Chaos in Lymphknoten fördert Krebswachstum bei aggressiven Lymphomen
Bei aggressiven Lymphomen zerstören entzündliche Botenstoffe die geordnete Struktur der Lymphknoten. Dadurch wird die lokale Immunabwehr geschwächt und das Tumorwachstum begünstigt. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Simon Haas hat diesen Mechanismus erstmals detailliert entschlüsselt.
Die Wissenschaftler verglichen mithilfe hochauflösender Einzelzell- und räumlicher Analysen Lymphknoten mit erhaltener und zerstörter Architektur. Dabei zeigte sich, dass seltene Stromazellen – die als „Dirigenten“ des Immunsystems fungieren – entscheidend für die räumliche Organisation der Immunzellen sind. In aggressiven Lymphomen reprogrammieren T-Zellen diese Stromazellen durch entzündliche Signale, sodass die fein abgestimmte Gewebestruktur zusammenbricht.
Dieser Prozess ist kein passiver Nebeneffekt des Tumorwachstums, sondern ein aktiver, sich selbst verstärkender Entzündungskreislauf. Die Auflösung der Lymphknotenarchitektur schwächt die lokale Immunantwort und verschafft dem Tumor Vorteile. Patienten mit starker Stromazell-Reprogrammierung haben eine deutlich schlechtere Prognose.
Die Studie legt nahe, dass eine Stabilisierung der Stromazellen oder eine gezielte Modulation entzündlicher Signale neue therapeutische Ansätze bieten könnte. Zudem könnten die identifizierten Mechanismen als Biomarker für besonders aggressive Krankheitsverläufe dienen.
Die Ergebnisse wurden am 25. März 2026 in der Fachzeitschrift Nature Cancer veröffentlicht. An der Arbeit waren unter anderem das Berlin Institute of Health at Charité, das Max-Delbrück-Centrum, die Universität Düsseldorf, die European Molecular Biology Laboratory und das Deutsche Krebsforschungszentrum beteiligt.
Nature Cancer
DOI

Credits:
Marc-Andrea Bärtsch, Felix Czernilofsky, Med-V UKHD
