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DEAL-Verträge mit Wiley, Springer Nature und Elsevier: Fortschritt mit Haken für deutsche Universitäten

Das Projekt DEAL, unter Federführung der Hochschulrektorenkonferenz und im Auftrag der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen, hat bundesweite Lizenzverträge mit den Wissenschaftsverlagen Wiley, Springer Nature und Elsevier geschlossen. Ziel: Open Access als Standard etablieren, den Zugang zu Forschungsergebnissen sichern und Kosten transparent gestalten. Die Vereinbarungen mit Wiley (2019), Springer Nature (2020) und Elsevier (2023) gelten als Meilensteine, doch sie bringen deutschen Universitäten auch erhebliche Nachteile – ökonomisch wie strukturell.

Die Verträge im Kern

Die DEAL-Abkommen setzen auf das „Publish-and-Read“-Modell. Forschende aus teilnehmenden Einrichtungen können ihre Artikel direkt Open Access veröffentlichen, während die Institutionen Zugriff auf die kompletten Zeitschriftenportfolios der Verlage erhalten. Statt Subskriptionsgebühren wird pro Artikel abgerechnet – etwa 2.750 Euro bei Wiley und Springer Nature, etwas mehr bei Elsevier. Die Verträge mit Wiley und Springer Nature wurden bis 2028 verlängert, der Elsevier-Deal startete 2024 nach breiter Zustimmung der Forschungseinrichtungen. Jährlich erscheinen Tausende Artikel von deutschen Wissenschaftlern in diesen Verlagen – nun größtenteils frei zugänglich.

Ökonomische Schieflage

Die publikationsbasierte Abrechnung belastet vor allem forschungsstarke Universitäten. Institutionen mit vielen Veröffentlichungen, wie etwa in München, Berlin oder Heidelberg, sehen ihre Ausgaben steigen, während kleinere Hochschulen mit weniger Publikationen profitieren. Für manche Spitzenuniversitäten könnten die Kosten 20–30 % über den früheren Subskriptionsausgaben liegen, obwohl Bibliotheksbudgets begrenzt sind. Die Preisgestaltung bleibt zudem intransparent, da die Verlage ihre dominante Position nutzen, um Gebühren vorzugeben. Damit fließt öffentliches Geld weiter in die Gewinne der Großverlage.

Strukturelle Abhängigkeit

Die Konzentration auf Wiley, Springer Nature und Elsevier, die zwei Drittel der deutschen Publikationen abdecken, verstärkt die Abhängigkeit von wenigen Akteuren. Bibliotheksmittel binden sich an diese Giganten, was kleinere Verlage und alternative Modelle benachteiligt und die Vielfalt im Wissenschaftsmarkt gefährdet. Gleichzeitig lenkt die Fokussierung auf Open Access Ressourcen von anderen Prioritäten ab – etwa der digitalen Infrastruktur oder der Lehre. Besonders kleinere Universitäten gewinnen durch die Verträge kaum an Sichtbarkeit.

Praktische Stolpersteine

Die Umstellung auf DEAL erfordert neue Abrechnungssysteme, die nicht jede Universität reibungslos umsetzen kann. Der administrative Aufwand steigt, und Forschende kämpfen mit komplexen Prozessen bei der Einreichung von Open-Access-Artikeln, vor allem in hybriden Zeitschriften. Diese Hürden erschweren die Praxis und binden zusätzliche Kapazitäten.

Fazit: Gewinne und Verluste

Die DEAL-Verträge ebnen den Weg für Open Access und erhöhen die Reichweite deutscher Forschung. Doch sie schaffen auch Probleme: finanzielle Ungleichgewichte, Abhängigkeit von Großverlagen und bürokratische Belastungen. Der Fortschritt ist real, aber die Frage bleibt, ob die Zeitschriftenkrise wirklich gelöst oder die Macht der Verlage nur gefestigt wird. Deutsche Universitäten müssen Strategien finden, um die Vorteile zu nutzen, ohne sich selbst zu überlasten.