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Deutschland: Erstmals seit Jahren wieder Anstieg der HIV-Neuinfektionen

Die Zahl der neuen HIV-Infektionen in Deutschland ist im Jahr 2024 erneut gestiegen. Laut dem heute veröffentlichten Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI) haben sich schätzungsweise 2.300 Menschen neu mit dem Virus angesteckt – rund 200 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die unwissentlich mit HIV leben, erstmals wieder gewachsen: Etwa 8.200 Betroffene wissen derzeit nichts von ihrer Infektion. Damit liegt der Anteil diagnostizierter Fälle bei nur 92 Prozent; das internationale 95-Prozent-Ziel für 2025 wird verfehlt.

Deutschland: Erstmals seit Jahren wieder Anstieg der HIV-Neuinfektionen. Credits: Unsplash

Der Anstieg betrifft alle Übertragungswege. Bei schwulen und bisexuellen Männern wurden rund 1.300 Neuinfektionen registriert, ein Plus von etwa 100 Fällen. Bei heterosexuellen Kontakten stieg die Zahl auf 590 (+45), bei Menschen, die Drogen intravenös konsumieren, auf 400 (+60). Besonders bei Letzteren ist seit 2010 ein kontinuierlicher Aufwärtstrend zu beobachten.

Die Deutsche Aidshilfe sieht die Entwicklung als direkte Folge von Kürzungen in der Prävention und der Drogenhilfe. An vielen Orten seien Angebote reduziert worden, obwohl gerade dort steigende Infektionszahlen die logische Konsequenz seien. Die Organisation fordert, Sparmaßnahmen umgehend zurückzunehmen und bewährte Programme wieder in vollem Umfang auszubauen.

Kritisch wird die nach wie vor unzureichende Verbreitung der HIV-Prävention mit Medikamenten (PrEP) bewertet. Die Nutzerzahl stagniert bei etwa 40.000 Personen, fast ausschließlich schwule Männer. Wartelisten und regionale Versorgungslücken erschweren den Zugang, obwohl die Prävention für alle Risikogruppen geeignet wäre.

Auch in der Drogenhilfe fehle es vielerorts an Mitteln, um ausreichend sterile Spritzen bereitzustellen – eine der effektivsten Maßnahmen gegen HIV- und Hepatitis-C-Übertragungen. Zudem werde etwa ein Drittel aller HIV-Diagnosen erst in einem späten Stadium gestellt, wenn das Immunsystem bereits schwer geschädigt ist und häufig gleichzeitig Aids diagnostiziert wird.

Die Deutsche Aidshilfe appelliert an Bund, Länder und Kommunen, niedrigschwellige Testangebote auszubauen – etwa durch mobile Testeinheiten in der Drogenszene – und den Zugang zur Therapie auch für Menschen ohne Papiere oder Krankenversicherung sicherzustellen. Nur mit verstärkter Prävention und früher Diagnostik lasse sich der Trend wieder umkehren.

Verifizierte Quellen

  • https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2025/Ausgaben/46_25.pdf?__blob=publicationFile (Epidemiologisches Bulletin 46/2025, RKI)
  • https://www.aidshilfe.de/meldung/hiv-neuinfektionen-deutschland-2024-gestiegen (Pressemitteilung Deutsche Aidshilfe vom 19.11.2025)
  • https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Daten_und_Fakten/daten_und_fakten_node.html (RKI HIV-Statistikseite mit aktuellen Schätzungen)