Berlin, 31. März 2025 – Im Jahr 2022 lebten in Deutschland etwa 1,4 Millionen Menschen ab 40 Jahren mit einer Demenzerkrankung, das entspricht einer Prävalenz von 2,8 Prozent. Das zeigt eine neue Studie des Robert Koch-Instituts (RKI), die im Rahmen der Krankheitslaststudie auf Basis von AOK-Routinedaten erstellt wurde. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Journal of Health Monitoring, verdeutlichen die hohe Relevanz von Demenz für die Gesundheitspolitik – trotz eines leichten Rückgangs der Prävalenz in den letzten Jahren.
Frauen häufiger betroffen
Die Studie, geleitet von Forschenden wie Alexander Rommel und Beate Gaertner vom RKI, zeigt klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen sind mit 3,3 Prozent häufiger betroffen als Männer mit 2,4 Prozent. Besonders im hohen Alter wird dieser Unterschied deutlich – bei den über 95-Jährigen liegt die Prävalenz bei Frauen bei 32,7 Prozent, bei Männern bei 27,4 Prozent. Insgesamt steigt die Häufigkeit mit dem Alter stark an: Bei den über 65-Jährigen beträgt sie 6,9 Prozent.
Regionale Unterschiede
Ein klares Muster zeigt sich in der regionalen Verteilung: Ostdeutschland sowie Teile Bayerns, des Ruhrgebiets und des Saarlands weisen höhere Prävalenzen auf – auch nach Anpassung an die Altersstruktur. Dies könnte mit sozialer Deprivation und einer höheren Verbreitung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes zusammenhängen, die in diesen Regionen historisch und teils bis heute häufiger vorkommen.
Rückgang der Prävalenz
Überraschend ist der leichte Rückgang der altersstandardisierten Prävalenz: Zwischen 2017 und 2022 sank sie von 3,05 Prozent auf 2,47 Prozent. Besonders bei den über 95-Jährigen fiel sie um rund sechs Prozentpunkte. Mögliche Gründe sieht das Forschungsteam in einem gestiegenen Bildungsniveau und einer besseren Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Rauchen. Dennoch warnen die Autoren: Durch die demografische Alterung wird die absolute Zahl der Betroffenen in den kommenden Jahrzehnten steigen.
Methode und Datenbasis
Die Analyse basiert auf Daten von etwa 27 Millionen AOK-Versicherten aus den Jahren 2017 bis 2022. Demenzfälle wurden anhand gesicherter Diagnosen (z. B. Alzheimer, vaskuläre Demenz) erfasst und auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet – alters-, geschlechts- und morbiditätsadjustiert. Die Methode minimiert typische Fehlerquellen wie Erinnerungslücken, birgt jedoch die Gefahr einer Untererfassung, da Demenz oft spät diagnostiziert wird.
Bedeutung für die Zukunft
Demenz bleibt eine zentrale Herausforderung für das Gesundheitswesen. „Trotz rückläufiger Prävalenz wird die absolute Zahl der Betroffenen durch die Alterung der Bevölkerung zunehmen“, betont das Team. Prävention – etwa durch Bildung, soziale Integration und die Reduktion von Risikofaktoren – sei essenziell, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, die nationale Demenzstrategie konsequent umzusetzen, um Betroffene und Angehörige besser zu unterstützen.
