Die deutsche Biotech-Firma BioNTech hat eine Einigung mit CureVac und GlaxoSmithKline (GSK) erzielt, um langjährige Patentstreitigkeiten über mRNA-Technologien zu beenden, die für die Entwicklung des COVID-19-Impfstoffs Comirnaty verwendet wurden. Die Vereinbarung sieht Zahlungen in Höhe von insgesamt 740 Millionen US-Dollar sowie künftige Lizenzgebühren vor. Dieser Schritt ebnet den Weg für die geplante Übernahme von CureVac durch BioNTech, die mit etwa 1,25 Milliarden US-Dollar bewertet wird.
Details der Einigung
Im Rahmen der Vereinbarung wird BioNTech an GSK eine Vorauszahlung von 370 Millionen US-Dollar leisten, wovon 320 Millionen US-Dollar in bar und der Rest durch Änderungen an bestehenden Lizenzverträgen abgedeckt wird. Diese Änderungen umfassen eine deutliche Reduzierung der Lizenzgebühren, die GSK für zukünftige mRNA-basierte Influenza- und COVID-19-Impfstoffe von BioNTech zahlen muss. Zusätzlich erhält GSK ab Januar 2025 eine einprozentige Lizenzgebühr auf US-Verkäufe von mRNA-basierten Influenza- und COVID-19-Impfstoffen, die von BioNTech und seinem Partner Pfizer vertrieben werden. CureVac erhält ebenfalls 370 Millionen US-Dollar bei Abschluss der Übernahme sowie eine einprozentige Lizenzgebühr auf US-Verkäufe ab 2025. Sollte die Übernahme erfolgreich abgeschlossen werden, wird BioNTech weitere 130 Millionen US-Dollar an GSK zahlen und weltweite Lizenzgebühren von einem Prozent auf Verkäufe außerhalb der USA leisten. Pfizer hat sich verpflichtet, BioNTech 80 Millionen US-Dollar sowie die Hälfte der an GSK zu zahlenden Lizenzgebühren für COVID-19-Impfstoffe ab 2025 zu erstatten.
Die Einigung beendet alle anhängigen Patentstreitigkeiten in den USA zwischen CureVac, BioNTech und Pfizer, die seit 2022 andauern. Sie umfasst eine nicht-exklusive Lizenz für BioNTech und Pfizer, um mRNA-basierte COVID-19– und Influenza-Impfstoffe in den USA herzustellen und zu verkaufen. Nach Abschluss der Übernahme von CureVac durch BioNTech wird diese Lizenz auf weltweite Märkte ausgeweitet. Die Vereinbarung sieht zudem vor, dass GSK seine rund 16,6 Millionen CureVac-Anteile im Rahmen des Übernahmeangebots von BioNTech anbietet, was die Übernahme weiter unterstützt.
Hintergrund der Streitigkeiten
Der Patentstreit begann im Juni 2022, als CureVac behauptete, dass BioNTech und Pfizer bei der Entwicklung von Comirnaty Patente verletzt hätten, die sich auf mRNA-Technologien beziehen, darunter ein 2010 erteiltes Patent zur Verbesserung der mRNA-Expression in Zellen. CureVac forderte Schadensersatz, ohne jedoch die Produktion oder den Vertrieb des Impfstoffs zu stoppen. Parallel dazu liefen Verfahren in Deutschland, wo das Europäische Patentamt im Mai 2025 zwei CureVac-Patente bestätigte, was die Grundlage für weitere Verhandlungen in Düsseldorf schuf. Analysten vermuteten, dass BioNTech durch die Übernahme von CureVac potenziell höhere Schadenszahlungen in Milliardenhöhe vermeiden wollte.
Strategische Bedeutung
Die Einigung ermöglicht es BioNTech, sich auf seine strategischen Prioritäten zu konzentrieren, insbesondere auf die Weiterentwicklung seiner mRNA-Technologieplattform für Anwendungen jenseits von COVID-19, wie etwa in der Krebsimmuntherapie und bei anderen Infektionskrankheiten. Die Übernahme von CureVac, die voraussichtlich bis Ende 2025 abgeschlossen wird, soll die komplementären Stärken beider Unternehmen vereinen, um die mRNA-Forschung und -Entwicklung zu beschleunigen. CureVac, das 2000 gegründet wurde, war ein früher Akteur in der mRNA-Technologie, konnte jedoch mit seinem eigenen COVID-19-Impfstoff in klinischen Studien keine ausreichende Wirksamkeit erzielen, was zur Einstellung des Programms führte.
Für GSK stärkt die Einigung die finanzielle Position durch sofortige Zahlungen und zukünftige Lizenzgebühren, während das Unternehmen weiterhin eigene Patente gegen BioNTech und Pfizer in den USA und Europa durchsetzt. Die Zusammenarbeit zwischen GSK und CureVac, die 2020 begann und 2024 überarbeitet wurde, konzentriert sich auf die Entwicklung von mRNA-Impfstoffen gegen Influenza und COVID-19, wobei GSK die vollen Rechte an der Herstellung und Kommerzialisierung dieser Impfstoffe erworben hat.
Marktreaktionen
Nach Bekanntgabe der Einigung stiegen die Aktien von GSK in London am Freitagmorgen um 1,1 Prozent auf 1.398,50 Pence, während die Aktien von BioNTech in New York leicht um 0,2 Prozent auf 111,35 US-Dollar zulegten. CureVac verzeichnete in Frankfurt einen Kursanstieg von 0,7 Prozent auf 4,70 Euro. Die Vereinbarung wurde von Investoren positiv aufgenommen, da sie Unsicherheiten beseitigt und BioNTech ermöglicht, sich auf Innovationen zu konzentrieren, während GSK und CureVac von den finanziellen Vorteilen profitieren.
Ausblick
Die Einigung markiert einen Wendepunkt in der mRNA-Biotechnologiebranche, wo Patentstreitigkeiten die Innovationszyklen und Marktpositionen maßgeblich beeinflussen können. Durch die Beilegung des Streits und die geplante Übernahme positioniert sich BioNTech als führender Akteur in der mRNA-Technologie, während GSK und CureVac von den finanziellen Vereinbarungen profitieren. Die fortlaufenden Patentstreitigkeiten von GSK gegen BioNTech und Pfizer könnten jedoch weitere Entwicklungen in diesem Bereich beeinflussen.
Quellen:
