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Australischer Pharma-Riese CSL plant massive Stellenstreichungen nach Übernahme von St. Galler Firma

Der australische Biotechnologie-Konzern CSL Limited, einer der weltweit größten Hersteller von plasmabasierten Therapien und Impfstoffen, steht vor einer umfassenden Umstrukturierung, die bis zu 15 Prozent seiner weltweiten Belegschaft betreffen könnte. Dies entspricht etwa 3.000 Arbeitsplätzen, von denen auch Stellen in der Schweiz, insbesondere am Standort St. Gallen, gefährdet sind. Die Maßnahmen folgen auf die Übernahme der St. Galler Firma Vifor Pharma im Jahr 2022 für 11,7 Milliarden US-Dollar, die CSL neue Märkte im Bereich Eisenmangel und Nephrologie eröffnete, aber nun Teil einer strategischen Neuausrichtung wird.

Hintergrund: Übernahme und Umstrukturierung

CSL, ursprünglich 1916 als australisches Staatsunternehmen Commonwealth Serum Laboratories gegründet, hat sich durch Akquisitionen wie die von Vifor Pharma zu einem globalen Marktführer entwickelt. Die Übernahme von Vifor, einem führenden Unternehmen für Eisenmangel- und Nierenbehandlungen, sollte CSLs Portfolio diversifizieren und neue Wachstumsmärkte erschließen. Doch drei Jahre später sieht sich der Konzern mit Herausforderungen konfrontiert, darunter harter Wettbewerb, geopolitische Unsicherheiten und die drohenden Zolltarife der USA unter Präsident Donald Trump. Um die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken, plant CSL nun die Abspaltung seiner Impfstoffsparte CSL Seqirus als eigenständiges Unternehmen an der australischen Börse (ASX) bis Ende des Geschäftsjahres 2026 sowie die Schließung unrentabler Plasmasammelzentren.

Die Umstrukturierung zielt darauf ab, jährliche Kosteneinsparungen von 500 bis 550 Millionen US-Dollar bis 2028 zu erzielen. Gleichzeitig erwartet CSL im Geschäftsjahr 2026 einen einmaligen Restrukturierungsaufwand von 700 bis 770 Millionen US-Dollar. Parallel dazu wurde ein Aktienrückkaufprogramm über 750 Millionen Australische Dollar angekündigt, um den Aktionärswert zu steigern. Diese Maßnahmen haben jedoch zu einem massiven Kursverlust von bis zu 17 Prozent an der Börse geführt, da Investoren die kurzfristigen Unsicherheiten kritisch bewerten.

Auswirkungen in der Schweiz

In der Schweiz, wo CSL mit CSL Behring in Bern und der ehemaligen Vifor Pharma in St. Gallen vertreten ist, könnten die Stellenstreichungen spürbare Folgen haben. CSL beschäftigt in Bern über 1.800 Mitarbeitende, die sich auf die Herstellung von Biotherapeutika aus Humanplasma spezialisiert haben. Die Übernahme von Vifor Pharma brachte zusätzliche Standorte in St. Gallen und Glattbrugg in den Konzern, doch die genaue Anzahl der betroffenen Arbeitsplätze in der Schweiz bleibt unklar, da CSL keine detaillierten Angaben veröffentlicht hat. Laut Medienberichten konzentrieren sich die Kürzungen vor allem auf die Forschungs- und Entwicklungsabteilung (F&E), wo etwa ein Drittel der weltweit 2.500 F&E-Mitarbeitenden betroffen sein könnte, sowie auf administrative und Produktionsbereiche.

Bereits in der Vergangenheit hatte CSL in der Schweiz Arbeitsplätze abgebaut, etwa durch die Auslagerung von IT-Dienstleistungen an Capgemini und die Verlagerung von Finanzabteilungen nach England. Die aktuelle Runde von Stellenstreichungen verstärkt die Unsicherheit, insbesondere in St. Gallen, wo Vifor Pharma ein wichtiger Arbeitgeber war. Kritiker bemängeln, dass interne Bewerbungen oft unberücksichtigt bleiben und die Unternehmenskultur zunehmend auf kurzfristigen Aktionärswert ausgerichtet sei, was die Arbeitsmoral und die Qualität der Produktion gefährden könnte.

Herausforderungen und Chancen

Die Abspaltung von CSL Seqirus, die 2015 durch die Übernahme des Impfstoffgeschäfts von Novartis entstand, soll beiden Geschäftsbereichen – CSL Behring/Vifor und Seqirus – mehr Flexibilität verleihen. Seqirus, das im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 2,2 Milliarden US-Dollar erzielte, wird als eigenständiges Unternehmen von Gordon Naylor geführt, einem erfahrenen Manager und ehemaligen Präsidenten der Sparte. Analysten sehen in der Abspaltung Potenzial, den Fokus auf Kernkompetenzen zu schärfen, etwa durch neue Produkte wie die Gentherapie HEMGENIX für Hämophilie B. Dennoch bleibt die Umsetzung riskant, da die kurzfristigen Kosten und die Unsicherheit über die Marktentwicklung die Stimmung der Investoren belasten.

In der Schweiz steht CSL vor der Herausforderung, das Vertrauen der Belegschaft zu erhalten. Die hohen Standards der Schweizer Arbeitskultur, die in Bern noch teilweise erhalten sind, könnten durch weitere Kürzungen und den steigenden Druck auf die Produktion gefährdet werden. Gleichzeitig bietet CSL seinen Mitarbeitenden attraktive Vergünstigungen wie Aktienprogramme, großzügige Urlaubsregelungen und Unterstützung für Familien, was die Firma trotz der aktuellen Krise als Arbeitgeber attraktiv machen könnte.

Ausblick

Die Restrukturierung von CSL zeigt die Zerbrechlichkeit der globalen Biotechnologiebranche, die mit hohen Kosten, intensivem Wettbewerb und geopolitischen Unsicherheiten konfrontiert ist. Für die Schweiz, insbesondere den Standort St. Gallen, bedeutet dies eine ungewisse Zukunft für Hunderte von Arbeitsplätzen. Während CSL mit der Abspaltung von Seqirus und Kostensenkungen auf langfristiges Wachstum setzt, bleibt abzuwarten, ob die Maßnahmen die gewünschte Wirkung erzielen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Firma an die neuen Marktbedingungen anpasst und ob sie ihre Position als globaler Marktführer in der Biotechnologie behaupten kann.