Berlin, 23. Juni 2025 – Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich in Deutschland weiter aus und stellt Landwirte, Jäger und Behörden vor große Herausforderungen. Seit dem ersten bestätigten Fall im September 2020 in Brandenburg hat sich die tödliche Tierseuche in mehreren Bundesländern etabliert, mit jüngsten Nachweisen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz. Experten warnen vor erheblichen wirtschaftlichen Schäden und einer schwierigen Bekämpfung.
Verbreitung und aktuelle Lage
Die ASP, eine hochansteckende Virusinfektion, befällt ausschließlich Haus- und Wildschweine und führt in fast allen Fällen zum Tod der infizierten Tiere. Für Menschen und andere Tierarten ist sie ungefährlich. Seit ihrem Auftreten in Deutschland wurden laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bis Mitte Juni 2025 über 8.141 Fälle bei Wildschweinen registriert, vor allem in Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Bei Hausschweinen gab es 2024 elf bestätigte Ausbrüche, darunter in Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und einem Kleinstbetrieb in Rheinland-Pfalz.
Besonders besorgniserregend ist die jüngste Ausbreitung. Im Juni 2024 wurde die ASP erstmals in Hessen (Kreis Groß-Gerau) und kurz darauf in Rheinland-Pfalz (Kreis Alzey-Worms) bei Wildschweinen nachgewiesen. In Nordrhein-Westfalen bestätigte das Landwirtschaftsministerium im Juni 2025 fünf Fälle bei Wildschweinen im Kreis Olpe, was den ersten Ausbruch in diesem Bundesland markiert. „Die Suche nach weiteren Kadavern läuft mit Hochdruck, um die Verbreitung einzudämmen“, erklärte Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen.
Wirtschaftliche und ökologische Folgen
Die ASP hat weitreichende Konsequenzen für die deutsche Schweinewirtschaft. Nach dem ersten Ausbruch 2020 verhängten Länder wie China und Südkorea Importstopps für deutsches Schweinefleisch, was zu erheblichen Einnahmeverlusten führte. In Niedersachsen, wo die Hälfte der deutschen Schweine gemästet wird, befürchten Landwirte Verluste in Milliardenhöhe, sollten größere Betriebe betroffen sein. Bei einem Ausbruch in einem Schweinehaltungsbetrieb wird der gesamte Bestand gekeult, und Sperrzonen erschweren den Transport von Tieren und Fleischprodukten.
Auch ökologisch ist die Seuche problematisch. Die hohe Wildschweindichte in Deutschland – begünstigt durch milde Winter, reichlich Nahrung und fehlende natürliche Feinde – bietet dem Virus ein großes Reservoir. „Die Reduzierung der Wildschweinpopulation durch intensive Bejagung ist zentral“, betont der Deutsche Jagdverband. Doch Jagdverbote in infizierten Gebieten, um die Verbreitung durch aufgescheuchte Tiere zu verhindern, erschweren diese Maßnahmen.
Ursachen und Übertragungswege
Die ASP wurde vermutlich über Polen nach Deutschland eingeschleppt, wo die Seuche seit 2014 grassiert. Das Virus ist extrem widerstandsfähig und kann über kontaminierte Lebensmittel, Kleidung, Fahrzeuge oder Speisereste übertragen werden. „Ein weggeworfenes Wurstbrötchen an einer Raststätte kann genügen, um die Seuche Hunderte Kilometer zu verschleppen“, warnt das FLI. Besonders kritisch sind unachtsam entsorgte Lebensmittelabfälle entlang von Autobahnen, die von Wildschweinen gefressen werden.
Maßnahmen zur Eindämmung
Die Bekämpfung der ASP ist Aufgabe der Bundesländer, unterstützt durch das FLI und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Zu den Maßnahmen gehören:
- Sperrzonen: Um Fundorte werden Kerngebiete, infizierte Zonen und Pufferzonen eingerichtet, in denen Transportverbote und strenge Hygienevorschriften gelten.
- Kadaversuche: Speziell geschulte Teams suchen mit Hunden nach toten Wildschweinen, um Infektionsherde zu identifizieren.
- Biosicherheit: Schweinehalter müssen ihre Betriebe abschirmen, etwa durch Zäune gegen Wildschweine und strikte Hygienemaßnahmen.
- Sensibilisierung: Reisende, Erntehelfer und Jäger werden aufgefordert, keine Lebensmittel aus betroffenen Regionen mitzubringen und Speisereste sicher zu entsorgen.
Trotz dieser Anstrengungen gestaltet sich die Eindämmung schwierig. In Polen, wo 2025 über 2.200 Wildschweine positiv getestet wurden, bleibt die Seuche unkontrolliert, was die Gefahr neuer Einschleppungen erhöht. Erfolge wie in Tschechien und Belgien, wo die ASP ausgerottet wurde, zeigen jedoch, dass konsequente Maßnahmen wirken können.
Ausblick und Appell
„Wir müssen alles tun, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern“, betonte Bundesminister Alois Rainer nach einer Videokonferenz mit den Bundesländern. Das BMEL setzt auf Regionalisierungsverhandlungen, um Exporte aus nicht betroffenen Gebieten zu sichern. Langfristig wird an einem Impfstoff geforscht, doch ein Durchbruch ist nicht in Sicht.
Die Bevölkerung wird zur Mithilfe aufgerufen: Speisereste gehören in verschlossene Müllbehälter, und verdächtige Wildschweinkadaver sollten den Behörden gemeldet werden. „Jeder kann helfen, die Seuche einzudämmen“, appelliert das FLI. Für Deutschlands Landwirte und Jäger bleibt die ASP eine Bedrohung, die nur durch gemeinsame Anstrengungen kontrolliert werden kann.
Quellen: Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Deutscher Jagdverband
