Liquid Biopsien gewinnen in der Onkologie zunehmend an Bedeutung. Dabei stehen vor allem zwei Ansätze im Fokus: die Blut-basierte und die Liquor-basierte (CSF) Liquid Biopsy. Beide Verfahren ergänzen sich, haben aber unterschiedliche Stärken.
Blut-Liquid Biopsy
Die Blutprobe ist minimalinvasiv, beliebig wiederholbar und wird bereits breit eingesetzt. Sie eignet sich besonders gut für solide Tumoren außerhalb des Gehirns (z. B. Lungen-, Brust-, Darm- oder Prostatakarzinom). Moderne Tests wie Guardant360 oder FoundationOne Liquid CDx erkennen Mutationen, Fusionen, Tumor-Mutationslast und Mikrosatelliteninstabilität. Vorteile sind die einfache Handhabung und die Möglichkeit zum kontinuierlichen Therapiemonitoring.
Liquor-Liquid Biopsy
Die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) über eine Lumbalpunktion liefert bei Tumoren des zentralen Nervensystems deutlich sensitivere Ergebnisse. Tests wie Summit 2.0 von Belay Diagnostics erreichen bei primären ZNS-Lymphomen oder Gliomen eine wesentlich höhere Nachweisrate als Blutproben, da Tumoren im Gehirn oft nur wenig DNA ins Blut abgeben. Die Liquor-Biopsy ist besonders wertvoll, wenn eine Gewebebiopsie zu riskant ist oder unklare Befunde vorliegen.
Zusammenfassung
- Blut: Standard für die meisten soliden Tumoren – einfach, sicher, gut zum Monitoring.
- Liquor: Überlegen bei Hirn- und Rückenmarkstumoren – sensitiver, aber etwas invasiver.
Beide Methoden werden 2026 zunehmend kombiniert: Blut für die systemische Übersicht, Liquor für die präzise Beurteilung der ZNS-Situation. Experten sehen darin einen wichtigen Fortschritt für die individualisierte Diagnostik und Therapieüberwachung in der Neuro-Onkologie.
