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Bluttest auf Brustkrebs revolutioniert die Früherkennung

Key Points

  • Es scheint wahrscheinlich, dass Bluttests zur Früherkennung von Brustkrebs noch nicht im klinischen Alltag etabliert sind, aber Forschung zeigt vielversprechende Ansätze.
  • Mammographie bleibt der Goldstandard für die Früherkennung, während Bluttests wie CA 15-3 eher zur Überwachung der Behandlung genutzt werden.
  • Forschung deutet darauf hin, dass Liquid-Biopsie und Tumor-assoziierte zirkulierende Transkripte (TACTs) potenziell frühzeitig Krebs erkennen könnten, sind aber noch in der Validierung.
  • Eine unerwartete Entwicklung ist, dass Bluttests möglicherweise Brustkrebs bis zu fünf Jahre vor klinischen Symptomen erkennen könnten, was die Überlebenschancen erheblich verbessern könnte.

Aktueller Stand

Derzeit gibt es keinen weit verbreiteten Bluttest, der für die Früherkennung von Brustkrebs empfohlen wird. Mammographie ist die etablierte Methode, um Brustkrebs frühzeitig zu erkennen, insbesondere bei Frauen im Alter von 40 bis 74 Jahren, die alle zwei Jahre gescreent werden sollten (American Cancer Society). Bluttests wie CA 15-3 werden hauptsächlich zur Überwachung der Behandlung und zur Erkennung von Rezidiven verwendet, nicht jedoch zur Früherkennung, da sie in frühen Stadien oft nicht erhöht sind.

Versprechende Forschung

Forschung zeigt, dass neue Ansätze wie Liquid-Biopsie, die zirkulierende Tumorzellen (CTCs) oder zellfreie DNA (cfDNA) analysiert, potenziell frühzeitig Krebs erkennen könnten. Eine Studie identifizierte 10 mRNA-Transkripte (TACTs), die bei Brustkrebs-Patienten erhöht sind, mit einer Sensitivität von 90,2 % und einer Spezifität von 80,0 %, vergleichbar mit Mammographie (International Journal of Molecular Sciences). Auch die Erkennung von Autoantikörpern gegen Tumor-assoziierte Antigene könnte Brustkrebs bis zu fünf Jahre vor klinischen Symptomen aufdecken, ist aber noch in der Entwicklung (NCRI).

Herausforderungen und Zukunft

Die Entwicklung solcher Tests steht vor Herausforderungen wie der Notwendigkeit hoher Sensitivität und Spezifität, Standardisierung und Kosten. Dennoch könnte die Integration von Bluttests mit Bildgebung die Früherkennung verbessern und die Überlebenschancen erhöhen.


Bericht: Die Potenziale und Herausforderungen von Bluttests zur Früherkennung von Brustkrebs

Einführung

Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten weltweit, und die Früherkennung ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung und verbesserte Überlebenschancen. Traditionell wird die Mammographie als primäre Methode zur Früherkennung eingesetzt. Doch es gibt zunehmendes Interesse an der Entwicklung von Bluttests, die eine weniger invasive und zugänglichere Option für das Screening bieten könnten. Dieser Bericht beleuchtet den aktuellen Stand, vielversprechende Forschungsergebnisse und die Herausforderungen bei der Entwicklung solcher Tests.

Aktueller Stand der Bluttests

Derzeit gibt es keinen weit verbreiteten Bluttest, der für die Früherkennung von Brustkrebs empfohlen wird. Die American Cancer Society empfiehlt Frauen im Alter von 40 bis 74 Jahren, die ein durchschnittliches Risiko haben, alle zwei Jahre eine Mammographie durchzuführen, um Brustkrebs frühzeitig zu erkennen (American Cancer Society). Bluttests wie CA 15-3, ein Tumor-Marker, werden hauptsächlich zur Überwachung der Behandlung und zur Erkennung von Rezidiven verwendet. Eine Analyse zeigt, dass CA 15-3 in weniger als 50 % der Frauen mit lokalisiertem, frühem Brustkrebs erhöht ist, aber in etwa 80 % der Fälle bei metastatischem Brustkrebs (Testing.com). Daher ist CA 15-3 nicht geeignet für die Früherkennung, da die Werte in frühen Stadien oft nicht detektierbar sind.

