Neue Forschungsergebnisse zeigen vielversprechende Ansätze für die Früherkennung von Lungenkrebs durch Bluttests. Diese könnten in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Identifizierung von Hochrisikopersonen und der Verbesserung der Überlebenschancen spielen.
Entzündungsmarker im Blut
Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben untersucht, ob Entzündungsmarker im Blut die Vorhersagegenauigkeit des Lungenkrebsrisikos verbessern können. Sie analysierten ein Panel von 92 Biomarkern, darunter Zytokine und Interleukine, in Blutproben von Teilnehmern der ESTHER-Studie[1].
Die Ergebnisse zeigten, dass die Bestimmung dieser Entzündungsmarker die Lungenkrebs-Risikovorhersage deutlich verbessern kann. Die Kombination der Markeranalyse mit herkömmlichen Risikoberechnungen führte zu präziseren Vorhersagen[1]. Dies könnte helfen, Hochrisikopersonen besser zu identifizieren, die von einer CT-basierten Früherkennungsuntersuchung profitieren könnten.
Lipidmarker im Blut
Eine Studie chinesischer Forscher am People’s Hospital in Peking hat einen vielversprechenden Ansatz zur Früherkennung von Lungenkrebs im Frühstadium entwickelt. Die Wissenschaftler identifizierten neun spezifische Fette (Lipide), die charakteristisch für Lungentumore sind[2].
Basierend auf diesen Erkenntnissen entwickelten sie einen Bluttest, der in einer Gruppe von 1.036 Teilnehmern mit einer Sicherheit von über 90 Prozent Patienten mit einem Lungentumor im Frühstadium identifizieren konnte[2]. Dieser Test könnte möglicherweise für groß angelegte Bevölkerungsscreenings, insbesondere für Risikogruppen wie Raucher, eingesetzt werden.
Protein HAAH als Biomarker
Ein weiterer vielversprechender Biomarker ist das Protein Asparaginyl ß-Hydroxylase (HAAH). Studien haben gezeigt, dass HAAH bei Krebszellen auf der Zelloberfläche zu finden ist, während es bei gesunden Zellen im Zellkörper verbleibt[3].
In einer Untersuchung wiesen 99 Prozent der Lungenkrebspatienten in allen Krankheitsstadien erhöhte HAAH-Werte im Blut auf. Im Gegensatz dazu hatten nur 9 Prozent der gesunden Nichtraucher einen positiven HAAH-Bluttest[3]. Dies deutet darauf hin, dass HAAH ein relativ treffsicherer Indikator für Lungenkrebs sein könnte.
A20 als potenzieller Marker für Immuntherapie-Erfolg
Forscher der Medizinischen Universität Wien haben das Protein A20 als möglichen Marker für den Erfolg von Immuntherapien bei Lungenkrebspatienten identifiziert. Sie stellten fest, dass Tumorzellen mit geringen Mengen an A20 besonders gut auf Immuncheckpoint-Inhibitoren ansprechen[4].
Die Studie zeigte, dass der Verlust von A20 zu einer verringerten Tumor-Immunüberwachung führt, was ein schnelleres Tumorwachstum zur Folge hat. Patienten mit niedriger A20-Expression könnten möglicherweise von Immuntherapien profitieren, auch wenn sie nach aktuellen Kriterien dafür nicht in Frage kämen[4].
Diese Forschungsergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten für die Früherkennung und Behandlung von Lungenkrebs. Allerdings sind weitere Studien erforderlich, um die Wirksamkeit und Zuverlässigkeit dieser Blutmarker in größeren Patientengruppen zu bestätigen. Bis zur möglichen Einführung in die klinische Praxis werden voraussichtlich noch einige Jahre vergehen.
Quellen:
[1] Lungenkrebs: Blutmarker verbessert Risikoeinschätzung für Raucher https://healthcare-in-europe.com/de/news/lungenkrebs-blut-marker-risiko-raucher.html
[2] Lungenkrebs: Bluttest erkennt Tumor im Frühstadium – T-Online https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_91585736/lungenkrebs-bluttest-erkennt-tumor-im-fruehstadium-hoffnung-nach-studie.html
[3] Diagnose: Bluttest enttarnt Lungenkrebs – FOCUS online https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/news/bluttest-enttarnt-lungenkrebs-diagnose_id_1792894.html
[4] Möglicher Marker für den Erfolg der Immuntherapie … – MedUni Wien https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/2021/news-im-juli-2021/moeglicher-marker-fuer-den-erfolg-der-immuntherapie-bei-lungenkrebs-identifiziert/

