Das Glioblastom ist einer der aggressivsten Hirntumore und stellt eine große Herausforderung in der Onkologie dar. Traditionell wird es durch Bildgebungsverfahren wie MRT und invasive Gewebebiopsien diagnostiziert. In den letzten Jahren hat die Forschung jedoch Fortschritte bei blutbasierten Biomarkern gemacht, die eine nicht-invasive Alternative bieten. Dieser Artikel erklärt, welche Blutwerte relevant sind, wie sie funktionieren und welche Rolle sie in der Diagnose, Überwachung und Behandlung spielen. Basierend auf aktuellen Studien wird beleuchtet, warum diese Marker vielversprechend, aber noch nicht routinemäßig einsetzbar sind.

Was ist ein Glioblastom?
Das Glioblastom (auch Glioblastoma multiforme, GBM) ist ein hochmaligner Tumor, der aus glialen Zellen im Gehirn entsteht. Es wächst schnell, infiltriert umliegendes Gewebe und hat eine schlechte Prognose – die mediane Überlebenszeit beträgt oft nur 12 bis 15 Monate trotz Therapie mit Operation, Strahlung und Chemotherapie wie Temozolomid. Symptome umfassen Kopfschmerzen, neurologische Defizite und Krampfanfälle. Die Blut-Hirn-Schranke (BBB) schützt das Gehirn vor Schadstoffen, erschwert aber auch die Detektion tumorbezogener Substanzen im Blut.
Traditionelle Diagnose und die Rolle von Bluttests
Die Diagnose erfolgt primär durch neurologische Untersuchungen, MRT-Scans und Biopsien, die tumor-spezifische Mutationen wie IDH1/2, MGMT-Promotormethylierung oder EGFR-Veränderungen aufdecken. Routinemäßige Blutuntersuchungen wie Blutbild (z. B. Anämie, Thrombopenie) oder Entzündungsparameter (CRP, BSG) dienen der allgemeinen Gesundheitsbewertung und Therapieüberwachung, zeigen aber keine tumor-spezifischen Veränderungen. Hier kommen blutbasierte Biomarker ins Spiel: Sie ermöglichen eine „Liquid Biopsy“ – eine Analyse von Tumormaterial im Blut, das trotz BBB in kleinen Mengen austreten kann.
Blutbasierte Biomarker: Ein Überblick
Blutmarker für Glioblastome umfassen zirkulierende Tumorzellen (CTCs), extrazelluläre Vesikel (EVs), zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) und mikro-RNAs (miRNAs). Diese werden vom Tumor freigesetzt und spiegeln seine genetischen und molekularen Eigenschaften wider. Sie dienen der Diagnose, Prognose (z. B. Überlebenschancen), Vorhersage von Therapieansprechen und Monitoring von Rezidiven oder Pseudoprogression (scheinbares Tumorwachstum durch Therapie).
Zirkulierende Tumorzellen (CTCs)
CTCs sind intakte Tumorzellen, die ins Blut gelangen. Sie tragen Mutationen wie EGFR-Amplifikationen oder Expressionsmuster (z. B. mesenchymale Marker wie SERPINE1). Detektion erfolgt durch Techniken wie Mikrofluidik-Chips oder Immunzytochemie (z. B. mit Glialfibrillenprotein). Vorteile: Hohe Spezifität (bis 100 %), ermöglicht genetische Analysen. Herausforderungen: Seltenheit (Sensitivität 20-72 %), abhängig von Tumorgröße und Therapie. Klinisch: In 20-70 % der GBM-Patienten nachweisbar, korreliert mit Progression.
Extrazelluläre Vesikel (EVs/Exosome)
EVs sind kleine Bläschen, die mRNA (z. B. EGFRvIII, IDH1), Proteine und miRNAs transportieren. Sie fördern Tumorwachstum und Immunsuppression. Detektion: PCR oder Sequenzierung. Vorteile: Kurze Halbwertszeit für dynamisches Monitoring, hohe Spezifität (98-100 %). Herausforderungen: Sensitivität unter 70 %, besser in Liquor als Blut. Klinisch: Nachweis von Mutationen in 60 % der Fälle, nützlich für Resistenzmonitoring (z. B. MGMT-mRNA).
Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA)
ctDNA ist freie DNA mit tumor-spezifischen Mutationen (z. B. IDH1 R132H, MGMT-Methylierung). Detektion: Digitale Droplet-PCR (ddPCR) oder Next-Generation-Sequenzierung (NGS). Vorteile: Hohe Spezifität (97-100 %), serialisierbar für Verlaufsbeobachtung. Herausforderungen: Niedrige Sensitivität im Blut (10-81 %, besser bei großen Tumoren), BBB-Einfluss. Klinisch: Erkennt Alterationen in 50-80 %; in Liquor (CSF-tDNA) bis 89 %; hilft bei Rezidivdetektion vor MRT.
Mikro-RNAs (miRNAs) und ctRNA
miRNAs regulieren Genexpression und sind im Blut stabil. Beispiele: Upreguliert miR-210 (schlechte Prognose), downregulated miR-205. Detektion: PCR. Vorteile: Korrelation mit Prognose und Therapieansprechen. Herausforderungen: Frühe Forschungsstufe, variierende Expression. Klinisch: miR-185 sinkt postoperativ; nützlich für pädiatrische GBM.
Neue Entwicklungen: Der TriNetra-Glio-Bluttest
Ein Meilenstein ist der TriNetra-Glio-Test, der CTCs isoliert und mittels Fluoreszenz-Immunzytochemie identifiziert. Er detektiert Glialtumore mit 95-99 % Sensitivität und 100 % Spezifität, benötigt nur 15 ml Blut und vermeidet Biopsien. Implikationen: Schnellere Diagnose, besonders bei inoperablen Tumoren; Integration genomischer Daten für personalisierte Therapie. Der Test erhielt 2023 FDA-Breakthrough-Status und könnte in 2 Jahren verfügbar sein.
Vorteile und Herausforderungen
Vorteile: Nicht-invasiv, kostengünstig, serialisierbar; ermöglicht Echtzeit-Monitoring und Früherkennung von Resistenz. Herausforderungen: Niedrige Konzentrationen durch BBB, Bedarf an hoch sensiblen Methoden; Validierung in großen Studien fehlt. Kombinationen (z. B. ctDNA + EVs) könnten die Sensitivität steigern.
Zukunftsperspektiven
Die Forschung zielt auf Integration in Routine: Liquid Biopsies könnten Biopsien ergänzen, Therapien wie Immuntherapien (z. B. gegen EGFRvIII) leiten und Prognosen verbessern. Methylierungssignaturen erreichen bereits 80 % Genauigkeit. In Kombination mit KI könnte dies die GBM-Behandlung revolutionieren.
Zusammenfassend bieten Blutwerte beim Glioblastom ein Fenster in den Tumor, ohne invasive Eingriffe. Während sie noch forschungsintensiv sind, versprechen sie eine patientenfreundlichere Onkologie. Betroffene sollten mit Fachärzten sprechen, da individuelle Werte variieren.

