wurde. Studien wie DAPA-HF und EMPEROR haben gezeigt, dass SGLT2-Inhibitoren wie Dapagliflozin und Empagliflozin nicht nur den Blutzucker senken, sondern auch das Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle und Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzinsuffizienz signifikant reduzieren können – und zwar unabhängig davon, ob die Patienten Diabetes haben oder nicht[1][2].
Unternehmen wie AstraZeneca und Boehringer Ingelheim/Eli Lilly treiben die Forschung in diesem Bereich voran. AstraZeneca betrachtet Typ-2-Diabetes ganzheitlich im Kontext von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronischen Nierenerkrankungen[4]. Das Unternehmen führt umfangreiche klinische Programme durch, um die Bedürfnisse der Patienten besser zu verstehen und innovative Behandlungsansätze zu entwickeln.
Für die Diagnostik einer Herzinsuffizienz bei Diabetikern hat sich der Biomarker NT-proBNP als wertvoll erwiesen. Ein negativer NT-proBNP-Test kann eine Herzinsuffizienz weitgehend ausschließen, auch ohne Echokardiographie[7]. Zudem ist NT-proBNP ein starker Vorhersagemarker für das Risiko des kardiovaskulären Todes bei Patienten mit Typ-2-Diabetes[7].
Ein vielversprechender Ansatz in der Behandlung ist auch die Telemedizin. Eine Post-hoc-Analyse der TIM-HF2-Studie deutet darauf hin, dass insbesondere Patienten mit Diabetes und Herzinsuffizienz von einer telemedizinischen Überwachung profitieren können[6]. Dies könnte in Zukunft zu einer verbesserten Versorgung dieser Patientengruppe führen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kombination von Diabetes und Herzinsuffizienz eine besondere Herausforderung darstellt, aber auch neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnet. Die Forschung in diesem Bereich schreitet rasch voran, und es ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahren weitere innovative Therapieansätze entwickelt werden, die die Prognose für diese Patienten verbessern können.
Quellen:
[1] [PDF] Mit Diabetesmedikamenten gegen die Herzschwäche https://dgk.org/daten/pm-dapa-empa-2020.pdf
[2] Herzinsuffizienz als Komorbidität: Kardioprotektion ist möglich https://www.aerzteblatt.de/archiv/213990/Herzinsuffizienz-als-Komorbiditaet-Kardioprotektion-ist-moeglich
[3] Ein Wirkstoff gegen viele Leiden – einBLICK – Universität Würzburg https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/einblick/single/news/ein-wirkstoff-gegen-viele-leiden/
[4] Diabetes-Typ-2 – AstraZeneca https://www.astrazeneca.de/therapiebereiche/herz-kreislauf-und-stoffwechselerkrankungen/stoffwechselerkrankungen.html
[5] Diabetes mellitus, koronare Herzkrankheit und Herzinsuffizienz … https://link.springer.com/article/10.1007/s00508-023-02183-7
[6] Herzschwäche: Telemedizin vor allem bei Diabetes von Nutzen https://nachrichten.idw-online.de/2024/08/27/herzschwaeche-telemedizin-vor-allem-bei-diabetes-von-nutzen
[7] Wie Diabetes und Herzinsuffizienz zusammenhängen | roche.de https://www.roche.de/diagnostik/produkte-loesungen/portfolios/kardiologie/diabetes-und-herzinsuffizienz
