Langjähriger Alkoholkonsum führt zu tiefgreifenden Veränderungen der Genexpression im mesocorticolimbischen System – jenen Hirnregionen, die für Belohnung, Impulskontrolle und Entscheidungsfindung entscheidend sind. Das zeigt eine Post-mortem-Studie des Instituts für Neurowissenschaften (UMH-CSIC) in Elche, die in der Fachzeitschrift Addiction veröffentlicht wurde.
Das Team um Jorge Manzanares und María Salud García-Gutiérrez untersuchte Hirngewebe von Personen mit langjähriger Alkoholabhängigkeit (durchschnittlich 35 Jahre) und verglich es mit Kontrollproben. Im Fokus stand das Endocannabinoid-System – ein zentrales Netzwerk für Belohnung, Motivation und Suchtverhalten.
Ergebnisse:
- Die Expression des CB1-Rezeptor-Gens stieg im präfrontalen Kortex um 125 % und im Nucleus accumbens um 78 %.
- Die Expression des CB2-Rezeptor-Gens sank in beiden Regionen um etwa 50 %.
- GPR55 (ein lange als „orphan“ geltender Rezeptor) zeigte regionsspezifische Veränderungen: +19 % im präfrontalen Kortex, –51 % im Nucleus accumbens.
- FAAH (Enzym zum Abbau von Anandamid) war im präfrontalen Kortex reduziert, im Nucleus accumbens um 24 % erhöht.
Die Veränderungen betreffen Regionen, die für Rückfallrisiko und neuronale Schäden entscheidend sind. Die Abnahme von CB2 deutet auf eine geschwächte neuroprotektive und entzündungshemmende Kapazität hin.
Die Studie nutzte Proben des New South Wales Tissue Resource Centre (Australien) und isolierte die Effekte von Alkohol, da keine anderen Drogenkonsumenten einbezogen wurden.
Die Ergebnisse könnten gezieltere Therapien ermöglichen, die das Endocannabinoid-System modulieren – mit dem Ziel, Rückfallrisiken zu senken und alkoholbedingte Hirnschäden zu mindern.
Verifizierte Quelle:
- Fachartikel: Addiction (2025), DOI 10.1111/add.70293 (Online-Veröffentlichung 21. Dezember 2025)
