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ASP: Baden-Württemberg verstärkt Kampf gegen Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die ausschließlich Haus- und Wildschweine befällt und für diese in nahezu allen Fällen tödlich verläuft. Für Menschen und andere Tierarten ist sie ungefährlich. Seit ihrem ersten Auftreten in Deutschland im September 2020 in Brandenburg hat sich die Seuche in mehreren Bundesländern ausgebreitet, darunter auch Baden-Württemberg. Besonders betroffen ist der Norden des Bundeslandes, insbesondere der Rhein-Neckar-Kreis sowie die Städte Mannheim und Heidelberg, wo seit August 2024 insgesamt 27 ASP-Fälle bei Wildschweinen bestätigt wurden – 12 im Rhein-Neckar-Kreis und 15 in Mannheim. Die Nähe zu Ausbruchszonen in Hessen und Rheinland-Pfalz erhöht das Risiko einer weiteren Verbreitung erheblich. Die wirtschaftlichen Folgen eines ASP-Ausbruchs sind gravierend, da Handelsbeschränkungen und Seuchenbekämpfungsmaßnahmen Schweinehalter, Schlachtbetriebe und die Landwirtschaft stark beeinträchtigen.

Maßnahmen zur Eindämmung

Baden-Württemberg hat frühzeitig auf die Bedrohung durch die ASP reagiert und bereits 2018 einen umfassenden Maßnahmenkatalog eingeführt, der kontinuierlich angepasst wird. Nach dem ersten bestätigten ASP-Fall im Land im August 2024 wurden die Maßnahmen intensiviert. Zu den Sofortmaßnahmen gehören die Einrichtung von Sperrzonen, die Errichtung von Elektro- und Festzäunen sowie eine verstärkte Suche nach Wildschweinkadavern, da diese über längere Zeit infektiös bleiben und eine Hauptquelle für die Virusübertragung darstellen. Besonders im Fokus steht die Reduktion der Wildschweindichte, da eine geringere Population das Risiko der Virusübertragung senkt.

Ein zentraler Bestandteil der aktuellen Strategie ist der Einsatz von Saufängen, die in Baden-Württemberg seit Dezember 2024 verstärkt in Sperrzone II, vor allem im Staatswald, an strategischen Punkten eingesetzt werden. Saufänge sind spezielle Fallen, die ganze Wildschweinrotten anlocken und ohne große Störung oder Versprengung der Tiere entnehmen können. Diese Methode gilt als effektives Mittel der Seuchenbekämpfung, da sie die Wildschweindichte gezielt reduziert und das Risiko einer weiteren Verbreitung des Virus minimiert. Saufänge wurden bereits erfolgreich in anderen Bundesländern wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen sowie im europäischen Ausland eingesetzt. In Baden-Württemberg werden sie unter strengen Tierschutzauflagen betrieben, wobei geschultes Personal die Entnahme der Tiere durchführt, um tierschutzgerechte Standards sicherzustellen.

Organisation und Umsetzung

Die Umsetzung der Saufänge erfolgt in enger Abstimmung mit dem ASP-Kompetenzteam der Wildforschungsstelle Aulendorf, den Veterinärämtern, Forstbezirken und der Landestierschutzbeauftragten. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit gewährleistet, dass sowohl wildbiologische als auch tierschutzrechtliche Aspekte berücksichtigt werden. Ergänzend zur Jagd durch die Jägerschaft, die aufgefordert ist, Schwarzwild intensiv zu bejagen, unterstützen speziell ausgebildete Suchhundeteams des Training Centers Retten und Helfen (TCRH) in Mosbach die Kadaversuche. Diese Teams sind entscheidend, um infizierte Kadaver schnell zu finden und zu entsorgen, da sie ein zentrales Reservoir für das Virus darstellen. Zudem wurden rund 40 Kilometer Elektrozäune und elf Kilometer Festzäune errichtet, um die Bewegung von Wildschweinen einzuschränken und die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Herausforderungen und Kritik

Der Einsatz von Saufängen ist nicht unumstritten. Unter Jägern gibt es Bedenken, da diese Methode nicht als klassische Jagdausübung gilt, sondern ausschließlich der Seuchenbekämpfung dient. Tierschutzorganisationen weisen auf die Herausforderungen hin, die mit der tierschutzgerechten Umsetzung verbunden sind. Dennoch betont das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, dass Saufänge gemäß EU-Vorschriften ein unverzichtbares Instrument sind, um die Seuche einzudämmen. Die Maßnahmen wurden in enger Zusammenarbeit mit Fachleuten entwickelt, um sowohl die Effektivität als auch den Tierschutz zu gewährleisten.

Biosicherheit und Prävention

Neben der Bekämpfung in der Wildschweinpopulation liegt ein besonderes Augenmerk auf der Biosicherheit in Schweinehaltungsbetrieben, insbesondere in Freiland- und Auslaufhaltungen, die ein erhöhtes Risiko für einen Viruseintrag bergen. Das Ministerium bietet kostenlose Biosicherheitsberatungen durch die Tierseuchenkasse an, die Betriebe bei der Umsetzung strenger Hygienevorschriften unterstützen. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um einen Übergang der Seuche auf Hausschweine zu verhindern, was verheerende wirtschaftliche Folgen hätte. Zudem wird die Bevölkerung aufgefordert, die Schutzzäune zu respektieren und beispielsweise Tore nach der Durchquerung wieder zu schließen, um die Wirksamkeit der Zäune nicht zu beeinträchtigen.

Ausblick

Die bisherigen Maßnahmen in Baden-Württemberg zeigen erste Erfolge, da Hausschweinebestände bislang nicht betroffen sind. Dennoch bleibt die Gefahr einer weiteren Ausbreitung hoch, insbesondere aufgrund der dynamischen Seuchenlage in den Nachbarregionen Hessen und Rheinland-Pfalz. Die Landesregierung setzt auf eine Kombination aus intensiver Bejagung, Saufängen, Zäunen und Kadaversuchen, um die ASP einzudämmen. Die Zusammenarbeit mit Jägern, Landwirten und Behörden sowie die Einbindung moderner Technologien wie Drohnenteams und Suchhunde wird als Vorbild für andere Bundesländer angesehen. Die Fortsetzung und gegebenenfalls Ausweitung dieser Maßnahmen wird entscheidend sein, um die Verbreitung der ASP in Baden-Württemberg und darüber hinaus zu kontrollieren.

Fazit

Baden-Württemberg geht mit einem umfassenden Ansatz gegen die Afrikanische Schweinepest vor, wobei Saufänge eine Schlüsselrolle in der Seuchenbekämpfung spielen. Trotz der Herausforderungen und kontroversen Diskussionen um diese Methode zeigt die enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Jägern und Landwirten, dass das Land gut aufgestellt ist, um die Seuche einzudämmen. Die konsequente Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen und die Reduktion der Wildschweindichte bleiben zentrale Elemente, um sowohl die Wild- als auch die Hausschweinepopulation zu schützen und die wirtschaftlichen Schäden zu minimieren.