Versprechende Forschungsergebnisse

Forschung zeigt vielversprechende Ansätze für Bluttests zur Früherkennung. Eine bedeutende Methode ist die Liquid-Biopsie, die zirkulierende Tumorzellen (CTCs) oder zellfreie DNA (cfDNA) im Blut analysiert. Eine Übersichtsarbeit hebt hervor, dass Liquid-Biopsie potenziell zur frühen Erkennung von Krebs geeignet ist, jedoch die Sensitivität für frühe Stadien von Brustkrebs noch gering ist (PMC). Eine spezifische Studie identifizierte 10 mRNA-Transkripte, sogenannte Tumor-assoziierte zirkulierende Transkripte (TACTs), die bei Brustkrebs-Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollen erhöht sind. Diese Studie, die 719 Blutproben von 404 Brustkrebs-Patienten und 315 gesunden Kontrollen prospektiv untersuchte, zeigte eine Sensitivität von 90,2 % und eine Spezifität von 80,0 % für die Erkennung von Brustkrebs, was mit Mammographie vergleichbar ist (International Journal of Molecular Sciences). Die Leistungsfähigkeit der TACTs wurde über verschiedene Stadien und Subtypen hinweg konsistent gezeigt, mit einer Sensitivität von 87 % für Stadium I und 100 % für Stadium III.

Eine weitere vielversprechende Richtung ist die Erkennung von Autoantikörpern gegen Tumor-assoziierte Antigene. Eine Studie von der University of Nottingham fand, dass diese Methode Brustkrebs bis zu fünf Jahre vor klinischen Symptomen erkennen könnte, was die Überlebenschancen erheblich verbessern könnte (ScienceDaily). In einer Pilotstudie wurden Blutproben von 90 Brustkrebs-Patienten und 90 Kontrollen analysiert, und die Ergebnisse waren ermutigend, obwohl weitere Validierung notwendig ist.

Detaillierte Analyse der TACTs-Studie

Die TACTs-Studie verwendete vier verschiedene maschinelle Lernmodelle: Künstliches neuronales Netz (ANN), Entscheidungsbaum (DT), logistische Regression (LR) und Support-Vektor-Maschine (SVM). Das ANN-Modell zeigte die beste Leistung mit einer Sensitivität von 88,3 %, einer Spezifität von 87,7 % und einer Genauigkeit von 88,0 % im Trainingsdatensatz und 90,2 %, 80,0 % bzw. 85,7 % im Testdatensatz (p < 0,001). Im Vergleich zu konventionellen Assays wie Mammographie (89 %), CEA (7 %) und CA 15-3 (5 %) übertraf die TACTs-Methode deutlich. Die Sensitivität variierte nach Subtyp: Luminal A 86 %, Luminal B 100 %, HER-2 100 %, Triple-negativ 83 %, und nach Stadium: Stadium I 87 %, Stadium II 91 %, Stadium III 100 %, Stadium IV 83 %. Die prognostische Wertigkeit war ebenfalls signifikant, mit einem Hazard Ratio von 3,06 (95 % CI 0,39–7,91, p < 0,05) für positive TACTs und einer Vorhersage aller 12 Patienten (9,8 % von 122), die innerhalb von fünf Jahren verstarben.

AspektDetails
Studien-DesignProspektiv, 719 Blutproben (404 Brustkrebs-Patienten, 315 gesunde Kontrollen).
TACTs identifiziert10 mRNA-Transkripte (EPCAM, KRT19, ERBB2, MKI67, TERT, VIM, NPTN, MCAM, SNAI2, FOXA2).
Maschinelle LernmodelleANN, DT, LR, SVM.
ANN-Modell-LeistungTrainingsdatensatz: Sensitivität 88,3 %, Spezifität 87,7 %, Genauigkeit 88,0 % (p < 0,001). Testdatensatz: Sensitivität 90,2 %, Spezifität 80,0 %, Genauigkeit 85,7 % (p < 0,001).
Vergleich mit konventionellen AssaysTACTs-Sensitivität 90,2 % vs. Mammographie 89 %, CEA 7 %, CA 15-3 5 %.
Sensitivität nach SubtypLuminal A 86 %, Luminal B 100 %, HER-2 100 %, Triple-negativ 83 %.
Sensitivität nach StadiumStadium I 87 %, Stadium II 91 %, Stadium III 100 %, Stadium IV 83 %.
Prognostischer WertPositive TACTs assoziiert mit schlechteren Überlebensausgängen (HR = 3,06, 95 % CI 0,39–7,91, p < 0,05).
KostenwirksamkeitTACTs-Test ist kostengünstiger und hat höhere Durchsatzraten als NGS-basierte Tests, potenziell Reduktion der Behandlungskosten um 26 Milliarden USD jährlich.

Herausforderungen und Überlegungen

Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse gibt es mehrere Herausforderungen. Die Sensitivität und Spezifität müssen weiter verbessert werden, um falsch-positive Ergebnisse zu minimieren. Eine Studie zeigte, dass Liquid-Biopsien auf Basis von zellfreier DNA eine geringe Sensitivität für frühe Stadien von Brustkrebs haben und daher unwahrscheinlich eine Alternative zur digitalen Mammographie sind (PMC). Die Standardisierung der Assays ist ein weiteres Problem, da es derzeit keine einheitlichen Protokolle gibt, was die Vergleichbarkeit der Ergebnisse erschwert. Zudem müssen neue Tests kostengünstig und zugänglich sein, um für ein flächendeckendes Screening geeignet zu sein. Die regulatorische Genehmigung erfordert umfassende Validierungsstudien, was Zeit und Ressourcen in Anspruch nimmt.

Zukunftsaussichten

Die Zukunft von Bluttests zur Früherkennung von Brustkrebs sieht vielversprechend aus, aber weitere Forschung ist notwendig, um diese Tests zu verfeinern und ihre Wirksamkeit in groß angelegten Studien zu validieren. Die Integration verschiedener Biomarker oder die Kombination von Bluttests mit traditionellen Bildgebungsverfahren könnte die Früherkennungsstrategien verbessern. Eine innovative Entwicklung ist ein Bluttest, der von David Walt, PhD, am Brigham and Women’s Hospital entwickelt wurde, der potenziell in Kombination mit Mammographie unnötige diagnostische Verfahren wie Biopsien reduzieren könnte (Mass General Brigham). Weill Cornell Medicine erhielt im Januar 2024 einen Zuschuss von 2,4 Millionen USD vom US-Verteidigungsministerium, um einen neuen Bluttest zur frühen Erkennung von Brustkrebs zu validieren, was auf das wachsende Interesse und die Investitionen in dieses Feld hinweist (Weill Cornell Medicine).

Schlussfolgerung

Während Bluttests zur Früherkennung von Brustkrebs derzeit nicht im klinischen Alltag etabliert sind, zeigen Forschungsergebnisse wie TACTs und Liquid-Biopsie vielversprechende Ansätze. Es ist wichtig, dass Patienten weiterhin die empfohlenen Screening-Methoden wie Mammographie nutzen und über neue Entwicklungen in diesem Bereich informiert bleiben. Die potenziellen Vorteile, wie die Erkennung von Brustkrebs bis zu fünf Jahre vor klinischen Symptomen, könnten die Überlebenschancen erheblich verbessern, erfordern jedoch weitere Validierung und Implementierung.

Key Citations