Susan Monarez, Direktorin der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC, wurde nach weniger als einem Monat im Amt entlassen. Ihre Amtszeit, die am 31. Juli begann, war die kürzeste in der 79-jährigen Geschichte der Behörde. Die Entlassung erfolgte nach Berichten über Konflikte mit Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. bezüglich der Impfpolitik.
Monarez, eine erfahrene Mikrobiologin mit Schwerpunkt auf Biosicherheit, wurde im Juli vom Senat mit knapper Mehrheit bestätigt. Sie war die erste CDC-Direktorin, die gemäß einem neuen Gesetz von 2023 eine Senatsbestätigung benötigte. Ihre Ernennung galt als Versuch, Stabilität in die Behörde zu bringen, die unter der Trump-Administration mit Personalabbau, Rücktritten und Kontroversen über Impfpolitiken zu kämpfen hatte. Insbesondere die von Kennedy vorangetriebenen Änderungen, darunter Kürzungen bei Impfprogrammen und die Abkehr von etablierten Gesundheitsinitiativen, sorgten für Spannungen.
Hintergrund der Entlassung waren laut Insidern Meinungsverschiedenheiten zwischen Monarez und Kennedy. Während Monarez in ihrer Anhörung die Bedeutung wissenschaftsbasierter Kommunikation und Impfungen betonte, stand sie den Reformen des Ministers, der als Impfskeptiker bekannt ist, kritisch gegenüber. Kennedy hatte zuvor die gesamte externe Impfberatungskommission der CDC entlassen und durch neue Mitglieder ersetzt, die seine Ansichten teilen. Zudem wurde die Notfallzulassung für Covid-19-Impfstoffe eingeschränkt, was den Zugang für bestimmte Bevölkerungsgruppen erschwerte.
Die Entlassung fiel in eine Phase der Instabilität für die CDC. Anfang August erschütterte ein tödlicher Angriff auf das Hauptquartier in Atlanta die Behörde. Ein Schütze, der die Covid-19-Impfung für seine psychischen Probleme verantwortlich machte, tötete einen Polizisten und feuerte über 180 Schüsse auf CDC-Gebäude, bevor er sich selbst richtete. Monarez versuchte daraufhin, das Vertrauen der Belegschaft durch interne Kommunikation zu stärken, sagte jedoch eine geplante Besprechung ab, da sie zu einem Treffen mit Kennedy nach Washington gerufen wurde.
Gleichzeitig mit Monarez’ Entlassung kündigten mehrere hochrangige CDC-Mitarbeiter, darunter die Chefärztin Debra Houry, ihren Rücktritt an. Sie kritisierten die zunehmende Verbreitung von Gesundheitsdesinformation und Angriffe auf die Wissenschaft. Houry wurde vorübergehend zur kommissarischen Direktorin ernannt, während die Suche nach einem dauerhaften Ersatz läuft. Die Behörde steht vor Herausforderungen durch Budgetkürzungen und sinkende Moral, während sie gleichzeitig auf neue Gesundheitskrisen wie einen gemeldeten Screwworm-Ausbruch reagieren muss.
Die Entlassung von Monarez löste Besorgnis unter Experten aus, die eine weitere Politisierung der CDC und eine Schwächung der öffentlichen Gesundheitsinfrastruktur befürchten. Kritiker sehen darin einen Angriff auf die wissenschaftliche Unabhängigkeit der Behörde, während einige konservative Stimmen die Entscheidung als notwendige Korrektur begrüßten. Die Regierung hat noch keinen Zeitplan für die Ernennung eines neuen Direktors bekanntgegeben.
Hintergrund: Die CDC, gegründet 1946 zur Malariabekämpfung, ist heute eine weltweit führende Behörde für Infektionskrankheiten und Gesundheitsinformationen. Unter der aktuellen Administration steht sie jedoch vor beispiellosen Herausforderungen, da politische Eingriffe und Desinformation das Vertrauen in die Institution untergraben. Kennedy, der seit Januar Gesundheitsminister ist, hat wiederholt Impfprogramme und andere Gesundheitsmaßnahmen in Frage gestellt, was die Spannungen innerhalb der Behörde verschärft.
